Die Keramik Laufen AG und die Wancor AG produzieren heute noch in grossem Stil. Nun wird mit der soeben fertig restaurierten Ziegelscheune aus dem 16.Jahrhundert ein kulturhistorisches Juwel der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

An der Laufner Mühlestrasse stehen nicht die beiden ältesten Handziegelöfen der Schweiz, aber mit Sicherheit der am besten erhaltene. Dieser, der jüngere der beiden, stammt aus der Zeit um 1700 und ist ein oben offener Schachtofen, wie er bis ins 20.Jahrhundert in hiesigen Ziegeleien üblich war. Gefeuert wurde in einem Raum, die zu brennenden Ziegel mussten von einem Zugang im Obergeschoss aus eingefüllt werden. Diese Arbeit verrichtete der Ziegler; alleine oder mithilfe seiner Familie, und bei Bedarf auch mit Taglöhnern und Wanderarbeitern.

Feuertemperaturen von über 1000 Grad

Bis eine Ladung Ziegelsteine fertig gebrannt war, vergingen in der Regel bis zu 14 Tage. Überhaupt war die Ziegelherstellung in vorindustrieller Zeit ein äusserst aufwändiges Verfahren. Der in Gruben gestochene Lehm musste zunächst längere Zeit liegen gelassen werden. Anschliessend wurde er gestampft, um ihn besser formbar zu machen. Dann wurden je nach späterer Verwendung Sand und Ziegelschrot zugesetzt. Nun wurde der Lehm in Holzformen gepresst, mit der Hand glatt gestrichen und mindestens sechs Tage luftgetrocknet, bis die Ziegel fest geworden waren. Erst dann konnte sie der Ziegler zum Brennen im Ofen aufschichten. Dort herrschten Feuertemperaturen von über 1000 Grad.

Kein Wunder, dass die Handziegeleien nach und nach aufgegeben wurden, sobald mit der Industrialisierung, dank Dampfkraft und Elektrizität, effizientere Produktionsmethoden gefunden waren. Ab den 1920er-Jahren wurde auch in der Ziegelscheune am Mühlenweg die manuelle Ziegelherstellung eingestellt, und das Gebäude landwirtschaftlich genutzt; von daher stammt der heutige Name.

Dafür war Laufen wie kein anderer Ort im Baselbiet als Produktionsstandort geeignet: Tonvorkommen von hervorragender Qualität, genügend Brennholz in der Umgebung zum Befeuern, genug Wasser aus der nahe fliessenden Birs und Jurakalkstein für den Bau der Öfen. Pro Jahr wurden in der Ziegelscheune, einer von insgesamt vier historischen Laufner Ziegeleien, bis zu 49500 Dachziegel gebrannt. Das reichte, um bis zu 13 Stadthäuser zu decken.

«Normalerweise bleibt von einer Ausgrabungsstätte nichts erhalten»

Seit 1992 – damals noch unter bernischer Aufsicht – wurden in der Laufner Ziegelscheune die beiden Handziegelöfen archäologisch untersucht, konserviert und seit 2006 mittels Gebäudeumbau erschlossen. Einen Berner und zwei Baselbieter Kantonsarchäologen später kann Reto Marti, der seit 2009 amtierende oberste Baselbieter Archäologe, die Stätte mit dem jüngeren Ofen offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Mit 90000 Franken aus dem kantonalen Swisslos-Fonds hat der Basler Architekt Harold Wunderlin den freigelegten Handziegelofen geschickt in den Nutzbau der Ziegelscheune integriert.

Denn das ist das Besondere an diesem Ort: Die Ziegelscheune ist nicht etwa als Museum gedacht, sondern wird als Werkhof des dort ansässigen «Lehmbaukollektivs» von Georg Paul, Nico Stöcklin und Rolf Fischler genutzt, die mit natürlichen Materialien Spezialisten für ökologisches Bauen sind. Von der Teeküche des Werkhofs kann man buchstäblich direkt in den restaurierten Handziegelofen hinabblicken.

Für den Kantonsarchäologen Marti ist das ein Glücksfall: «Normalerweise bleibt von einer Ausgrabungsstätte nichts erhalten, die Fundstücke wandern ins Museum. Hier können wir Geschichte zeigen, wo sie stattgefunden hat; in einer Umgebung, die heute noch dem gleichen Zwecke dient.» Allerdings ist gerade deshalb zur Besichtigung eine Voranmeldung unbedingt erforderlich; und wer sich bisher nicht für Ziegelsteine interessiert hat, wird es spätestens nach einem Besuch in Laufen tun.