Wahlen 2019

Alt Regierungsrat Jörg Schild hat die Nase voll: «Ständeratswahl ist jetzt schon gelaufen»

«Und hinterher das stets gleiche Wehklagen.» Jörg Schild ärgert sich.

Lernt endlich aus euren Fehlern und rauft euch zusammen! Der FDP-Politiker Jörg Schild redet Basels Bürgerlichen ins Gewissen.

Jörg Schild mag nicht mehr wortlos zusehen. Bei den Basler Bürgerlichen sei es alle vier Jahre das alte Lied, findet der ehemalige FDP-Regierungsrat. Denn für Mitte-Rechts droht sich das Wahl-Fiasko von 2015 zu wiederholen. Damals war kein Politiker bereit, SP-Ständerätin Anita Fetz herauszufordern. Diese tritt nach 16 Jahren im Stöckli im Herbst aber nicht mehr zu den Wahlen an. Bei der SP steht Finanzdirektorin Eva Herzog für ihre Nachfolge bereits in den Startlöchern. Bei den Bürgerlichen dagegen kommen die Parteiverhandlungen seit Monaten nicht vom Fleck.

«Die Ständeratswahl ist jetzt schon gelaufen», kommentiert. Schild. «Und ich kann schlicht nicht verstehen, dass die Basler Bürgerlichen aus einem halben Dutzend erfolgloser Anläufe nichts gelernt haben und es immer noch nicht schaffen, am gleichen Strick zu ziehen.» Als «Riesenmurks» hatte Patricia von Falkenstein kürzlich den Parteienpoker in der bz bezeichnet. Die LDP-Präsidentin gilt bisher als aussichtsreichste Kandidatin der Bürgerlichen. Doch: «Um nur den Hauch einer Chance zu haben, müssen alle mitmachen.» Davon aber
ist man noch immer weit entfernt.

«Futterneid in Reinkultur»

Der «Hilfeschrei» der LDP-Präsidentin hat den Alt-Regierungsrat dazu veranlasst, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter Dampf abzulassen. Es sei jedes Mal dasselbe: «Die Linke hat ein Luxusproblem. Bei den Bürgerlichen jedoch Futterneid in Reinkultur. Ein Führungsproblem?», schreibt er. Und weiter: «Wie war das doch mit dem gleichen Strick in die gleiche Richtung ziehen? Und hinterher das stets gleiche Wehklagen.»

Bisher hat sich einzig die CVP ohne Wenn und Aber zur LDP-Kandidatin bekannt. Schilds FDP dagegen hat Vorbehalte, ihrer Schwesterpartei im Rennen um einen Sitz im Nationalrat einen Vorteil zu verschaffen. Die SVP wiederum will von Falkenstein nur unterstützen, wenn es auch für die Nationalratswahlen eine Zusammenarbeit gibt. Und die Grünliberalen wollen ihre Stimmen nicht ohne Gegenleistung in eine bürgerliche Listenverbindung einbringen.

Für Jörg Schild liegen die Probleme klar auf der Führungsebene: «Alle schauen nur auf sich. Mir fehlt eine schillernde Figur, die das bürgerliche Lager vereinen kann.» Begonnen hätten die Probleme mit dem Einzug der SVP in die Basler Politik. Auch die Bürgerlichen hätten sich damals gegen die neue Tonart gewehrt – zu Recht. «Mittlerweile aber ist eine neue SVP-Generation am Ruder, die eine neue Chance erhalten sollte», findet Schild. Um eine starke Allianz zu erreichen, brauche es die Volkspartei. Daher sei sie einzubinden, auch wenn man politisch nicht immer in allen Punkten einig sei. «Da muss man auch mal über den eigenen Schatten springen.»

Für Schild aber ist klar: Die Bürgerlichen haben das Rennen um den Ständeratssitz längst aufgegeben. Und für die Nationalratswahlen werde nun nur noch auf die eigenen Interessen geachtet. «Mich stört, dass man aus früheren Misserfolgen einfach nicht lernen will.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1