Ausstellung
Die Früchte des eigenen Schaffens: «Colorful Fruits» zeigt die vergangenen 30 Jahre zweier Basler Graffiti-Legenden

In der Artstübli Galerie für urbane Kunst & Kultur nahe der Markthalle lässt sich noch bis zum 23. Oktober die Ausstellung von Philipp Tschanz und Pietro Del Sonno bestaunen. Sie bietet einen Einblick in das Schaffen zweier Basler Graffiti-Urgesteine.

Lea Meister
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Die Graffiti-Künstler Dest und g204 zeigen im Artstübli die Früchte ihres Schaffens.

Die Graffiti-Künstler Dest und g204 zeigen im Artstübli die Früchte ihres Schaffens.

Juri Junkov

Philipp Tschanz und Pietro Del Sonno, geboren 1971 und 1967, gehören zu den Urgesteinen der Basler Graffiti-Szene. Beide blicken auf eine 30-jährige Schaffenszeit zurück, auf die sie in ihrer gemeinsamen Ausstellung «Colorful Fruits» im Artstübli den Fokus legen. Die Idee, Früchte zu malen, kam Philipp Tschanz, alias Dest, im Urlaub auf Sardinien.

Dest im Jahr 2016 vor dem Jugendhaus Eglisee.

Dest im Jahr 2016 vor dem Jugendhaus Eglisee.

Nicole Nars-Zimmer

Schönheit, Leben und Vergänglichkeit

So entstand ein farbenfrohes Repertoire aus verschiedenen «Wunderwerken der Natur». Die Schönheit, Lebendigkeit, aber auch Vergänglichkeit der Früchte lässt sich gut auf die Welt der urbanen Kunst übertragen. Viele Werke bestechen durch ihre Schönheit; die stetige Veränderung der Graffiti-Stile, aber auch die Wahrnehmung der Gesellschaft, bringt Leben in die Szene. Die Vergänglichkeit, die gerade Schriftzüge und Bilder, die illegal gemalt wurden, mit sich bringen, gehört schlicht und einfach dazu.

Die Kunstwerke von Dest erkennt man am Heiligenschein über den Früchtchen und den passenden Sprüchen unter den Bildern.

Die Kunstwerke von Dest erkennt man am Heiligenschein über den Früchtchen und den passenden Sprüchen unter den Bildern.

Juri Junkov

Seit 1989 schreiben die beiden Künstler den Namen «TCC – The Color Children» auf Wände. Gemeinsam mit den Sprayern Ashe und Endo sind sie die Gründungsväter dieser Basler Crew. Sie prägte die Basler Subkultur massgeblich und die Werke der beiden gehören bis heute ins Basler Stadtbild.

Im Oktober 2020 gründeten sie gemeinsam den Verein Baselfarbe, dessen erstes erfolgreich umgesetztes Projekt die sogenannte «Fasnachts-Unterführung» an der Wettsteinallee/Schwarzwaldallee war, die in Zusammenarbeit mit verschiedenen Basler Künstlern entstanden ist.

Die Werke von g204 haben eines gemeinsam: In jedem Bild versteckt sich sein Künstlername. Manchmal gut erkennbar, manchmal etwas unscheinbarer.

Die Werke von g204 haben eines gemeinsam: In jedem Bild versteckt sich sein Künstlername. Manchmal gut erkennbar, manchmal etwas unscheinbarer.

Juri Junkov

Versteckte Künstlernamen, Heiligenscheine und Rezepte

Insgesamt 15 verschiedene Früchte zieren die Wände der Galerie. So stark sie auch harmonieren, so erkennt man doch sofort, welche Bilder von wem stammen. Während Dest seinen Früchtchen stets einen Heiligenschein und einen passenden Spruch verpasst hat à la «you are cherry beautiful», versteckt Pietro Del Sonno, alias g204, in jedem Bild seinen Künstlernamen. Auch hebt er die klassischen Graffiti-Elemente etwas stärker heraus, indem er gut ersichtliche Schriftzüge in die Früchte einbaut. Die Bilder sind alle durch eine sogenannte Mischtechnik aus Acrylfarben und Sprühlack entstanden. Zum Verkauf stehen ausserdem auch einige Prints.

Alte Magazine, Sketches, Drucke und gesammelte Gegenstände. Teil der Ausstellung ist auch ein persönlicher Einblick in die Anfänge der beiden Künstler.

Alte Magazine, Sketches, Drucke und gesammelte Gegenstände. Teil der Ausstellung ist auch ein persönlicher Einblick in die Anfänge der beiden Künstler.

Juri Junkov

In der Ausstellungsbroschüre sind jeder Frucht Werke der Künstler gegenübergestellt, die ins jeweilige Farbschema passen. g204 stellt gar noch zu jeder Frucht ein passendes Rezept dazu, sei es für einen Erdbeer Daiquiri, eine Apfelwähe oder die «Tomatensauce a la Mamma».

Alte Aufträge, behördliche Schreiben und die Destmachine

Während die Früchte als farblich imposanter Rahmen und roter Faden der Ausstellung funktionieren, lassen Tschanz und Del Sonno noch tiefer blicken. So liegen Ordner mit alten Artikeln über ihr Schaffen, behördlichen Schreiben oder Flyern aus vergangenen Jahrzehnten bereit. Auch ältere Projekte wie das Corporate Design für die Alkopops Chiller oder ein Auftrag aus dem Jahre 2010 für die Zigarettenmarke Camel kriegen in der Ausstellung ihr Revival.

Der Ordner mit Relikten aus früheren Zeiten.

Der Ordner mit Relikten aus früheren Zeiten.

Juri Junkov

Etwas abseits steht ausserdem ein futuristisch anmutendes Gefährt. Die «Destmachine». Seit 1994 arbeitet Dest an der Entwicklung dieser Skulptur. Was aussieht wie ein Fahrzeug aus dem Film «Back to the Future», verbindet insgeheim die vier Buchstaben des Künstlernamens von Philipp Tschanz.

Die «Destmachine».

Die «Destmachine».

Juri Junkov

Jeder Buchstabe symbolisiert dabei ein Tier. Das «D» steht für den Delfin, das soziale Tier, das «E» für den Elefanten, den Vegetarier, «S» für sein Sternzeichen, das Skorpion und «T» für die Schildkröte (englisch «turtle»), die symbolisch für die Zeit stehe. Immer wieder gestalte er die vier Buchstaben in Form einer schwebenden Maschine, beschreibt Dest den fortlaufenden Prozess gegenüber der bz.

Tür in eine andere Welt

Die Ausstellung «Colorful Fruits» bietet nicht nur einen Einblick in die Schaffensjahre zweier Grössen der Basler Graffiti-Szene, sie öffnet den Besucherinnen und Besuchern auch die Tür in die urbane Welt, in der sich die beiden bewegen. Die Tür zu dem Basel, das sich als eines der Aushängeschilder der urbanen Kunst einen Namen gemacht hat. Nicht zuletzt auch dank Urgesteinen wie Dest und g204.

Das Buch «Graffiti an der Line in Basel 1985–1990», welches im Rahmen der Ausstellung verkauft wird, versetzt einen zurück in die 80er-Jahre und wurde von den beiden massgeblich geprägt. Noch bis zum 23. Oktober kann die Ausstellung im Artstübli besucht werden.

Artstübli, Steinentorberg 28, Basel, Öffnungszeiten: Donnerstag/Freitag: 11–18 Uhr, Samstag 14–18 Uhr, www.artstuebli.ch

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