Gestern, zwei Tage nach dem Crash, beendeten die drei Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) die Suche nach Beweisen. Ihre Aufgabe ist es, den Zusammenstoss des Basler Sportflugzeugs mit einem deutschen Rettungshelikopter, bei dem alle vier Insassen ums Leben kamen, zu rekonstruieren. «Jedes kleinste Detail kann entscheidend zur Aufklärung beitragen», sagt BFU-Sprecher Germout Freitag und wird konkret:

«Wenn wir zum Beispiel ein Lämpchen aus dem Cockpit finden, können wir anhand des Bruches der Glühwendel erkennen, ob diese vor dem Unfall gebrannt hat oder nicht. So wissen wir, ob gewisse Warnlampen vor dem Unfall geleuchtet haben, oder nicht.»

Um alle relevanten Details zu finden, beginnt jede Untersuchung an der Unfallstelle. Zunächst sichten die Untersucher die Trümmerteile und erstellen dann eine Skizze, was wo liegt.

Vereinfacht wird die Arbeit, wenn ein Flugdatenschreiber vorhanden ist. Die Piper PA-28 der Basler Flugschule war nicht mit einem solchen ausgestattet, der deutsche Rettungshelikopter aber schon. Er registriert Höhe, Position und Geschwindigkeit, hat aber keine Sprachaufzeichnungsfunktion. So lange der Flugdatenschreiber ausgewertet wird, bleiben die auf vier LKW verladenen Wrackteile in Oberhausen. Sie werden nach Abschluss der Untersuchungen an die Eigentümer zurückgegeben.

Wenn alle Trümmer gesichtet sind, stehen Zeugenbefragungen an. Beim Absturz in Oberhausen haben Anwohner zum Beispiel den Helikopter gesehen, ehe dieser explodiert ist. «Das Flugzeug muss von der anderen Seite gekommen sein», sagt ein Augenzeuge gegenüber dem Südwestrundfunk.

Zu den Zeugen gehören auch die zuständigen Lotsen. Diese hatten den Luftraum überwacht und Kontakt mit den verunglückten Schweizern. «Ich sehe keinen Helikopter», sollen die letzten Worte des Piloten gewesen sein.

Mit diesen Informationen im Gepäck machen sie die Mitarbeiter der BFU auf den Weg in die Zentrale nach Braunschweig (Niedersachsen). Je nach Bedarf werden auch Wrackteile mit in den Norden Deutschlands genommen, um diese genauer zu analysieren. «Das ist aber diesmal nicht der Fall», so Freitag.

Mensch, Maschine, Umwelt

In den Büros und Labors der BFU werden die gesammelten Informationen ausgewertet. Dafür werden Theorien aufgestellt und anschliessend Beweise gesammelt, um den Unfallhergang zu rekonstruieren. Dabei gilt der Dreiklang: Mensch, Maschine, Umwelt.

Diese Arbeit beinhaltet viel Detailarbeit. Die Untersucher überprüfen die Ausweise der beteiligten Personen: Wer sind sie? Gibt es ärztliche Gutachten? Haben sie eine gültige Pilotenlizenz? Auch Informationen zum Material werden gesichtet: Wann wurde die Maschine gewartet? Wie alt war sie? Hatte sie Mängel? In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst wird auch die Wetterlage zum Unfallzeitpunkt analysiert. Wie war die Sicht? Gab es Niederschlag? Stürmte es?

Wenn sich dann die Anzeichen verdichten, dass eine Theorie richtig ist, wird ein Bericht verfasst. Dieser ist meist zwei bis drei Monate nach dem Unfall fertig und wird online veröffentlicht. Bei besonderen Fällen gibt das BFU auch eine Sicherheitsempfehlung durch, deren Einhaltung das Fliegen in Zukunft sicherer machen soll.