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Basel-Landschaft: Der wehrhafte Kanton

Ein schlichter Obelisk erinnert im Wald bei Frenkendorf, kurz vor Liestal, an jene Schlacht vom 3. August 1833, die noch immer nachwirkt: Die Schlacht bei der Hülftenschanze. Nach ihr war die Abspaltung Basellands von Basel definitiv – bis heute.

«Das ist eine Wunde, die nicht verheilt ist», sagt der Historiker Beat Damian, der Führungen zu historischen Stätten macht. Die Nachwehen seien politischer und emotionaler Natur: «Die Leute haben oft keine Ahnung, was damals genau abging. Aber sie wissen: Die Basler waren schuld.»

Mehr Demokratie

3. August 1833, sechs Uhr morgens: 800 Basler Soldaten marschieren in Richtung Liestal. Die Kämpfe zwischen Stadttreuen und -abtrünnigen haben zugenommen in den Wochen und Monaten davor. Häuser und Scheunen brannten. Es gab Tote.

Dabei hatte die Spaltung des Kantons Basel 1830 friedlich mit einer Petition begonnen: Vertreter der Landschaft - beseelt vom revolutionären Klima, das damals in Europa herrschte - forderten mehr Demokratie. Die Basler Ratsherren kamen der Forderung so weit entgegen, dass das Baselbiet neu eine Mehrheit der Sitze im Grossen Rat erhielt. Doch gemessen am Bevölkerungsanteil blieb die Landschaft untervertreten. Basel liess darüber abstimmen, wer dem Kanton noch angehören wollte. Die meisten wollten. Dann beging der Rat einen folgenschweren Fehler: Er entzog den 46 Gemeinden, in denen das Abstimmungsresultat unklar war, die Verwaltung. «Typisch Basel», meint Damian. «Die hatten das Gefühl, diese Bauern könnten sich nicht selber verwalten und regieren.»

Die betroffenen Gemeinden gründeten umgehend den Kanton Baselland. Die Tagsatzung, höchstes Organ der damaligen Eidgenossenschaft, anerkannte die Trennung. Doch der Konflikt loderte weiter. «Die Eskalation konnte nur geschehen, weil es auf beiden Seiten Dickschädel gab», sagt Damian. Ein Hilferuf aus Diepflingen genügte, um die Basler Truppen gen Liestal marschieren zu lassen.

3. August 1833, gegen Mittag: Die Basler nehmen die Hülftenschanze, eine Verteidigungsanlage in der Nähe des später errichteten Denkmals, im Sturm. Doch dann treffen sie auf die zweite Verteidigungslinie der Landschäftler. Diese sind - anders als die inzwischen erschöpften Basler - hoch motiviert und gut verpflegt. Und schlagen den Gegner in die Flucht. In der Muttenzer Hard beschiessen Baselbieter die Flüchtenden aus dem Hinterhalt. Die Bilanz: 67 Tote, 113 Verletzte, die meisten von ihnen auf Basler Seite. Der neue Kanton Baselland hatte sich behauptet. Drei Wochen später besiegelte die Tagsatzung die Totaltrennung des Kantons Basel.

Noch 177 Jahre später gibt es Animositäten zwischen Stadt und Land, die sich auf die Schlacht bei der Hülftenschanze zurückführen lassen: «Im Oberbaselbiet hat man immer noch das Gefühl, die in Basel haben nicht begriffen, dass die Landschäftler selbstständig denken können», sagt Damian. «Das wird seit Generationen von Grossvater zu Enkelkind weitergegeben. Und wenn wir uns nicht intensiv damit auseinandersetzen, geben wir es irgendwann selber weiter.»

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