Die Strassen für die Röschenzer Bundesfeier mit Plakaten vollzupflastern, ist nicht nötig. Denn im Dorf wissen alle, dass er auf der Sportanlage Fluh stattfindet. Das ist «der Fussballplatz mit der schönsten Aussicht der Region», wie die «Mattegumper» (also die Röschenzer) Auswärtigen erklären. Vor dem Eingang reduziert ein Dutzend Kinder genüsslich seinen beachtlichen Vorrat an Böllern. Auf dem Sportplatz sind die Tische eine halbe Stunde, bevor Regierungsrätin Kathrin Schweizer (SP) ihre Ansprache hält, bereits zu zwei Dritteln gefüllt. Die Festwirtschaft, turnusgemäss vom Musikverein Brassband Röschenz und der Guggemusig Hälmlibieger gestellt, arbeitet auf Hochtouren. Dazu liefert Peter Renz mit dem Saxofon und der Klarinette den Easy-Listening-Soundtrack.

Auch weil die Aufnahme der Jungbürger in den Anlass integriert ist, dominiert an der Bundesfeier in Röschenz der soziale Aspekt. Menschen mit auffällig patriotischen Outfits sieht man keine, stattdessen wird entspannt miteinander geplaudert – nicht nur über den Geburtstag der Schweiz. Typische Besucher gibt es unter den rund 300 Leuten viele, beispielsweise die Familie Schnell.

«Ein Geschlecht von hier», lacht Simon Schnell, ehe er zusammenfasst, wieso er mit seiner besseren Hälfte Monika sowie den beiden Söhnen Yannick und Florian Jahr für Jahr herkommt: «Es geht sehr gesellig zu und her. Man kann mit den Leuten vom Dorf in gemütlicher Stimmung gute Gespräche führen.» Argumente, anderswo zu feiern, sieht er keine echten: «Vielleicht ein grösseres Feuerwerk, aber sonst?» Die Schnells werden jedenfalls auch am 31. Juli 2020 auf dem Sportplatz Fluh anzutreffen sein. «Weil Yannick dann Jungbürger wird, haben wir einen Grund mehr zu kommen», sagt Monika Schnell mit einem Lachen.

Eigentlich ist es egal, wer da vorne die Rede hält

Wegen der Jungbürgerfeier gekommen ist Naomie Ammann, und sie hat mit Aurora Sarleti gar eine Auswärtige im Schlepptau. «Zwei unserer besten Kolleginnen werden heute Jungbürgerinnen», erklären die beiden. Ammann ist als Einheimische ohnehin praktisch jedes Jahr da. «Meine Eltern haben mich von kleinauf mitgenommen», erzählt die junge Frau. Für sie ist der Anlass samt dem am späteren Abend folgenden Laternenumzug «eine schöne Tradition».

Deswegen spielt keine so grosse Rolle, wer gerade die Festrede hält. Die von Gemeindepräsident Remo Oser angekündigte jüngste und amtsjüngste Regierungsrätin erhält zwar vor und nach ihrer Rede warmen Applaus. Sie thematisiert ihre persönliche Beziehung zum Laufental genauso wie das solidarische Miteinander, mit dem es innerhalb Europas nicht ganz so gut klappe.

Ein weniger prominenter Gast wäre aber wohl genauso gut angekommen wie Kathrin Schweizer, die danach Oser bei der Verteilung der Urkunden an die Jungbürgerinnen und Jungbürger assistieren darf. Nach dem Singen der Nationalhymne ging es in Röschenz mit den Feierlichkeiten weiter. «Jetzt wirds wirklich lustig», meinte ein Besucher, während Remo Oser seinen Blick über das Grün schweifen liess. «Von hier aus können wir das Feuerwerk in Laufen prima sehen», sagte er mit einem Grinsen.

Noch betulicher ging es in anderen Gemeinden zu und her – in Ettingen etwa, wo die Jungen Bürger zum dritten Mal einen 1.-August-Brunch auf die Beine stellten. Die Ettinger seien also alles andere als die angeblichen «Festverweigerer» (bz vom 31. Juli), schrieb Bürgerpräsident Hans-Peter Bachofner.

Das grösste Spektakel, das wird auch Bachofner einräumen müssen, gabs aber woanders: in Basel. Dort verfolgten am 31. Juli laut Polizei 110 000 Schaulustige das Feuerwerk auf dem Rhein. Es dauerte rund zwanzig Minuten. Das grosse Feuerwerk begann pünktlich um 23 Uhr. Die Zündungen erfolgten von zwei Rheinschiffen aus; je eines lag oberhalb und unterhalb der Mittleren Brücke vor Anker. Entsprechend standen die Besucher auf den Brücken dicht an dicht gedrängt. Der Andrang war so gross, dass Eltern mit Kleinkindern und Kinderwagen geraten worden war, die Mittlere Brücke zu meiden.

Der Grosse Rat trat gegen die Bürgergemeinde an

Dem Basler Feuerwerk vorausgegangen war ab dem späten Nachmittag ein Festbetrieb mit rund hundert Beizen und Verkaufsständen sowie Live-Musik entlang der Rheinufer und auf dem Marktplatz. Auf dem Rhein standen unter anderem Fontänen vom Feuerlöschboot auf dem Programm. Gross- und Kleinschifffahrt mussten für das Fest pausieren. Aufgrund der positiven Resonanz an der letztjährigen Bundesfeier war das «Promi-Plausch-Langschiffrennen» mit Vertretern des Grossen Rats und der Bürgergemeinde ein zusätzlicher Programmhöhepunkt in diesem Jahr.

Entlang der beiden Rheinufer boten rund hundert Beizen und Verkaufsstände ein vielfältiges kulinarisches Angebot an. Musikalisch sorgten zwölf Live-Konzerte auf dem Marktplatz, bei der Schifflände und auf dem Kulturfloss «Im Fluss» für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Eine 120-Meter-Wasserrutschbahn lockte ferner erneut zum Mühlenberg.

Trotz Klimadiskussion: Das Volk will Feuerwerk

In der Stadt Basel war das Brandrisiko mit dem grossen Feuerwerk trotz anhaltender Bodentrockenheit als vertretbar eingeschätzt worden, nicht zuletzt wegen des ausgiebigen Regens am vergangenen Wochenende. Das Festhalten am traditionellen Feuerwerk trotz Trockenheit und Klimadiskussionen hatten die Verantwortlichen mit der Erwartungshaltung des Publikums erklärt. Die Menschenmassen gaben ihnen recht. Doch trotz riesiger Druggedde: Zu grösseren Zwischenfällen kam es an den Feierlichkeiten am Rhein nicht, wie die Polizei mitteilte.

Nach dem Stadtfest am Rhein folgte am Abend des 1. August die offizielle Bundesfeier auf dem Bruderholz mit einem traditionellen Höhenfeuer. Dort setzte man zwecks Klimaschutzes weniger auf echtes Feuerwerk, dafür neu auf Laserlicht-Effekte. Die Ansprache hielt Grossratspräsident Heiner Vischer (LDP), umrahmt von Ländlermusik, Urstimmen sowie dem Singen der Schweizer Nationalhymne. (bz/sda)