Langenbruck
Ausgesprungen: Der «Freichelen» fehlen Simon Ammanns Kinder

Langenbruck trägt den Beinamen «Schanzendorf» bald zu Unrecht. Die letzte Skisprung-Anlage in Langenbruck stellt den Betrieb ein. Damit endet ein Kapitel Sportgeschichte.

Jürg Gohl
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Eine Tradition geht zu Ende: Die «Freichelen»-Schanze wird stillgelegt. zvg/Ueli Schneider Eine Tradition geht zu Ende: Die «Freichelen»-Schanze wird stillgelegt. zvg/Ueli Schneider

Eine Tradition geht zu Ende: Die «Freichelen»-Schanze wird stillgelegt. zvg/Ueli Schneider Eine Tradition geht zu Ende: Die «Freichelen»-Schanze wird stillgelegt. zvg/Ueli Schneider

Wie gestern das «Regionaljournal» berichtete, wird der Betrieb der «Freichelen»-Schanze eingestellt, die Skisprung-Anlage wird abgerissen. Übrig bleibt nur der drei Meter hohe Schanzentisch, der noch an die Verbundenheit des Dorfes zum Skispringen erinnern soll. 99 Jahre nach dem Bau der ersten verschwindet damit auch die letzte der insgesamt drei Langenbrucker Schanzen.

Zwar wurden in den vergangenen Jahren noch vereinzelte Schnuppertrainings durchgeführt, der letzte Wettkampf, der in Langebruck über den Schanzentisch ging, liegt inzwischen auch schon zehn Jahre zurück. Bei dieser Derniere, den Schweizer Junioren-Meisterschaften in der Nordischen Kombination, wurde zugleich mit 83 Metern der Schanzen-rekord aufgestellt.

Normen, Nachwuchs, Konkurrenz

Dies sei für Langenbruck «ein schwarzer Tag, aber mit Ansage», sagt Alfred Egeler, heute Präsident des Skiclubs Langenbruck und 1962 Miterbauer dieser Schanze. Zum Entschluss, das Abenteuer «Skispringen im Baselbiet» zu beenden, führte die Summe mehrerer Gründe. Die Schneeverhältnisse wurden immer prekärer und erforderten auch schon den Einsatz von Schneekanonen, zudem erfüllte die Schanze die Verbandsnormen nicht.

Neue Investitionen wären nötig gewesen, Gegenüber dem «Regionaljournal» sprach der Industrielle Thomas Straumann, Stiftungspräsident und grosser Skisprung-Förderer, von einer «stark überalterten Anlage», gerade wenn sie dem Vergleich mit der Anlage in Einsiedeln standhalten muss.

Vor allem aber fehlt der Sportart der Nachwuchs, daran ändern auch die vier Olympia-Goldmedaillen von Simon Ammann nichts. Denn alle Skiklubs der Region leiden an Schwindsucht. «Da reicht es auch nicht, einfach eine topmoderne Anlage hinzustellen», sagt Alfred Egeler, «da müssten darüber hinaus auch ein Trainerstab, Material, Reisemöglichkeiten und so weiter bereitstehen.»

Thomas Beugger, Leiter des Baselbieter Sportamts und ebenfalls Stiftungsrat, bedauert das Ende, denn der Stiftungsrat habe sehr viele Aktivitäten unternommen, um bei den Jungen die Lust an der nordischen Sportart zu wecken. Beugger tröstet sich damit, dass mit Biathlon eine neue Wintersportart in die Bresche gesprungen ist.

Hans Schmid aus dem Nachbardorf Mümliswil, in den grossen Zeiten von Walter Steiner Sieger am Holmenkollen und Flieger über 167 Meter, bedauert das Ende seiner Heimschanze ebenfalls, nennt aber noch einen weiteren Grund: «Vielleicht fehlten auch in der Politik die Angefressenen von früher, die sich für die Anlage wehrten.»

Skisprung-Museum statt Schanze?

Einzig Gemeindepräsident Hector Herzig weigert sich, von einem schwarzen Tag zu sprechen. «Skispringen wird mit der Langenbrucker Geschichte stets so eng verbunden sein wie Flugpionier Oskar Bider», sagt er, «man muss ein Kapitel aber auch abschliessen können, wenn es Zeit dafür ist.»

Zudem könnte das Kapitel in einer anderen Form fortgeführt werden. Thomas Straumann trägt sich mit der Idee, die grossen Verdienste seiner Familie um die Sportart, vor allem seines Grossvaters Reinhard Straumann, in einem Langenbrucker Skisprung-Museum zusammenführen.