Baselland
Auch Lehrer erhalten mehr Ferien: zu 14 Wochen kommt eine fünfte hinzu

Um Stellen beim Kanton attraktiver zu machen, erhalten alle Baselbieter Staatsangestellten bis zum 49. Altersjahr eine zusätzliche, also fünfte Ferienwoche. Damit erhalten auch die Lehrer eine fünfte Woche.

Jürg Gohl
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Lehrer erhalten mehr Ferien

Lehrer erhalten mehr Ferien

AZ

Zu ihren bisher 14 Wochen Ferien erhalten die Lehrer noch eine fünfte. Was höchst verwirrlich tönt, ist ganz einfach aufzulösen: Wie alle anderen Staatsangestellten sollen auch die Lehrerinnen und Lehrer in den Genuss einer fünften Ferienwoche kommen. «Was, noch eine Woche?», sei auch sein erster Reflex gewesen, gibt SVP-Landrat Hans-Jürgen Ringgenberg zu und drückt damit aus, was viele spontan denken dürften.

Lehrer aber sind selbstbewusst genug, um zu wissen, was ihnen zusteht. Sie bezeichnen die 14 Wochen Schulferien als «unterrichtsfreie» Zeit, in der sie oft für die Schule arbeiten. Lehrerinnen und Lehrer bringen es locker auf die 1950 Netto-Arbeitsstunden, die andere Kantonsangestellte pro Jahr ebenfalls zu leisten haben. Eine landesweite Umfrage belegt, dass Lehrer jährlich drei Wochen zu viel arbeiten.

Im Gegensatz zu den beiden anderen grossen Berufsgruppen im Staatssold, dem Gesundheitswesen (rund 4300 Personen) und der Polizei (530) soll bei den 4500 Lehrerinnen und Lehrern die zusätzliche Ferienwoche kostenneutral erfolgen. Da bei den ersten beiden Gruppen aufgrund der Ferien neue Stellen nötig werden, um Schichtdienst rund um die Uhr gewährleistet zu können, muss der Kanton acht Millionen Franken aufwenden, um weiterhin als attraktiver Arbeitgeber dazustehen.

«Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies bei den Lehrern ohne Mehrkosten zu erreichen ist», sagt Grossrätin Heidi Mück von der Gewerkschaft VPOD Region Basel, «mehr Ferien heisst doch mehr Stellen oder Leistungsabbau.»

Aber beides steht ausser Frage. Bildungsdirektor Urs Wüthrich hat den Auftrag erhalten, Wege zu finden, wie die zusätzliche Ferienwoche ohne Qualitätseinbussen am Unterricht und mit gleichem Stellenetat zu erreichen sei. «Wir werden den Verbänden ein Modell vorschlagen, das ich jetzt nicht hier diskutieren möchte», sagt Wüthrich, lässt sich aber doch ein wenig in die Karten blicken: «Die Einsparungen erfolgen in jenen 15 Prozent des Pensums, die jeder Lehrperson für Aufgaben zur Verfügung stehen, die nicht mit dem direkten Unterricht oder seiner Vor- und Nachbereitung zu tun haben.»

Lieber den Spatz in der Hand

Christoph Straumann kann mit Wüthrichs Vorschlag leben. Dem Geschäftsführer des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland ist klar, dass nun die Schulleitungen in die Pflicht genommen werden. Sie müssen nun für die entsprechende Entlastung der Lehrer besorgt sein. «Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach», sagt er. Die Basler Lösung, die allerdings Mehrkosten auslöst, wäre ihm lieber gewesen. Straumann erwartet, dass Wüthrich nach dem Ja des Landrats «einen annehmbaren Umsetzungsvorschlag» vorlegt.

Ob das Parlament den Staatsangestellten diese fünfte Woche zuspricht, ist aber offen. «Ich gönne sie ja jedem», sagt Hans-Jürgen Ringgenberg, «verstehe aber nicht, dass der Kanton in der jetzigen Situation schon nur an so etwas denkt.»