Antikenmuseum Basel
Gehn wie ein Ägypter – auf den Spuren der ersten Zivilisation

Im Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig wird die Abteilung «Ägypten» neu inszeniert. Das Wiedersehen mit Objekten der frühen Hochkultur macht Freude.

Hannes Nüsseler
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So gut wie neu: Palmbast-Sandale aus dem 13. Jahrhundert v. Chr.

So gut wie neu: Palmbast-Sandale aus dem 13. Jahrhundert v. Chr.

Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig

Ägypten sorgt für Schlagzeilen, und das nicht nur, wenn sich ein Tanker wie ein Tetris-Baustein im Suezkanal verkeilt. Kürzlich verkündete Zahi Hawass, der Indiana Jones der Ägyptologie, die Entdeckung einer «Goldenen Stadt» in Luxor.

«Das ging wie ein Lauffeuer durch die Medien», erklärt André Wiese, Leiter Dauersammlung & Sonderausstellung am Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig. «Ich bekam etliche Telefonate und Anfragen, worum es sich dabei handle.» Das Interesse an der altägyptischen Kultur ist unvermindert gross, gerade auch in Basel: Die Präsentation der originalen Grabbeigaben Tutenchamuns hatte dem Antikenmuseum 2004 einen Publikumsrekord beschert.

Zur «Wiedergeburt» nach dem Pandemie-Lockdown ist es also nur passend, dass das Antikenmuseum mit einer Neuinszenierung der unverwüstlichen Ägypter aufwartet. Und ein Besuch der grossartigen Sammlung mit ihren rund 600 Exponaten zeigt: Sie sind lebendiger denn je.

Ausstellungsmacher Wiese holt den altägyptischen Alltag aus dem Schatten des Totenkultes und widmet ihm einen in sattes grünes Licht getauchten Raum, der Werkzeuge, Schminkpaletten oder auch eine Sandale aus Palmbast versammelt: Sie wirkt so neu, als könnte ihre Besitzerin sie jederzeit zurückverlangen.

Ein Basler «Scheich» am Nil

«Wir haben uns grosse Mühe gegeben, die Lebenswelt des alten Ägypten ausführlich darzustellen», bestätigt Wiese. «Zum Glück gibt es in unserer Sammlung sehr viele Objekte, die den Alltag illustrieren.» Diese seien auch deshalb so gut erhalten, weil sie den Toten zur Wiederverwendung im Jenseits mitgegeben wurden.

«Die Objekte veranschaulichen wunderbar, wie beispielsweise ein Bauer vor '3500 Jahren gearbeitet hat, oder welche Kleider getragen wurden.» Viele Besucherinnen und Besucher hätten oft nur eine vage Vorstellung von der alten Hochkultur.

«Es existiert eine grosse Faszination für Mythen und auch Mystisches, aber das lässt sich ohne vertiefte Kenntnisse nur schwer einordnen. Wir wollen in allen Bereichen Erklärungen liefern.»

Die als Parcours gestaltete Ausstellung beginnt mit einer Kopie und zwei Originalen: dem Abguss des Steins von Rosette, der die Entzifferung der Hieroglyphen erst ermöglichte, sowie den Orientreisenden Johann Ludwig Burckhardt (1784–1817) und Johann Jakob Frey (1813–1865).

«Es war uns wichtig, die zwei Basler vorzustellen, die bei der Wiederentdeckung der altägyptischen Kultur ganz vorne mit dabei waren», erklärt Wiese. «Scheich Ibrahim» Burkhard hatte unter anderem den grossen Tempel von Abu Simbel bekanntgemacht, von Frey sind romantisch glühende Landschaftsmalereien antiker Ruinen zu sehen. Fünf Themenbereiche führen danach durch «3'000 Jahre Hochkultur».

Blick in die aufgefrischte Ägypten-Abteilung.

Blick in die aufgefrischte Ägypten-Abteilung.

Ruedi Habegger / Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig

Dabei steht an ihrem Anfang eine Umweltkatastrophe: Vor 6'000 Jahren verdorrte ein Teil der afrikanischen Savanne und verdrängte die Steinzeitmenschen vom Hochplateau ins Niltal. «Sie waren Klimaflüchtlinge», sagt Wiese. «Aber der topografische Abstieg bedeutete gleichzeitig auch einen kulturellen Aufstieg.»

Das strahlende Comeback

Altägyptische Darstellungen von Weinernten, Jagdszenen und Tanzreigen vermitteln einen Eindruck der Annehmlichkeiten, welche die Menschen vor dem Sand der Zeit bewahren wollten. Lag das wahre Paradies Altägyptens im Diesseits? Wiese relativiert. «Ein wirklich komfortables Leben führte nur eine kleine und reiche Oberschicht.» Beamte und Priester hatten Angestellte und grosse Häuser mit Schwimmbädern – «auch das gab es».

Kostspielige Bestattungen, wie sie in der Abteilung «Tod und Jenseits» gezeigt werden, konnten sich nur wenige leisten. Spektakulär der Sarkophag, der sein grusliges Innenleben schichtweise enthüllt, drollig die Katzenmumie mit der Mimik von Paulchen Panther. Und erschütternd der Grabspruch für ein kleines Mädchen: «Finsternis, Schrecken eines Kindes, kam über mich…» Das Gedicht stelle eine Seltenheit im alten Ägypten dar, erklärt Wiese: «Es ist deshalb so berührend, weil es sehr persönlich ist.»

Der Glaube an ein Leben im Jenseits war eng an den Kreislauf der Natur gekoppelt. «Zum Tod gehören auch die Regenerationsvorstellungen, die beispielsweise mit dem Sonnenlauf zusammenhängen», erklärt Wiese. So zieht der Sonnengott in der altägyptischen Mythologie mit einer Barke über den Himmel ins Totenreich, um morgens ein strahlendes Comeback zu geben.

«Wir können die Erklärungsversuche zur Überwindung des Todes gut nachvollziehen», sagt Wiese. «Es macht Sinn, auch aus heutiger Sicht.»

www.antikenmuseumbasel.ch