Basel
14 Monate auf Bewährung für Raser mit gemietetem Ferrari

Ein 23-jähriger Basler raste im letzten Sommer mit einem gemieteten Ferrari mit über 100 Stundenkilometern über die Johanniterbrücke in Richtung Kleinbasel. Das Strafgericht verurteilt den Raser nun zu 14 Monaten auf Bewährung und einer Busse.

Patrick Rudin
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Die Polizei stand am Kleinbasler Brückenkopf mit einer Laserpistole bereit und mass stolze 111 Stundenkilometer. (Symbolbild)

Die Polizei stand am Kleinbasler Brückenkopf mit einer Laserpistole bereit und mass stolze 111 Stundenkilometer. (Symbolbild)

Keystone

«Nicht, dass ich es Ihnen nicht gönnen würde, aber wie kommen Sie zu einem Ferrari?», fragte Gerichtspräsident Dominik Kiener. Dem 23-jährigen Angeklagten war die Frage etwas peinlich, lebt er doch bei den Eltern und erhält nach einer abgebrochenen Lehre derzeit 800 Franken im Monat von der Sozialhilfe. Für die 24-Stunden-Miete des Ferraris blätterte er im letzten Sommer rund 700 Franken hin, den Führerschein hatte er erst wenige Monate.

Den Abschied einer Freundin habe man feiern wollen, erzählte er am Mittwoch, und so ging er mit drei Kumpeln im Juli 2013 zu einem Autovermieter, um mit einem schwarzen Ferrari 360 Spider mit roten Sitzen die Dame gebührend beeindrucken zu können. Er mietete den Ferrari, zwei Kumpel folgten im Audi R8 zu einem vergleichbaren Mietpreis.

Gegen Mittag fuhr man über die Johanniterbrücke ins Kleinbasel, und dort wollte der Mann in einem seltenen Moment ohne Kolonnenverkehr offenbar herausfinden, ob die acht Zylinder bei Vollgas tatsächlich dem Geräusch von 20 000 brüllenden Fussballfans ähneln. Rund vier Sekunden lang drückte er das Gaspedal durch, um danach vor dem Fussgängerstreifen beim Erasmusplatz kräftig in die Eisen zu steigen.

Keine Schäden entstanden

Passiert war ausser viel Lärm nichts, doch ausgerechnet an jenem Tag stand die Polizei am Kleinbasler Brückenkopf mit einer Laserpistole bereit und mass stolze 111 Stundenkilometer. Abzüglich der üblichen Marge ergibt das netto 107, und das sind in der Stadt nicht nur 57 Stundenkilometer zu viel, sondern damit kommt auch zwingend die relativ neue Raser-Strafnorm zur Anwendung. Der Mann hatte zwei Monate vorher bereits eine Busse erhalten, weil er beim Fahren telefoniert hatte.

Höhere Mindeststrafe

Seit rund einem Jahr sind im Rahmen von «Via Secura» höhere Strafen für Raser in Kraft, das Basler Strafgericht hatte gestern zum ersten Mal einen solchen Fall zu beurteilen.

Eine Tempoüberschreitung von mehr als 50 Stundenkilometer innerorts wäre auch nach altem Recht eine grobe Verkehrsregelverletzung, doch neu ist dafür eine Mindeststrafe von einem Jahr vorgesehen - maximal wären vier Jahre Freiheitsstrafe möglich. Die abschreckende Wirkung der höheren Strafen ist umstritten.

Die Polizei hatte den Ferrari vorerst sichergestellt, doch eine Einziehung kommt meist nur dann infrage, wenn der Wagen dem Raser auch gehört. Leasingfirmen kündigen nach einer groben Verkehrsregelverletzung meist den Leasingvertrag und nehmen den Wagen zurück. (rud)

Von der Messung hatte er nichts mitgekriegt, doch seine Freunde im Audi erklärten ihm seine Lage – daraufhin wollte er sich stellen. Die Polizei aber fahndete bereits nach ihm und stoppte ihn, als er um die Clarawache kurvte und einen Parkplatz suchte. Seine Verteidigerin betonte, er sei kein klassischer Raser, die Mindeststrafe – 12 Monate bedingt – genüge. Staatsanwältin Carola Eigenheer verlangte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren bedingt sowie eine Busse von 4000 Franken, er habe bewusst das Leben von Dritten gefährdet.

Das Dreiergericht verhängte 14 Monate auf Bewährung und eine Busse von 2000 Franken. Er sei kein rowdyhafter Raser, habe aber als unerfahrener Lenker im Stadtgebiet vorsätzlich auf die Tube gedrückt: «Sie sind reingelaufen, weil sie einmal kräftig ‹gutzi› gegeben haben. Da gibt es zugegebenermassen schlimmere Delikte wie Wettrennen mit Unfällen», sagte Dominik Kiener.

Auch seinen Führerausweis ist der 23-Jährige für mehrere Jahre los, die Kosten des parallel laufenden Administrativverfahrens kommen dazu.