Inmitten des Sportplatzes Sandgrube halten sich zwei Männer fest. Sie stehen Wange an Wange, ziehen, drücken, drehen, wuchten, heben und halten eisern ihre Balance. Was wie ein Tanz aussieht, endet meistens nach kurzer Zeit auf dem Boden. Es ist Baselstädtischer Schwingertag, und die vier Kampfplätze sind in fast militärischer Präzision angelegt.

In der Mitte eine helle Pferdetränke, garniert mit wunderschönen Blümchen. Heute dient sie den Schwingern: Hände ins Wasser, Gesicht abkühlen, kräftig auf die Schenkel klopfen, kurz auf die Brust trommeln, kleiner Aufschrei – und dann gewinnen. Oder eben verlieren.

Schmerzverzerrtes Gesicht

Das geht nicht immer ganz folgenlos ab: Drei Sanitäter bahnen sich einen Weg durch die Menge, hinter ihnen tragen zwei stämmige Schwinger einen Kollegen mit schmerzverzerrtem Gesicht und hängendem linkem Oberschenkel zum Sanitätszelt. Dort geht es ansonsten aber eher ruhig zu: 27 Fälle habe man bis zum Festakt am späten Nachmittag behandeln müssen. Eingeschlossen in dieser Zahl sind auch Passanten mit Kopfweh, doch bei den Schwingern gibt es naturgemäss auch oft Schulter- und Nackenverletzungen.

«Meistens geht das aber gut aus. Gerade im Schulterbereich haben sich die Schwinger viele Muskeln antrainiert, die sind da sehr robust», erklärt ein Sanitäter. Bislang habe man Glück gehabt, trotz grossem Besucherandrang sei nichts Gravierendes passiert.

Nicht weit vom Rettungszelt entfernt lässt sich die Tombola bestaunen: Nicht nur Kaffeemaschinen, Staubsauger und einen Kühlschrank gibt es hier zu gewinnen, sondern auch Heckenschere, Rasenmäher, Stühle, Kuchikäschtli und überdimensionierte Kuhglocken. Es bleibt unklar, ob bei diesen schweren Dingern ebenfalls zwei Schwinger zur Stelle sind, um sie nach Hause zu tragen. Auf die Schwingerkönige warten Muni Bänz, Fohlen Elvaro und Rind Halma – alle von einem Züchter aus Seewen.

Carlo Conti «abgeschaltet»

Regierungsrat Carlo Conti möchte, umrahmt von Jodlerchor und Alphornbläsern, die Festansprache halten. «Schwingen ist schon sehr lange trendy, auch bei den Jungen und den Städtern», setzt er zur Rede an, doch dann setzt eine Mikrofonpanne seinen Ausführungen ein vorzeitiges Ende. «Jetzt haben sie ihn abgeschaltet», kommentiert ein Schwinger die Stille grinsend, und nimmt genüsslich einen grossen Schluck aus seinem Kaffeebecher. Der Kaffee sieht ziemlich klar aus.

Wenige Meter weiter lässt sich ein Deutscher mit Ruhrgebietsakzent von einem Schweizer das weitere Verfahren erklären. «Jetzt kommt also das Halbfinale und dann das Finale?», fragt er nach, und seine Artikulation der Konsonanten lässt darauf schliessen, dass er sich mit dem Schweizer Bier bereits recht gut abgefunden hat. Im Festzelt spielen drei Schwyzerörgeli flankiert von einem Bass, doch weiter als die ersten drei Sitzreihen dringt die Musik nicht – zu gross ist der Lärm durch das Geplauder.

Auch draussen läuft die Wirtschaft gut, und die differenzierten Angebote fürs Durstlöschen lassen auf die Zielgruppe schliessen: So wird beim «Schwingerkaffee» etwa darauf hingewiesen, dass er 4cl Alkohol enthalte, und den «Bierpass» gibt es für 20 Franken – damit kann man sich fünfmal je drei Deziliter Bier holen.

Die Schwinger auf dem Platz hingegen kämpfen eisern um ihren Platz in der Rangliste: Stöhnend und schreiend wird gehebelt, gelupft, geblockt und geworfen. So beeindruckend die Choreografien, so schnell werden die Spuren im Sägemehl nach einer Pause wieder weggestrichen. Auch Sport ist vergänglich.