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Alternativen: bz Basel und «Tageswoche» im Vergleich

Kaum einem Journalisten ist es vergönnt, derart viel Aufmerksamkeit zu erhalten: Über 20 Minuten dauerte die Lesung ausgesuchter Texte von Markus Somm an der Veranstaltung von «Rettet Basel». Ausführlich wurden Alternativen zur BaZ diskutiert.

Kaum einem Journalisten ist es normalerweise vergönnt, derart viel Aufmerksamkeit zu erhalten: Über 20 Minuten dauerte die Lesung der ausgesuchten Texte von Markus Somm.

Der Chefredaktor der «Basler Zeitung» war zwar an der Podiumsveranstaltung von «Rettet Basel» nicht anwesend, doch seine Artikel wurden von drei Akteuren fast schon religiös zelebriert. Abgehandelt wurde etwa seine Kriegshetzerei gegen den Iran sowie die wortgewaltige Abrechnung mit Micheline Calmy-Rey.

Die Zuhörer senkten bedächtig ihre Köpfe, verdrehten zwischendurch die Augen oder murmelten missbilligende Kommentare. Die rund 250 Sympathisanten von «Rettet Basel» waren als Zuhörer im Bernoullianum unter sich.

Lob und Kritik für «Tageswoche»

Danach war Somm kein Thema mehr; es ging am Podium dann um die Alternativen zur BaZ in der Region. Der Publizistikwissenschaftler Kurt Imhof nannte die Wirtschaftsberichterstattung der «Tageswoche» als deren grössten Schwachpunkt, und auch das Internationale käme entschieden zu kurz.

Lobend erwähnte er die Leserkommentare im Onlineteil: Die Redaktion habe es geschafft, die Trollpostings in den Hintergrund und die gehaltvollen Beiträge in den Vordergrund zu rücken.

Generell klaffe aber die Online- und die Printausgabe der «Tageswoche» thematisch zu stark auseinander. Sein Tipp: «Führt Online eine Bezahlschranke ein, ihr werden die Mittel brauchen», sagte Imhof. Urs Buess von der «Tageswoche» meinte dazu, man wolle keine hohen Eintrittshürden schaffen und bei den kostenpflichtigen Online-Angeboten nicht vorpreschen.

«Genug Provinzialität»

Imhof betonte auch, die «Tageswoche» sei bei Analysen und Kommentaren der absolute Rekordhalter: Nur rund 20 Prozent der Beiträge seien der episodischen Berichterstattung zuzuordnen, 80 Prozent hätten Einordnungscharakter. «Damit schlägt die Tageswoche jede Sonntagszeitung und auch die ‹Weltwoche› bei weitem», kommentierte er lachend.

Dennoch sei der Fokus auf das Regionale problematisch: «Wenn es an etwas in der Schweiz nicht mangelt, dann an Provinzialität.»

Mehr Humor

Der Soziologe Ueli Mäder lobte schliesslich die bz Basel, wünschte sich aber «mehr Mut zur ausführlichen Berichterstattung» sowie mehr Humor. «Es gibt mehr Möglichkeiten, aufklärerisch zu wirken ohne missionarisch zu sein», meinte Mäder.

Den Schlusspunkt des Abends setzte Guy Krneta von «Rettet Basel» mit einer satirischen Note: Er wollte die Zeitung abbestellen, die Blocher als Besitzer derart viel Platz einräumt, nur um festzustellen, dass die Konkurrenzzeitung demselben Politiker genauso viel Platz einräumt, obwohl sie ihm nicht gehört. Die Lacher im Publikum hatte er damit auf seiner Seite. (rud)

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