Es weht ein eisiger Wind über die Basler Medienlandschaft. Die «Tageswoche» ist am Ende. Die nächste Ausgabe ist auch die letzte, Mitte November kommt auch der Onlinebetrieb zum Erliegen. Der Stiftungsrat der Stiftung für Medienvielfalt hat entschieden, seinem prominentesten Projekt den Stecker zu ziehen. Dies geht aus einer gestern Abend veröffentlichten Medienmitteilung hervor. «Die bestehenden Arbeitsverhältnisse werden aufgehoben. Ein grosszügiger Sozialplan federt die daraus entstehenden Härten ab», heisst es darin. Rund 30 Mitarbeitende stehen vor der Entlassung.

Schon seit Längerem waren die finanziellen Probleme des siebenjährigen Medienprojekts bekannt. Insbesondere nachdem die geldgebende Stiftung beschlossen hatte, die Unterstützung deutlich zurückzufahren. Die «Tageswoche» war trotz grosser Bemühungen und mehrfachen Hilfeaufrufen nicht in der Lage, die wegfallenden Einnahmen durch Abos oder Inserate zu kompensieren.

«Die Schliessung tut dem Stiftungsrat sehr leid, auch wenn sie unvermeidlich ist», heisst es in der Mitteilung. Es sei sinnvoller, das Unterfangen jetzt zu beenden, als der drohenden Schliessung lange zuzuschauen, sagt Stiftungsratspräsident Andreas Miescher auf Anfrage der bz. «Persönlich», sagt er, «bin ich nicht für das Scheitern verantwortlich.» Vielmehr habe sich die ursprüngliche Idee als illusorisch erwiesen, die «Tageswoche» könne mittelfristig selbsttragend sein.

Ein neues Projekt in Aussicht

Fakt ist aber auch: Zu mehreren Jahren der Ruhe kam das Medienprojekt nie. 2011 war die «Tageswoche» aus den Querelen um die Blochersche «BaZ»-Übernahme und durch die Zuwendung von Mäzenin Béatrice Oeri entstanden. In der Folge lösten sich mehrere Chefredaktoren auf ihren Posten ab, Berichte über Machtkämpfe machten die Runde, und ein Auflagenschwindel erschwerte das Geschäft. Auch konnte die «Tageswoche» nie so viele Leser bei sich aufnehmen, wie bei der «Basler Zeitung» wegbrachen.

Gleichzeitig verstand es die Redaktion aber immer wieder, zumeist aus linker Optik mit Recherchen, Hintergrundberichten und neuen Online-Formen zur Basler Medienvielfalt beizutragen. Das Todesurteil bedeutete der Entscheid der Stiftung im 2016, die finanzielle Zuwendung auf eine Million Franken pro Jahr zu reduzieren bei gleichzeitiger Garantie einer Übergangsfinanzierung. Entlassungen und ein neuer Businessplan konnten diese Konsequenzen jedoch nicht mehr abfedern.

Zu dieser will die Stiftung auch künftig beitragen, wie aus dem Communiqué hervorgeht. Sie wolle eine neue Initiative unterstützen mit dem Ziel, «dass im besten Fall schon im Jahre 2019 ein neues Medienprodukt für die Region Basel lanciert werden kann». Auf Anfrage sagte Miescher allerdings, man wisse «beim besten Willen noch nicht was, wie oder wann» das sein könne.