Twitter
140 Zeichen, die die Welt bedeuten – mittlerweile auch in Basel

Gerade mal 140 Zeichen inklusive Leerschläge hat der User auf Twitter für seine Mitteilung zur Verfügung. Trotzdem ist die Social-Media-Plattform auf dem Vormarsch und aus Basel nicht mehr wegzudenken – aber warum eigentlich?

Moritz Kaufmann
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Diesen Artikel in 140 Zeichen inklusive Leerschläge erzählen? Unmöglich. Auf der Social-Media-Plattform Twitter (auf Deutsch: Gezwitscher) hat man aber nur gerade maximal so viele Zeichen zur Verfügung, um seine Meinung kundzutun. Trotzdem ist Twitter unaufhaltsam auf dem Vormarsch und mittlerweile auch nicht mehr aus der Region Basel wegzudenken.

Xherdan Shaqiri: @XS_11official Er ist ein Twitter-Neuling. Erst seit dem 3. Januar zwitschert der FC-Bayern-München-Star Xherdan Shaqiri - den ersten Tweet verschickte er aus dem Trainingslager in Doha. Zwar hat er bis jetzt kaum 30 Tweets versendet und deren Inhalte sind nicht immer wahnsinnig aufschlussreich (Kostprobe: Happy birthday Muhammad Ali.... The greatest...:-)) ), doch bereits hat der talentierteste Schweizer Fussballer über 4800 Follower. Damit dürfte er der erfolgreichste Schweizer Fussballer sein - auf Twitter natürlich.

Xherdan Shaqiri: @XS_11official Er ist ein Twitter-Neuling. Erst seit dem 3. Januar zwitschert der FC-Bayern-München-Star Xherdan Shaqiri - den ersten Tweet verschickte er aus dem Trainingslager in Doha. Zwar hat er bis jetzt kaum 30 Tweets versendet und deren Inhalte sind nicht immer wahnsinnig aufschlussreich (Kostprobe: Happy birthday Muhammad Ali.... The greatest...:-)) ), doch bereits hat der talentierteste Schweizer Fussballer über 4800 Follower. Damit dürfte er der erfolgreichste Schweizer Fussballer sein - auf Twitter natürlich.

Screenshot Twitter

Bei den Wahlen am 28. Oktober wurden die Twitter-Nutzer von der Basler Staatskanzlei dazu aufgefordert, ihren Kommentar unter dem Stichwort – oder «Hashtag», wie das Stichwortsymbol «#» auf Twitter heisst – «#wahlenBS» abzugeben. Bis am Sonntagabend nach den Wahlen wurden laut Vize-Staatsschreiber Marco Greiner über 660 sogenannte Tweets dazu versandt. Der Berner Politikberater Mark Balsiger verglich die Twitter-Aktivitäten der Basler Wahlen mit denjenigen aus dem Aargau eine Woche zuvor und kam – selbstverständlich via Twitter – zum Schluss: «Vergleich: #wahlenBS schlägt #ag12 vor Wochenfrist um eine Lichtmeile. Vermutlich sind die Basler einfach Twitter- und Hashtag-affiner».

Schweiz: Fast 100000 Nutzer

Twitter wurde 2006 in Kalifornien gegründet, wo es heute noch domiziliert ist. Das Prinzip der Echtzeit-Plattform ist einfach. Als Benutzer loggt man sich ein und kann fortan sogenannte «Tweets» versenden – selbstverständlich nur mit 140 Zeichen. Sehen können diese Tweets diejenigen Twitter-Benutzer, die einem folgen. Der Benutzer selbst kann ebenfalls den Twitterern folgen, die ihn interessieren. Anders als etwa bei Facebook – der erfolgreichsten Social-Media-Plattform – gibt es wenig Möglichkeiten, sein Profil zu individualisieren oder anderen Inhalt zu teilen als eben die berühmten 140 Zeichen.

Guy Morin: @moringuy Er ist das einzige Basler Regierungsmitglied, das aktiv twittert. Guy Morins Account ist eng mit dem Facebook-Profil verknüpft. Fast alle Mitteilungen, die auf Facebook geteilt werden, landen auch in verkürzter Form auf Twitter. Morin selbst sagt, dass er sich ungefähr zwei Mal pro Woche einloggt. Dadurch ist er nicht sonderlich aktiv. Trotzdem bemüht er sich, Twitter als Zweiwegmedium zu nutzen. Er antwortet auf Tweets, die an ihn gerichtet sind, folgt etwa 330 Personen. Morin hat nach aktuellem Stand 820 Follower.

Guy Morin: @moringuy Er ist das einzige Basler Regierungsmitglied, das aktiv twittert. Guy Morins Account ist eng mit dem Facebook-Profil verknüpft. Fast alle Mitteilungen, die auf Facebook geteilt werden, landen auch in verkürzter Form auf Twitter. Morin selbst sagt, dass er sich ungefähr zwei Mal pro Woche einloggt. Dadurch ist er nicht sonderlich aktiv. Trotzdem bemüht er sich, Twitter als Zweiwegmedium zu nutzen. Er antwortet auf Tweets, die an ihn gerichtet sind, folgt etwa 330 Personen. Morin hat nach aktuellem Stand 820 Follower.

Screenshot Twitter

Eine Frage wird immer wieder gestellt: «Wozu?» In der Twitter-Gemeinde kursiert deshalb das Bonmot: «Twitter einem Facebook-Nutzer zu erklären, ist wie Facebook einem Nicht-Internet-Nutzer zu erklären: Man versteht es nicht, wenn man es nicht kennt.» Twitter dient dem Meinungsaustausch. Es hat sich als Ansichts- und Informationsplattform etabliert. Politikberater Balsiger: «Facebook hat in der Schweiz die 3-Millionen-Grenze geknackt. Twitter hat hingegen zwischen 90000 und 100000 Benutzer.»

Trotz dieses enormen Rückstands hat Twitter einen grossen Einfluss auf die öffentliche Diskussion. Mark Balsiger begründet das folgendermassen: «Auf Twitter sind Multiplikatoren aktiv: Politiker, Prominente und Journalisten. Das schafft Aufmerksamkeit.»

Susanne Leutenegger: @susanneslo Die Baselbieter SP-Nationalrätin ist eine der aktivsten Twitter-Nutzer der Region. Sie braucht das Medium vor allem, um Politik zu machen und ihre eigenen Anliegen zu vertreten. Auf Diskussionen tritt sie nicht gross ein. Das zeigt sich daran, dass sie 940 Follower hat, aber selbst nur 60 folgt. Ein Grund, weshalb trotzdem so viele Leute ihrem Account folgen, ist ihr pointierter Stil. In scharfen Worten kommentiert sie aktuelle politische Ereignisse. Das hat durchaus einen gewissen Unterhaltungswert, auch wenn man ihre Meinung nicht teilt.

Susanne Leutenegger: @susanneslo Die Baselbieter SP-Nationalrätin ist eine der aktivsten Twitter-Nutzer der Region. Sie braucht das Medium vor allem, um Politik zu machen und ihre eigenen Anliegen zu vertreten. Auf Diskussionen tritt sie nicht gross ein. Das zeigt sich daran, dass sie 940 Follower hat, aber selbst nur 60 folgt. Ein Grund, weshalb trotzdem so viele Leute ihrem Account folgen, ist ihr pointierter Stil. In scharfen Worten kommentiert sie aktuelle politische Ereignisse. Das hat durchaus einen gewissen Unterhaltungswert, auch wenn man ihre Meinung nicht teilt.

Screenshot Twitter

Zu wenig Wähler twittern

Dass Twitter in der Region Basel ein Medium ist, wo sich vor allem Politiker und Journalisten austauschen – also Leute, die sonst schon oft miteinander zu tun haben – bestätigen die hiesigen Twitter-Nutzer. Der neu gewählte Basler SVP-Grossrat Joël Thüring sagt: «Es wird von einem Kreis von Bekannten genutzt. Bei den Wählern ist es noch zu wenig verbreitet.» Thüring würde sich wünschen, mehr via Twitter mit Wählern Diskussionen führen zu können. «Momentan sind es noch die Journalisten, die die Twitter-Inhalte an die Wähler herantragen.»

Trotzdem ist Twitter für den Basler Regierungspräsidenten Guy Morin ein Mittel zur Demokratisierung der Informationen. Er selbst verschickt in seinen Tweets oft Auszüge aus seinen Reden. Und das Interesse daran ist gross: «Ich gewinne laufend Follower», sagt Morin. Im Moment hat er 820.

Beat Jans – der Twitter-Verachter

Eine negative Erfahrung machte die – ebenfalls neu in den Grossen Rat gewählte – SP-Politikerin Sarah Wyss. Sie nahm auf Twitter an einer Diskussion um die Forderung von SVP-Schweiz-Präsident Toni Brunner nach geschlossenen Lagern für Asylbewerber teil. Auf die Frage, welche Minderheit als Nächstes in Lager gesteckt werden soll, antwortete sie: «Ich hoffe, solch rassistische und menschenverachtende Leute wie Brunner.» Das löste umgehend einen Sturm der Entrüstung in den Medien aus und Wyss kehrte Twitter den Rücken. «Ich bedaure, dass Twitter-Nachrichten so kurz sind. Man kann sich nicht genau ausdrücken», sagt sie. Trotzdem ist Wyss seit letztem Freitag wieder aktiv. Weshalb? «Man ist schnell und weltweit vernetzt. Das ist enorm praktisch.»

News aus Basel: @kanalbs Ein Ostschweizer, der die Region auf dem Laufenden hält: Das ist der Twitter- Account Kanal Basel. Der St. Galler Webdesigner Thierry Hinder hat den Überblick über die wichtigsten Nachrichten-Websites der Region Basel und twittert laufend die Links zu den aktuellen Artikeln, die hochgeladen werden. Er selbst twittert auch unter dem Namen @puyol5. Zwar gehen zwischendurch interessante Artikel vergessen, aber nichtsdestotrotz ist Kanal Basel ein guter Service - zumal gratis. Aktuell hat dieser Account 691 Follower.

News aus Basel: @kanalbs Ein Ostschweizer, der die Region auf dem Laufenden hält: Das ist der Twitter- Account Kanal Basel. Der St. Galler Webdesigner Thierry Hinder hat den Überblick über die wichtigsten Nachrichten-Websites der Region Basel und twittert laufend die Links zu den aktuellen Artikeln, die hochgeladen werden. Er selbst twittert auch unter dem Namen @puyol5. Zwar gehen zwischendurch interessante Artikel vergessen, aber nichtsdestotrotz ist Kanal Basel ein guter Service - zumal gratis. Aktuell hat dieser Account 691 Follower.

Screenshot Twitter

Mit dem Basler SP-Nationalrat Beat Jans hatte Wyss wegen Twitter schon leidenschaftliche Diskussionen. Jans lehnt Twitter grundsätzlich ab: «Auf Twitter finden Diskussionen statt, die der Politik langfristig schaden», sagt er. Politiker sollten seriös an ihren Themen arbeiten und nicht alles immer kommentieren. Leider hätten die Politiker gemerkt, dass Journalisten auf Tweets reagieren. Als Beispiel nennt er den Zürcher Grünen-Nationalrat Bastien Girod: «Der kommentiert auf Twitter alles. Das steigert vielleicht die Aufmerksamkeit für ihn, aber sicher nicht seine politische Leistung.»

Mark Balsiger erwidert: «Twitter bietet den grossen Vorteil, dass man Rückmeldungen geben kann.» Fühlt sich ein Politiker von einem Journalisten falsch verstanden, kann er dies in einem Tweet offenlegen. Deshalb: «Twitter schafft Transparenz.»

Apropos: Dieser Artikel ist genau 4939 Zeichen lang.

Facebook und Twitter – das ist der Unterschied

Kurz erklärt Im Internet kursiert eine Erklärung verschiedener sozialer Netze, die es zu einiger Berühmtheit gebracht hat: In jeweils einem Satz werden Twitter, Facebook, Youtube und andere Services erklärt. Für Twitter lautet die Erklärung: «Ich muss pinkeln.» Facebook: «Ich habe gepinkelt.» Youtube: «Schau mal, wie ich pinkle.» Linked-In: «Ich bin gut im Pinkeln.» Alles klar?

Die Erklärung mag witzig gemeint sein, sie bringt die Unterschiede auf den Punkt. Twitter ist so etwas wie der Telegrammdienst des Internets: Auf gerade einmal 140 Zeichen melden die Teilnehmer, was sie gerade beschäftigt. Das kann eine wichtige Nachricht oder ein Hinweis auf einen interessanten Artikel im Internet sein, es kann sich auch um einen blossen Gruss handeln oder die Meldung, wie das Gipfeli grad schmeckt. Twitter handelt von der Gegenwart, die Meldungen drehen rasch und sind ebenso rasch wieder vergessen.

Facebook ist Träger und funktioniert mehr wie ein öffentliches Tagebuch. Böse Zungen sagen, dass sich auf Facebook tagsüber vor allem junge Mütter treffen, welche die neusten Schnappschüsse ihrer Krabbelkinder austauschen. Das ist natürlich stark übertrieben: Die Palette reicht durchaus vom Tortenrezept bis zur Filmrezension. Eines stimmt aber: Facebook ist nicht mehr einfach das Medium der Jungen. Mittlerweile nutzen alle Altersschichten in der Schweiz Facebook - und das führt zuverlässig dazu, dass Teenager Facebook langsam, aber sicher meiden. Die Gefahr, den eigenen Eltern zu begegnen, ist einfach zu gross geworden. Junge Menschen nutzen häufiger Kommunikations-Anwendungen wie WhatsApp.

Facebook dokumentiert und bebildert im grossen Ganzen das eigene Ich und seine Vergangenheit. Twitter handelt dagegen von der Gegenwart. Im Zentrum stehen kurze Sprüche, Links auf spannende Webseiten und vor allem Nachrichten. Journalisten, Politiker, Sportler und Zuschauer melden auf Twitter Nachrichten in Kurzform.

Verbindungen zu anderen Benutzern stellt man auf Facebook her, indem man sich «befreundet». Dazu müssen beide einverstanden sein. Auf Twitter ist das einfacher: Als Nutzer kann ich jedem Twitterer folgen («followen»). Die Anzahl der «Follower» eines Twitterers zeigt, wie gross sein Publikum ist. Wer einen Beitrag auf Facebook mag, drückt auf das «Daumen hoch»-Symbol und «liked» den Beitrag. Etwas Ähnliches gibt es auch auf Twitter: Da werden Beiträge favorisiert, im Slang heisst das, sie werden «gefavt». (zdr)