Der erste Laich der Kreuzkröte wird in wenigen Tagen ausgesetzt. Ihr neues Zuhause finden die Kröten in den Tümpeln der Klingenthal-Grube in Muttenz. Auf sechs Hektaren gestaltete der Naturschutz Baselland eine Flusslandschaft, die den natürlichen Lebensraum von Kreuzkröten nachahmt. Für das Kröten-Biotop wurden etwa 75000 Kubikmeter Gelbkies aufgeschüttet. Das Amt für Raumplanung ordnete an, den Wald zu lichten und neue Pflanzen und Sträucher zu säen.

Ausserdem wurden Tümpel angelegt sowie Steinberge und Holzhaufen als Versteck gebaut. «Zwar sieht das Biotop noch künstlich aus, doch die Natur wird die Feinarbeit selbst erledigen», sagt Markus Plattner, Betreuer der Naturschutzgebiete Baselland. «Die Gehölze werden sich verändern und die Kiesflächen werden durch Pflanzen besiedelt.» Mit den Pflanzen kommen die Insekten und Spinnen – die Lebensgrundlage der Kröten.

Weil das Biotop noch relativ karg ist, siedelt der Naturschutz die Kröten nur Schritt für Schritt um: Zunächst kommt der Krötenlaich in die Tümpel der Kiesgrube. Auch bereits geschlüpfte Kaulquappen werden nach Muttenz umgesiedelt. Die ausgewachsenen Tiere bleiben laut Plattner für die nächsten zwei Jahre in Pratteln.

Kröte, Eier, Kualquappen

Dennoch quaken erste Kröten bereits diesen Sommer in Muttenz. In den kommenden Tagen werden die Eier und Kaulquappen aus den Gewässern der Prattler Zurlinden-Grube aufgesaugt und in den Tümpeln der Klingenthal-Grube ausgesetzt. Das warme Wasser in den seichten Tümpeln unterstützt die Entwicklung der Kreuzkröte. «In wenigen Wochen erwarten wir bereits die ersten Kröten im neuen Zuhause», sagt Plattner. Die Kreuzkröte vollende ihre Metamorphose innert lediglich zwei Wochen.

Für die Umsiedlung der Kröten hat der Landrat 2,5 Millionen Franken gutgeheissen. Die glitschigen Tiere sind offenbar wertvoller als gemeinhin angenommen: Bei einer Population von rund 250 Kreuzkröten macht das 10000 Franken pro Tier. Doch Plattner relativiert: «In diese Rechnung sind alle anderen Tiere, die vom geschützten Gebiet profitieren, nicht einbezogen: Insekten, Spinnen, Reptilien und andere Amphibien siedeln sich auch hier an.» Neulich habe er sogar drei seltene Flussregenpfeifer gesehen. «Für diese Vögel sind die Kiesflächen ein ideales Brutgebiet.»

Die Kreuzkröte soll sich nicht nur vermehren, sondern sich im neuen Zuhause auch wohl fühlen. Die Amphibien haben gerade mal fünf Jahre Zeit, sich einzuleben. Dann entscheidet der Bund, ob die Klingenthal-Grube als neues Naturschutzgebiet etwas taugt. Erst dann wird die ZurlindenGrube für das Bauprojekt «Salina Raurica» freigegeben. Bis dahin muss die Projektleitung des «neu entstehenden Stadtteils» noch zuwarten. Im Interesse aller soll die Umsiedlung der Kröten also erfolgreich über die Bühne gehen.

Gefahrenherde gebannt

Damit sich die Amphibien in Ruhe einnisten können, hat das Team von Markus Plattner mögliche Gefahrenherde vorab gebannt:

Erstens musste die viel befahrene Prattlerstrasse gesichert werden. Dafür wurde ein etwa 40 Zentimeter hoher Bordstein entlang der Strasse gebaut, den die Kröten nicht überwinden können. Damit sie dennoch auf die andere Strassenseite gelangen können, wird ein Tunnel erstellt, der auch von anderen Tieren genutzt werden kann.

Zweitens müssen die Kröten vor ihren natürlichen Feinden geschützt werden. Bei den künstlich angelegten Tümpeln lässt sich das Wasser künstlich regulieren. Idealerweise trocknen die Tümpel nach der Metamorphose der Kröten aus. Diese Trockenheit entzieht den Libellenlarven und Molchen die Lebensgrundlage. Die Tiere würden sonst Kaulquappen und Krötenlaich fressen.

Drittens verkehren die Lastwagen der Kiesgrube nur tagsüber. Weil die Kreuzkröte nachtaktiv ist, kommen sich die Kleintiere und die Kiestransporte nicht in die Quere. Die Kröten verkriechen sich tagsüber in den Stein- und Holzhaufen. Gemäss Plattner kann in der Klingenthal-Grube bis 2040 noch Kies abgebaut werden. Dann verwandeln sich weitere Hektaren an idealem Lebensraum in Naturschutzgebiet.»

Qualitativ gleichwertiges Gebiet

Damit spricht Plattner ein noch offenes Problem an: Für die Umsiedlung wird verlangt, dass ein qualitativ gleichwertiges Gebiet für die Kröten bereitgestellt werden muss. Die Klingenthal-Grube vermag die 18 Hektaren Naturschutzgebiet am Rheinufer nicht ersetzen. Deshalb warf das Amt für Raumplanung ein Auge auf die angrenzende Lachmatt. Mit der Gemeinde Muttenz konnte aber noch keine Einigung gefunden werden, Die brachliegende Fläche der Lachmatt soll für Sportplätze hinhalten. Betrachtet man eine Pfütze auf der Lachmatt, zeigt sich, dass die Natur ein schwieriger Verhandlungspartner ist: Erste Kaulquappen sind bereits geschlüpft.