Verurteilung

12 Monate bedingt, weil Polizist einen betrunkenen und renitenten 16-Jährigen schlug

54-jähriger Polizist wegen versuchter schwerer Körperverletzung verurteilt.

54-jähriger Polizist wegen versuchter schwerer Körperverletzung verurteilt.

Das Basler Strafgericht hat am Montag einen Angehörigen der Kantonspolizei Basel-Stadt wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Amtsmissbrauchs zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten verurteilt. Er hatte mit einem Faustschlag einen Jugendlichen verletzt.

"Ich habe ihn nicht geschlagen, ich habe ihn weggestossen. Es macht mich traurig, was die Staatsanwaltschaft mir unterschieben will", sagte der 54-jährige Polizist am Montag im Basler Strafgericht. Seit 31 Jahren ist er bei der Basler Polizei, inzwischen hat er den Rang eines Wachtmeisters. Doch der Vorfall vor dreieinhalb Jahren könnte nun seine Karriere beenden.

An einem Abend im August 2016 mischte sich der 16-Jährige aus Eritrea auf der Dreirosenanlage in eine Personenkontrolle ein und beschimpfte die Patrouille schliesslich mit "Scheiss Polizisten". "Eigentlich wollten wir ihn gar nicht mitnehmen, aber er hat uns beleidigt, da war das Mass dann voll", sagte der 54-Jährige vor Gericht. Der Jugendliche benahm sich bereits auf der Fahrt zur Wache renitent, auf dem Claraposten ergab die Atemalkoholprobe 1,29 Promille. Zur sogenannten Effektenkontrolle löste man schliesslich die Handfesseln, damit der Jugendliche die Hose ausziehen konnte. Als der Polizist gerade die Hose nach Drogen durchsuchen wollte, sei der 58 Kilo schwere und knapp 1.70 grosse Jugendliche abrupt aufgestanden und bis auf wenige Zentimeter an den Polizisten herangetreten. "Ich habe reflexartig die Hände hochgenommen und ihn weggestossen. Er ist gestolpert, prallte an die hintere Wand und fiel dann ganz untypisch zu Boden, wie ein Kartoffelsack", sagte der Angeklagte. Der 16-Jährige habe dann aus der Nase geblutet, man habe ihn mit Taschentüchlein versorgt. Danach sei er nicht mehr aggressiv gewesen, er habe auch keinen Arzt sehen wollen. Die Polizisten entliessen den Mann schliesslich.

Am nächsten Morgen ging der 16-jährige ins Spital, woraufhin man ihn gleich vier Tage lang stationär aufnahm: Unter anderem erlitt er einen Knochenbruch an der Innenwand der rechten Augenhöhle sowie eine innere Blutung am rechten Stirnlappen. Das Institut für Rechtsmedizin kam zum Schluss, dass die Verletzungen auf eine einzige Gewalteinwirkung zurückzuführen seien.

Erst gegenüber einer Betreuerin sagte der Jugendliche später, er sei geschlagen worden. Das Fazit der Ermittler: Der Polizist habe dem Jugendlichen die Faust ins Auge gedonnert. Staatsanwältin Daniela Erbe beantragte am Montag eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten für den Polizisten. "Es ist absolut verwerflich, einem alkoholisierten Jugendlichen einen derartigen Faustschlag zu verpassen. Er muss auch bei renitenter Kundschaft Ruhe bewahren, dafür ist er ausgebildet", sagte Erne.

"Mein Mandant ist ein Profi, er kommt ständig in brenzlige Situationen mit schwierigen Menschen. Auch der zweite Polizist hat klar gesagt, dass es diesen Faustschlag nicht gab", betonte Verteidiger Stefan Suter. Der 16-Jährige verkehre in Dealerkreisen und habe sich die Verletzungen wohl irgendwann in den elf Stunden zwischen der Kontrolle und dem Spitaleintritt zugezogen.

Doch das Dreiergericht kam am Montag zu einem Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Allerdings milderte das Gericht die Strafe deutlich, weil der Jugendliche massiv zur Eskalation beitragen hat und die Verurteilung für den Polizisten berufliche Konsequenzen haben wird. Es verhängte eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Fall wird mit Sicherheit ans Appellationsgericht weitergezogen. Der Polizist arbeitete bislang weiterhin auf Patrouille.

Eigentlich wollte das Gericht auch den Jugendlichen anhören, doch dieser meldete sich am Montagmorgen per Telefon kurzerhand krank und war danach nicht mehr zu erreichen. Das Gericht auferlegte ihm deshalb eine Busse von 300 Franken.

Die Polizei Basel-Stadt bestätigt auf Anfrage, dass der betroffene Mitarbeiter als Sofortmassnahme vom Frontdienst abgezogen wird.

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