Frauenschule

100 Jahre Bernoulli-Schulhaus: Die gute Ehefrau weiss, wo ihr Platz ist

Wie hätte ihr Leben vor 50 Jahren ausgesehen? BFS-Schülerinnen haben ein Theaterstück einstudiert.EDI

Wie hätte ihr Leben vor 50 Jahren ausgesehen? BFS-Schülerinnen haben ein Theaterstück einstudiert.EDI

Im Bernoulli-Schulhaus war einst die Frauenarbeitsschule einquartiert. Ein Ein Theater-Rundgang gewährt Einblick in die 100-jährige Geschichte des Gebäudes und der Rolle der Frau.

«Teppich bitte!» Stramm steht Pauker Michael Hug neben der massiven Flügeltüre zum Seminarsaal im ersten Stock des Bernoulli-Schulhauses. Nichts passiert. «Teppich bitte!», wiederholt er mit eisiger Strenge in der Stimme. Die junge Frau daneben verdreht die Augen. Lustlos rollt sie einen roten Läufer vor der Türe aus.

Steif steht Lehrer Hug auf dem Teppich und spricht: «Das Handbuch für die gute Ehefrau war in den 50ern ein richtiger Renner an dieser Schule.» Schliesslich zählten damals in einer Familie nichts anderes als die Bedürfnisse des Ehemannes. Der Lehrer betritt den Saal, in dessen Mitte sieben junge Frauen in roten und rosa Kleidern artig in einer Stuhlreihe sitzen. Einstimmig sagen sie Regeln auf: «Halten sie das Abendessen bereit. Machen Sie sich chic.» Und weiter: «Begrüssen Sie ihn mit einem warmen Lächeln. Hören Sie ihm zu. Der Abend gehört ihm.» Oder: «Schieben Sie ihm sein Kissen zurecht und bieten Sie ihm an, seine Schuhe auszuziehen.» Zuletzt: «Eine gute Ehefrau weiss stets, wo ihr Platz ist.»

Ein Rundgang durch 100 Jahre

Die Szene spielt sich in der Berufsfachschule (BFS), der ehemaligen Frauenarbeitsschule, an der Kohlenberggasse ab. Sie ist Teil des Theater-Rundgangs «Putzmachen» einer Vorkurs-Klasse zum 100-Jahr-Jubiläum des denkmalgeschützten Hauses. Putzmachen – so lautete ein Fach, das bis 1963 an der Frauenarbeitsschule unterrichtet wurde.

An zehn verschieden Stationen im historischen Schulhaus wird nicht nur die Geschichte des 1914 bis 1916 vom bedeutenden Basler Architekten Hans Bernoulli errichteten Gebäudes erzählt, sondern auch jene der Frau und der Frauarbeit. «Eine Szene zeigt einen Mann, der versucht einer Frau in den Mantel zu helfen», erzählt Regisseurin Salomé Im Hof, «doch es endet in einem Geschlechterkampf.» Zum Thema Arbeitswelten und Rollenmuster lässt Im Hof auch die Sicht der Schüler und Schülerinnen, grossteils mit Migrationshintergrund, einfliessen. Zudem sei es ein Integrationsstück, erklärt sie, denn es biete einen Einblick in die Entwicklung der Frauenschule und erzähle von der langsamen Integration der Männer.

Bernoulli baute einen Palast

Wie die Frau mit dem Ansehen kämpfte die BFS lange mit einem schlechten Ruf. Abschätzig wurde es als «Fraueli» bezeichnet und belächelt. Dem versuchte bereits Architekt Hans Bernoulli entgegenzuwirken. «Er hat hier einen Palast des Lernens gebaut und wollte die Frauenarbeitsschule aufwerten», sagt Alfred Ziltener, Informationsverantwortlicher der BFS. So erinnern mehrere Elemente an französische Renaissance-Paläste: die grosse Freitreppe zum Eingang, der französische Innenhof oder das ehemals mit edlen Stuckaturen geschmückte Entrée.

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