Einführung

Auch (Elektro-)Velofahren will geübt sein – Polizei bietet Kurse an

Erwachsene E-Biker erobern den Verkehrsgarten.

Erwachsene E-Biker erobern den Verkehrsgarten.

Die Polizei bietet neu Fahrkurse für Elektrovelos an. Bislang ist das Interesse noch nicht sehr gross, doch Unfälle mehren sich.

Wer E-Bikes fährt, der trägt auch Trekking-Schuhe im Büro und Kurzarm-Hemden zu Hochzeiten. Das ist der Eindruck von jemandem, der mit E-Bikes bislang kaum in Berührung kam. Mal abgesehen von den flüchtigen Überholmanövern auf dem Weg die Wettsteinbrücke hoch. Da pflegen die Batterie-Unterstützten jeweils mit sonnigem Grinsen an jenen vorbeizusausen, die ihre Beine nicht nur als lockeren Impulsgeber für den Dosenmotor gebrauchen.

Viele Exemplare dieser Gattung Verkehrsteilnehmer könne es wohl nicht geben, so die Einschätzung des Laien. Weit gefehlt: Inzwischen ist jedes vierte Velo im Basler Verkehr ein E-Bike. Die Fahrräder fristen kein Nischendasein im Dunstkreis der Tech-Freaks mehr. Dass sie im Mainstream angekommen sind, belegen nicht zuletzt die steigenden Unfallzahlen.

23 Unfälle verzeichnet die Basler Kriminalstatistik für das Jahr 2016, acht mehr als im Vorjahr. Die Zahlen steigen seit 2010 kontinuierlich. Ein grosser Teil davon sind Senioren, doch schweizweit steigt die Zahl der Verunglückten am stärksten im Alterssegment zwischen 45 und 65 Jahren.

Auch die hiesige Kantonspolizei hat das Problem erkannt. In Zusammenarbeit mit erfahrenen E-Bikern bietet sie Kurse an, in denen auf die Möglichkeiten aber auch die Gefahren der Gefährte hingewiesen wird. Besser: Wollten anbieten. Denn bislang scheiterten solche Versuche am Umstand, dass sich niemand anmeldete – obschon der dreistündige Einführungsnachmittag kostenfrei ist.

Spielend bergauf

Gestern kam zum ersten Mal eine solche Veranstaltung zustande. Mit etwas Unterstützung der Basler Journalisten, die die Mehrheit der Kursteilnehmenden stellte. Weniger als eine Handvoll Interessierte fanden um 14 Uhr den Weg in den Verkehrsgarten.

Dort, wo schon kleine Kinder an das Strassenverkehrsgesetz gewöhnt werden, dort, wo man zum Spass an Ampeln halten muss. Doch wie in der Primarschule geht dem Fahrvergnügen ein Theorie-Block voran. E-Bike ist nicht gleich E-Bike, lernt man da. Für die starken Motoren ab 500 Watt gilt die Helm- und Nummernpflicht. Noch komplizierter wirds für diejenigen, die eine Dreiland-Tour planen. In Frankreich bräuchte es den Töffhelm, Deutschland verlangt hingegen vollgepumpte Pneus.

Die Ausfahrt, welche auf die ersten unsicheren Runden im geschützten Verkehrsgarten folgt, verläuft deshalb nur auf und niemals jenseits der Grenze. Durch Allschwil hindurch geht es am Weiher vorbei ganz schön den Stutz hoch. Der Lenker merkt davon auch am richtig steilen Hang nichts. Der Puls bleibt stabil, die Kraft kommt aus der Batterie. Dabei sind jene der Testfahrzeuge noch am unteren Ende der Leistungsskala. Der Basler Velopolizei etwa steht wesentlich Kraftvolleres zur Verfügung.

Die Polizisten haben Erfahrung, erklären vom Einstellen der Sattelhöhe bis zum richtigen Anfahren alles. Das Lenken geht inzwischen leicht von der Hand. Bei kleinen Kurven und Ausweichmanövern zeigen sich jedoch die Tücken des Elektromotors. Nicht immer hätte man sich die Unterstützung in den Pedalen gewünscht. Zumal ja im Strassenverkehr auch die Helmpflicht für diese leichten Motorvelos nicht gilt, nur hier im Kurs.

Dieser hat vor allem etwas bewirkt: geschärfte Sinne. Denn nun entdeckt man die Batterien überall. Mal unter Gepäckträgern, mal im Rahmen. Und längst nicht nur Trekkingschuhe treten in die Pedale.

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