Die Berner Mediencentrum AG hat in Basel mit Millionenaufwand eine Zeitungsdruckerei aufgestellt. Sie rechnete fest mit der «Basler Zeitung» als ihrem Hauptkunden. Die Zeitung von Christoph Blocher wurde vergangene Woche aber an die Tamedia verkauft und nun ist die Druckerei in Konkurs. Dies bestätigt Sarah Schläppi, Verwaltungsrätin der Mediencentrum AG: Am vergangenen Freitag sei der Konkurs angemeldet und am Montag die Belegschaft informiert worden.

Die Mediencentrum AG hatte sich auf der sicheren Seite gewähnt, weil mit der «Basler Zeitung» eine Vereinbarung bestand, wonach die BaZ «zu Konkurrenzpreisen während mindestens drei Jahren» in Basel gedruckt werde. Problematisch ist nun aber die zeitliche Umsetzung geworden. Einig sind sich «Basler Zeitung» und die Mediencentrum AG noch darin, dass der auf März in Aussicht gestellte Druckbeginn nicht eingehalten werden konnte.

Rolf Bollmann, Geschäftsführer der BaZ, erklärt, der Start sei von der Mediencentrum AG auf April und dann auf Juni verschoben worden: «Da der Druckbeginn auch per Anfang Juni nicht garantiert wurde, konnte kein Vertrag abgeschlossen werden.» Schläppi dementiert ausdrücklich, auf diesen Termin nicht bereit gewesen zu sein. An dieser Frage wird sich entscheiden, welche der Parteien vertragsbrüchig geworden ist. Da es um viel Geld geht, ist ein Rechtsstreit wahrscheinlich.

Blocher war in Zugzwang

Bollmann erklärt, selbst der Verkauf der Zeitung an die Tamedia hätte am Druckentscheid nichts geändert. Der Mediencentrum AG sei am 20. April bestätigt worden, der Vertrag werde eingehalten, sofern ein Druckbeginn am 1. Juni garantiert sei. Doch dies sei eben nicht der Fall gewesen und zudem habe die Druckerei keine weiteren Aufträge akquirieren können.

Zumindest Letzteres bestätigt Schläppi. Weil die Kosten für den Aufbau zudem höher gewesen seien als budgetiert, seien die vorhandenen Mittel aufgebraucht, die Investitionen verloren.

Die verzögerte Inbetriebnahme hat BaZ-Eigentümer Christoph Blocher faktisch zu einem raschen Verkauf der Zeitung an die Tamedia gedrängt. Denn die Zürcher waren nur noch bis Ende April vertraglich verpflichtet zu drucken. Dann hätten sie theoretisch Druck und Vertrieb der BaZ einstellen können. Diese ungemütliche Ausgangslage macht nun verständlich, weshalb die BaZ im Frühjahr einen abrupten Strategiewechsel vollzog, die weitergehenden Kooperationsgespräche mit der «Südostschweiz» abbrach und stattdessen einen Verkaufsprozess einleitete.

Ganz schadenfrei kommt Blocher am Konkurs der Mediencentrum AG nicht vorbei. Schliesslich stehen die tonnenschweren Maschinen in einer Immobilie, die seiner Robestate AG gehört. Budgetiert waren Mieteinnahmen, die an den Geschäftserfolg der Druckerei gekoppelt waren. Diese tendieren nun gegen null.