Ausstellung
«Tierisch»: Basler Museen packen den Stier bei den Hörnern

Das Museum der Kulturen beleuchtet in einer neuen Ausstellung die vielfältige, aber ambivalente Beziehung zwischen Tier und Mensch. Und das ist erst der Anfang einer ganzen Reihe von Expositionen zum Thema Tier in weiteren Basler Museen.

Rahel Empl
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Es geht mit dem Thema Nähe los: Die Ausstellung «tierisch!» im Museum der Kulturen Basel zeigt, dass es keine Kultur ohne Tiere gibt.

Es geht mit dem Thema Nähe los: Die Ausstellung «tierisch!» im Museum der Kulturen Basel zeigt, dass es keine Kultur ohne Tiere gibt.

Omar Lemke/Museum der Kulturen Basel

Ein verstohlenes Schmunzeln macht den Anfang. Von einem holzgetäfelten Wohnzimmer aus blicken sie einen an, allesamt sorgsam frisiert, Mensch wie Tier: Der Pudelclub Basel posiert auf einem Bild der Fotokünstler Ursula Sprecher und Andi Cortellini. Und diese Lovestory sorgt nicht nur für unweigerliches Schmunzeln, sie zieht einen auch sofort hinein in die neue Ausstellung «tierisch!» im Museum der Kulturen.

Die Nähe zwischen Tier und Mensch ist denn auch das Thema der ersten Station der multimedialen Ausstellung, die Liebe und Zuneigung, die der Mensch im Zuge der Domestikation für Tiere – insbesondere Hund und Katze – entwickelt hat. Auch sein Faible für tierliche Darstellungen, etwa in Form von Spielzeugen.

Vom Futtertrog zur Jagdtrophäe

Doch der Mensch schätzt Tiere nicht nur als Freunde und Begleiter, er nutzt – und benutzt sie auch. Nähe ist nur ein Aspekt von «tierisch!», könnte die Tier-Mensch-Beziehung ambivalenter doch nicht sein. So findet man sich als Nächstes in einer rustikal-alpinen Umgebung wieder, wo die Nutzung im Vordergrund steht. Man entdeckt Bienenkörbe, Pferde­geschirr, Futtertröge oder ein Gemälde des Alpaufzugs, ehe man plötzlich im Käfig ist: Jetzt geht es um Macht. Tiere tappen in menschliche Fallen, werden gefangen genommen, unterstreichen als Trophäen den Status. Mitunter auch als Hand­tasche aus Leopardenfell des ­bekannten Basler Couturiers Fred Spillmann.

Beim Thema Erhabenheit wird die Beziehung wieder umgekehrt: Tiere und Gottheiten in Tiergestalt wie etwa der hinduistische Ganesha stehen hier meist über den Menschen, gehen eine besondere Verbindung mit ihnen ein.

Kooperation mit drei weiteren Basler Museen

Insgesamt zeigt das Museum 350 Objekte, ergänzt durch Videoclips, Fotografien und Tonaufnahmen. Mit einer ausgeklügelten Anordnung ist Kuratorin Beatrice Voirol eine unterhaltsame und eindrückliche Exposition gelungen. Diese markiert den Startschuss für eine ganze Reihe von Ausstellungen in Basel: Bei «tierisch!» handelt es sich nämlich um ein Kooperationsprojekt. So ist ab 19. September die Sonderausstellung zu Tieren und Mischwesen in der Antike im Antikenmuseum zu erleben, das Historische Museum widmet sich ab dem 22. Oktober dem Klang der Tiere, und das Pharmaziemuseum der Uni Basel thematisiert ab dem 3. Dezember die Verwendung von Tieren als Arzneirohstoff.

Tierisch! Keine Kultur ohne Tiere. Museum der Kulturen Basel, bis 20. November 2022. www.tierischbasel.ch

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