Es war eine kleine Werkschau, die gestern die Wohnbaugenossenschaften boten – angereichert mit einer Prise Wahlkampf für Rot-Grün. Denn der genossenschaftliche Wohnungsbau ist nun mal eine Domäne, um die sich eher linke Parteien kümmern. Als Beispiel stellte Andreas Herbster, Geschäftsleiter der Genossenschaft Wohnstadt, die unmittelbar beim Gartenbad Bachgraben gelegene Überbauung Belforterstrasse vor. Seit ein paar Monaten wird auf diesem ehemaligen Parkplatz gebaut.

Wenn man den computersimulierten Bildern glauben darf, so wird das eine ganz hübsche Siedlung, völlig anders als man sich Genossenschaftswohnungen gemeinhin vorstellt: Sehr leicht, viel grün und gerade mal fünfgeschossig. Zum Bahnhof ist es trotz Grenzlage mit dem Velo nur eine Viertelstunde, es gibt vier Buslinien, einige Läden. Wenige hundert Meter weiter südlich: Ein Hotspot der Wirtschaftsentwicklung und neuer Arbeitsplätze. Hier finden sich Actelion und andere Lifescience-Firmen und der Innovationspark, später werden das Tropeninstitut und eventuell Ableger der Universität hierher ziehen. Mit rund 2000 Franken für eine Vierzimmerwohnung mit knappen 99m bewegen sich die Mieten freilich nicht im untersten Segment. Das sei man sich auch bewusst. Man habe nicht billig gebaut, das würde sich langfristig nicht auszahlen. Die Wohngenossenschaft profitiert von zumindest anfänglich tiefen Baurechtszinsen, ab dem zehnten Jahr ist der volle Baurechtszins geschuldet (bei dieser Überbauung 40 Franken pro Quadratmeter und Jahr).

Langfristig günstiger

Die 68 Wohnungen (39x4½ Zimmer, 13x3½ Zimmer und 11x2½ Zimmer) und das Heim für Mehrfachbehinderte mit insgesamt 24 Wohnplätzen sollen Ende 2017 bezugsbereit sein. Etwas günstiger sollen die 120 Wohnungen an der Burgfelderstrasse nahe der Dreier-Tramschleife werden, sagt René Brigger, Präsident der Neuen Wohnbaugenossenschaft (NWG), die für dieses Projekt mit der WG Bündnerstrasse zusammenspannt. Sieben Architekturbüros wurden zu einem Wettbewerb eingeladen. Geplant sind 30 Wohnungen à zwei Zimmer, je 42 à drei und vier Zimmer und ein halbes Dutzend à fünf Zimmer. Brigger ist überzeugt, dass genossenschaftliches Wohnen auf lange Sicht günstiger ist. Er nannte das Beispiel von Wohnungen an der Bungestrasse, die 1993 gebaut worden seien. Eine 106m-Wohnung koste in der Genossenschaft 1600 bis 1700 Franken, die praktisch identische bei der Pensionskasse Basel-Stadt 2000 Franken. Zu ähnlichen Schlüssen sei das Statistische Amt gekommen: Die Mietpreise von Genossenschaftswohnungen lägen 30 Prozent unter dem durchschnittlichen Wert. Das sind die weiteren Projekte von Genossenschaften oder Stiftungen.:

Kohlistieg in Riehen: 98 Wohnungen, bezugsbereit Februar 2017

Niederholz in Riehen: 24 Wohnungen (2018)

Redingstrasse: 18 Wohnungen (2018)

Areal Felix-Platter-Spital: 500 bis 600 Wohnungen (2020)

Erlenmatt-Areal Ost: 150 Wohnungen von verschiedenen Anbietern (bis 2019)

Schorenareal, Eglisee: 97 Wohnungen (blockiert durch Einsprachen)

Riehenring: 36 Wohnungen (Einsprachen hängig)

Regierungsrätin Eva Herzog meinte, die Entwicklung sei auch das Verdienst von Rot-Grün und selbstverständlich auch das der Genossenschaften, die in den vergangenen paar Jahren neue Aktivitäten entfaltet haben. Und sicher hat auch das ab Juli 2014 geltende Wohnbaufördergesetz geholfen, welches Bürgschaften für Neubauten bis zu 94 Prozent und einen Projektentwicklungsfonds vorsieht.

Von bürgerlicher Seite wird die Entwicklung mit einem gewissen Argwohn verfolgt. «Ich will zwar nicht sagen, dass es diese nicht geben soll. Aber im Wohnbaufördergesetz ist auch die Rede vom privaten Wohnungsbau», sagt Andreas Zappalà (FDP, Geschäftsführer Hauseigentümerverband Basel-Stadt). Die meisten Baurechte seien an den gemeinnützigen Bau gegangen, nicht an Private. Das habe den Effekt, dass mittlerweile auch im oberen Preissegment Wohnungen fehlten.