Es war einer der grössten Fälle von Kunstraub weltweit. Und ausgerechnet Basel stand im Zentrum. Gianfranco Becchina und seine damalige Frau Ursula Juraschek betrieben gegen aussen einen harmlosen Kunsthandel. Die Galerie Palladion am Rennweg 51 war das Deckmäntelchen für einen ungeheuren Schatz an Altertümern zweifelhafter Provenienz.

Über 6000 Artefakte stellten die Ermittler 2001 in fünf Lagern in Basel sicher. In einer akribischen und äusserst langwierigen Arbeit konnten 5361 Objekte im Wert von mindestens 55 Millionen Franken Italien zugewiesen und mithilfe der Carabinieri zurückgeführt werden. Im Januar 2015 wurden die Kostbarkeiten in den Diokletiansthermen in Rom der staunenden Öffentlichkeit präsentiert.

Aufbewahrungsort ist geheim

Doch gut 1200 Objekte blieben in Basel. Sie konnten nicht eindeutig als Raubkunst identifiziert und auch nicht genau zugeordnet werden. Ursula Juraschek reklamierte sie für sich. Im letzten Moment verfügte das Betreibungs- und Konkursamt Basel-Stadt einen sogenannten Arrest. Nicht, weil die Herkunft der Artefakte zumindest fragwürdig ist, sondern weil offene Steuerforderungen bestanden.

Diese konnten durch die «Verwertung einzelner Vermögenswerte» beglichen werden, wie Stephan Stauber, Leiter der Steuerverwaltung Basel-Stadt, auf Anfrage erklärte. Der Fall Becchina sei für seine Behörde damit abgeschlossen. Die verbliebenen Vermögenswerte, also Kunstgegenstände, sind aber nach wie vor eingelagert. Wo, ist geheim. Doch soll es sich gemäss Informationen der bz um eine stillgelegte Zivilschutzanlage beim Bürgerspital handeln.

Abgeschlossen ist der Fall auch für die Staatsanwaltschaft. Nur das Betreibungs- und Konkursamt will keine Auskunft geben und beruft sich auf das Amtsgeheimnis. Es ist aber davon auszugehen, dass Ursula Juraschek über die Altertümer verfügen kann. Denn auch der Bund, konkret das Bundesamt für Kultur, macht keine Anstalten, zu verhindern, was mehr als stossend ist: Eine Raubkunsthändlerin, die für ihre Vergehen aufgrund der Verjährungsfrist nie verurteilt wurde, kann sich an der sogenannten «Schattenware» erfreuen und diese zu Geld machen.

Welchen Gesamtwert die Mosaiken, Sarkophage, Statuen und Friesen repräsentieren, ist nicht bekannt. Es dürften Millionen sein. Ob sich Ursula Juraschek, die seit Jahren um die Herausgabe der Waren kämpft, bereits mit den Behörden in Verbindung gesetzt hat, ist ebenso unbekannt.

Nie verurteilt

Auch Becchina selbst wurde nie verurteilt. Der sizilianische Olivenölbaron ist heute 77 Jahre alt. Er soll seinen Lebensabend auf seinen Ländereien geniessen. Becchina, der von Basel aus ein Heer von Raubgräbern, genannt «Tombaroli», dirigierte, die vor allem in Apulien, Kalabrien und Sizilien nach Schätzen gruben, arbeitete nicht alleine.

Giacomo Medici sorgte für die Plünderung antiker Stätten in Norditalien. Kopf der Bande war Bob Hecht, ein amerikanischer Archäologe. Hecht starb 2013. Medici sitzt in seiner Villa einen achtjährigen Hausarrest ab, wie «Der Spiegel» vor zwei Jahren schrieb. Über 30 Jahre lang trieben sie ihr Unwesen. Sie hauten dabei auf der ganzen Welt Sammler wie Museen mit gefälschten Zertifikaten übers Ohr. Wobei davon auszugehen ist, dass nicht alle Käufer so genau wissen wollten, woher die Artefakte tatsächlich stammten.

Auch das Basler Antikenmuseum wurde von Becchina und dessen Frau zumindest indirekt bedacht. Der damalige Direktor Peter Blome, ein Bekannter von Ursula Juraschek, sagte der «Weltwoche» 2002, der Ankaufskredit habe es nicht erlaubt, bei der Galerie Palladion einzukaufen. Doch über Schenkungen seien sicher «Objekte ins Museum gekommen, die bei Becchina gekauft wurden». Blome konnte für eine Stellungnahme nicht erreicht werden.