UNO
Basel möchte ein Institut der UNO-Weltuniversität schaffen

Erstes Institut der United Nations University in der Schweiz soll die Urbanisierung erforschen: Das ETH-Architektur-Studio, das Tropeninstitut und das Zentrum für Afrika-Studien der Universität Basel bereiten gemeinsam ein neues Institut vor.

Iso Ambühl
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Basel bezeichnet sich gerne als Messe-, Fasnachts- oder Pharmastadt. Nun soll die Rheinstadt neben Genf zumindest den Hauch einer UNO-Stadt erhalten: Als erster Standort in der Schweiz soll sie ein Institut der United Nations University (UNU), der Denkfabrik der UNO, erhalten.

«Ja», bestätigt UNU-Rektor Konrad Osterwalder gegenüber dem «Sonntag», «wir sind im Gespräch mit Basel.» Er freue sich über das Interesse an einem UNU-Institut, das die weltweite Urbanisierung zum Thema haben soll.

Zusammen mit dem Basler Stararchitekten und ETH-Professor Pierre de Meuron hat der Frauenfelder Osterwalder, ein ehemaliger ETH-Rektor, die Instituts-Idee lanciert. «Das ist eine grosse Chance für Basel», sagt Pierre de Meuron.

Auch Erziehungsdirektor Christoph Eymann engagiert sich: «Unser Departement hilft tatkräftig mit, das Entstehen des Instituts – in welcher Form auch immer – zu ermöglichen.» Alle bisher involvierten Persönlichkeiten und Institutionen hätten «Begeisterung gezeigt».

Die UNU ist die «Welt-Universität» der UNO und ist bislang in 14 Ländern mit Instituten vertreten. Rund 600 Personen arbeiten mit: von Helsinki bis Macao und von Accra bis Bonn. Die UNU ist keine traditionelle Hochschule mit festem Lehrkörper. Die UNU forscht interdisziplinär und international in Forschungsgemeinschaften über Themen der globalen Herausforderungen (s. Kasten). Die UNU-Institute arbeiten mit lokalen Partnern zusammen und haben in der Regel ein «Zwillingsinstitut» in der Dritten Welt. So will Osterwalder Studenten Zeit in Entwicklungsländern ermöglichen und dort die Forschung vorantreiben.

Für das «UNU-Basel», so lautet der Arbeitstitel des Instituts, sind bislang die ETH Zürich mit dem ETH-Architektur-Studio Basel, die Universität Basel mit dem Zentrum für Afrika-Studien und das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut als Partner vorgesehen. «Die Thematik passt sehr gut zu den bestehenden Aktivitäten des ETH-Studios und zu den Strategien des Tropeninstituts und der Universität Basel», betont Eymann. Als mögliches «Zwillingsinstitut» sind die Architekturabteilungen der Universität Addis Abeba oder allenfalls der Universität Nairobi im Gespräch.

Innerhalb der Forschung über die zeitgenössische Urbanisierung stehen laut Manuel Herz, Leiter von Lehre und Forschung am ETH-Studio, Themen wie Umwelt und Ressourcen (Essen, Wasser), Fragen zur (Selbst-)Organisation und
Planung sowie die Aspekte regionaler und globaler Netzwerke im Vordergrund. Derzeit sind die Absprachen zwischen den lokalen Partnern im Gang. Man sei jetzt am Prüfen, sagt Regierungsrat Eymann, wer Träger der Institution sein soll, wie die Ausrichtung gestaltet werden muss und wie es mit der Finanzierung steht.

Laut UNU-Rektor Osterwalder ist die Finanzierung der UNU-Institute Sache des Gastgeberlandes. Der Personalbestand der Institute sei sehr verschieden, von 10 bis zu 120 Leuten wie zum Beispiel in Bonn.

Noch ist das Ganze erst in Planung. Manuel Herz hofft aber auf eine Eröffnung im Jahr 2013: «Es wäre eine tolle Sache für Basel als globalem Wissenshub und Architektur-Stadt nun noch vermehrt Themen der Urbanisierung auf international höchstem Niveau erforschen zu können.»