Umbau
15 Jahre für einen Postparc für Basel

Die Bahnhofpost wird mittelfristig komplett umgebaut. Gesucht sind Zwischennutzer – dabei sollte das Gebäude neuer Standort für das SRG-Studio werden.

Christian Mensch
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Entwicklungsprojekt Post.Kenneth Nars

Entwicklungsprojekt Post.Kenneth Nars

Es hätte das Vorzeigeprojekt von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) werden sollen: Die Zusammenlegung aller Kulturredaktionen in ein vollkonvergentes, trimediales Studio für Radio, Fernsehen und Online. Als Standort dafür ist seit 2011 das rostrote Postgebäude beim Bahnhof gesetzt. Nur umfangreiche technische Abklärungen hätten bisher eine Vertragsunterzeichnung verhindert, heisst es seit Monaten. Und auf Nachfrage: Die Abklärungen seien auf der Zielgeraden.

Doch dem scheint nicht so. Post-Sprecher Oliver Flüeler bestätigt gegenüber der «Schweiz am Sonntag», dass zumindest bei der Post die Planungsarbeiten erst richtig an die Hand genommen werden. Analog zum grossen Postgebäude beim Berner Bahnhof wolle man auch die Basler Bahnhofspost grundlegend sanieren und städtebaulich entwickeln. In Bern werden seit 2011 rund 300 Millionen Franken in die Umwandlung der einstigen Schanzenpost in ein «urbanes Zentrum» (Eigenwerbung) mit Ladenlokalen, Büros und Hotel investiert. Die zeitweise grösste Baustelle Berns soll 2015 geschlossen werden können. Ein ähnliches Grossprojekt ist nun auch für Basel angedacht.

Dauer: Bis zu 20 Jahren

Der Post ist nicht entgangen , dass die in Gang gesetzte Aufwertung der Nauenstrasse den Wert ihrer Liegenschaft erheblich erhöht. Gleich gegenüber wird das Hotel Hilton neu gebaut, schräg gegenüber entsteht der neue Firmensitz der Oettinger/Davidoff-Gruppe und aufs Grosspeter-Areal kommen Hotels. In diesem Umzug will die Post mithalten und diese «städtebauliche Chance» nutzen, wie Flüeler sagt.

Die Projektentwicklung für die Basler Hauptpost wird Jahre in Anspruch nehmen. Flüeler geht davon aus, dass es zwischen 15 und 20 Jahre bis zu einem Abschluss der Arbeiten dauern könne. Denn das Beispiel Bern habe gezeigt, dass eine sehr komplexe Planung mit vielen Partnern nötig sei.

Flüeler sagt, die Post suche in diesem «städtebaulich hochsensiblen Umfeld» eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt Basel. Diese ist mit diesem Gebiet gleich mehrfach beschäftigt. Angefangen von der Umgestaltung des Bahnhofplatzes, die sich mit dem Hilton-Neubau ergibt, über eine Erweiterung des Gleisfeldes um einen Strang, der Erhöhung der Peter-Merian-Brücke bis zur langfristigen Verkehrsentlastung der Nauenstrasse durch den Gundeli-Tunnel.

Die Post nimmt in Kauf, dass das Riesengebäude bis zu den grossen Umbauarbeiten teilweise leer stehen wird. «Wir suchen Mieter für eine Zwischennutzung», sagt Flüeler – als «Zwischennutzer» hat sich die SRG bisher allerdings nicht verstanden. Recherchen konnten nicht abschliessend erhellen, inwieweit die SRG nun von der Entwicklung überrascht wird. Denn einerseits liegt es durch die Veränderung des Umfeldes auf der Hand, dass die Post eine strategische Neubeurteilung ihres sanierungsbedürftigen Gebäudes vornimmt. Andererseits ist nach Auskunft der SRG-Generaldirektion den hauseigenen Immobilienspezialisten nicht bekannt, dass sich die Post grundlegende Gedanken zum Gebäude mache. Dies sei in den Gesprächen kein Thema, heisst es.

SRF sitzt auf gepackten Koffern

Bereits im November 2011 sagte SRFDirektor Hans-Rudolf Matter vor der Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesellschaft, die Kulturabteilung sitze auf «gepackten Koffern». Doch von Eile ist nichts zu bemerken. Auffällig nachsichtig zeigt sich SRF gegenüber den Verspätungen zum Fahrplan. Gründe dafür gibt es genügend: Die SRG verfügt auf dem Bruderholz über ein funktionierendes Studio und müsste für einen Umzug massiv in den Umbau und Ausbau investieren. Die Belegschaft hätte teilweise den Arbeitsplatz von Zürich nach Basel zu verlagern, was auf wenig Begeisterung stösst. Und das Hauptargument, Basel pionierhaft zum ersten vollkonvergenten Studiostandort auszubauen, ist hinfällig geworden. Denn die Konvergenz-Euphorie ist verflogen.

Alternativen hat SRF allerdings in der Stadt keine. Auch das zuständige Basler Wirtschaftsdepartement geht deshalb davon aus, dass es zur Einigung mit der Post kommen wird. Namhafte Vorleistungen wurden erbracht. Machbarkeitsstudien erstellt und architektonische Landschaften gezeichnet.

Immerhin: Als feste «Zwischennutzer» im neuen Basler Postparc könnten die SRF-Kulturabteilungen vollkonvergent, jahrelang und live über den Fortschritt der Bauarbeiten berichten.