Musikförderung

Analyse zum Basler Kulturleitbild: Ziemlich vielsagende Auslassungen

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Anfangs Woche wurde das Kulturleitbild Basel-Stadt 2000-2025 abgesegnet. Darin finden sich gegenüber dem Entwurf vom September einige Zugeständisse an die Forderungen der Musikschaffenden.

«Das Potenzial Basels als Musikstadt» sei «nicht ausgeschöpft». So stand es im Entwurf des Kulturleitbildes Basel-Stadt 2020-2015, wie er vor einem Dreivierteljahr vorgelegt wurde. Und so steht es auch in der anfangs Woche verabschiedeten Endfassung des 80-seitigen Schreibens, das den Status quo der hiesigen Kultursituation betrachtet und die Marschrichtung für die kommenden Jahre vorgibt.

Ausgerechnet in der Benennung dieses ungenutzten Potenzials war die Erstfassung wenig konkret – was von verschiedenen Seiten moniert wurde. So fasste die neu gegründete IG Musik Basel den Missstand in Zahlen: 97 Prozent der hiesigen Musikförderung fliessen in die Klassik, die übrigen Genres müssen sich die verbleibenden 3 Prozent teilen.

Damit illustrierte die IG Musik ein still geduldetes Ungleichgewicht. Dabei geht es ihr nicht per se darum, dass künftig jedes Genre den exakt gleichen Betrag zugesprochen bekommt, sondern darum, dass die Musikförderung der Stadt der gesellschaftlichen Relevanz der verschiedenen Stile Rechnung tragen soll.

Dieser Anspruch findet sich bezeichnenderweise in ähnlicher Form auch im Eigenbeschrieb des Kulturleitbildes, das «auf aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen» reagiere. Entsprechend wurde die Endfassung gegenüber dem Entwurf um den folgenden Satz erweitert: «Der Regierungsrat anerkennt die Relevanz aller musikalischen Genres und Produktionsweisen für die Musikstadt Basel.»

Vielsagend sind neben Ergänzungen wie dieser vor allem auch die Auslassungen. So wurde der folgende Satz ersatz- und kommentarlos aus dem Entwurf gestrichen: «Der Kanton und die Region ver­fügen über griffige Fördermassnahmen in der Klassik und Populärmusik.»

Neu formuliert das Kulturleitbild gegenüber der Fassung von September zwei Ziele im Bereich der Musikförderung: Zum einen sollen die Rahmenbedingungen für das «breite und qualitativ hochstehende Musikschaffen» gesichert und verbessert werden, zum anderen soll eine «ausgewogene, transparente und flexible Musikförderung» etabliert werden.

"Historisch gewachsenes Ungleichgewicht der Musikgenres"

Das gleicht im Wortlaut erstaunlich den Forderungen, welche die IG Musik im Juni als Grundlage für eine für Herbst geplante Initiative ausgearbeitet und vorgestellt hat. Der markanteste Satz, der neu im Leitbild steht, ist jedoch dieser: «Zudem soll das historisch gewachsene Ungleichgewicht der Musikgenres in der Förderung einer Überprüfung unterzogen werden.» Diese Handlungsanweisung ist insofern beachtenswert, als dass das von der IG Musik kritisierte Ungleichgewicht erstmals in einem von der Basler Regierung verfassten Schreiben als solches benannt wird.

Für die IG Musik und die von ihr repräsentierten Musikschaffenden und -konsumierenden ist es zweifelsfrei ein Etappensieg, dass einige ihrer Anliegen und Formulierungen nun Eingang gefunden haben in das Kulturleitbild der Stadt.

Das Problem ist erkannt. Aber wo ist die Lösung?

Hier dreht sich das Kulturleitbild im Kreis. Entlarvend ist diese neu eingeflossene Forderung: «Der Regierungsrat erteilt der Abteilung Kultur den Auftrag, eine Auslegeordnung der Förderung aller Musikgenres vorzunehmen und in der Folge ein flexibles Fördersystem zu entwickeln, das die Bedürfnisse aller Genres und Produktions­weisen berücksichtigt.»

Das Kulturleitbild – notabene die breit angelegteste Auslegeordnung der hiesigen Kulturlandschaft – stellt nun für den grossen Bereich Musik bloss die Erstellung einer weiteren Auslegeordnung in Aussicht.
Für den «kräftigen Schub», den das begleitende Communiqué am Montag für die regionale Kultur versprach, reicht das beileibe nicht. Das Potenzial der Musikstadt Basel bleibt vorerst unausgeschöpft.

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