Jubiläumsbuch

«150 Jahre Schiesser»: Erste Einblicke in das reich illustrierte Buch zum Jubiläum der Traditions-Confiserie

Zum Jubiläum der Confiserie Schiesser wird ein Buch veröffentlicht.

Zum Jubiläum der Confiserie Schiesser wird ein Buch veröffentlicht.

Das Jubiläumsbuch «150 Jahre Schiesser» erscheint in wenigen Tagen – wir zeigen einen exklusiven Vorabblick ins reich illustrierte Buch.

Es wird ein Fest geben. Irgendwann, wenn sie vorbei ist, die Pandemie. Die gerade so viele Anlässe aus dem Kalender schubst. Auch das Fest zum 150-jährigen Jubiläum der Confiserie Schiesser am Marktplatz 19, exakt vis-à-vis des Rathauses gelegen. «Es ist eine schwierige Zeit. Aber wir schaffen das,» sagt Stephan Schiesser, der Patron. Und wenn er das sagt, ist das kein leeres Geschwätz, sondern es hat Biss.

Hat seit Jahren seinen unverrückbaren Platz im Stadtbild: das Schiesserhaus am Marktplatz, um 1920.Bild: Denkmalpflege Basel-Stadt, Fotograf unbekannt

Hat seit Jahren seinen unverrückbaren Platz im Stadtbild: das Schiesserhaus am Marktplatz, um 1920.Bild: Denkmalpflege Basel-Stadt, Fotograf unbekannt

Das wiederum ist charakteristisch für seine Familie, die Schiessers, die sich trotz Widrigkeiten wie zwei Weltkriegen, der spanischen Grippe und diversen Weltwirtschaftskrisen mit vorwiegend süssen Leckereien – etwa dem «Schoggi S», den Macarons, den Pralinés oder den Kirschstängeli – seit vier Generationen im Herzen Basels halten.

Touristen bleiben aus

Und jetzt auch noch Corona. Harte Zeiten, die Stephan Schiesser, seiner Familie und den Mitarbeitern unheimlich viel abverlangen, wie so vielen Gastronomen. Die Touristen bleiben aus, die so wichtig sind für das Geschäft. Denn in jedem anständigen Reiseführer zu Basel wird der altehrwürdige Tea Room und das «Rathstübli» im ersten Obergeschoss am Marktplatz 19 als Highlight erwähnt – seit 1910 ist das Interieur von Laden und Café weitgehend im Original erhalten geblieben.

Ein klassisches Familienunternehmen

Ein bisschen Grund zur Freude gibts für die Schiessers trotzdem. In wenigen Tagen erscheint das aufwendig recherchierte und reich illustrierte, vom Kunsthistoriker Dieter Pfister verfasste Buch «150 Jahre Schiesser», das die Geschichte eines durch und durch klassischen Familienunternehmens erzählt. Das Erbe des aus St. Gallen zugezogenen und aus dem Glarnerland stammenden Rudolf Schiesser, der 1870 seine Ausbildung zum Konditor abschliesst, am 10. Februar 1873 die Liegenschaft am Marktplatz 15 kauft und sein erstes Geschäft samt Zuckerbäckerei eröffnet.

Schiesser’s Strassencafé am Marktplatz.  Bild: Niko Makris

Schiesser’s Strassencafé am Marktplatz. Bild: Niko Makris

In einem Basel, das gerade unaufhaltsam wächst, wo Firmen wie der Basler Bank-Verein oder Fritz Hoffmann- La Roche gegründet werden. In einer Zeit, als die Kaffeehauskultur zu einem wichtigen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens wird und sich das Basler Stadtbild mit der Vergrösserung des Marktplatzes gen Nord und West nachhaltig verändert.

Mit ihnen fing alles an: Rudolf und Elise Schiesser, um 1890. Bild: Archiv Familie Schiesser

Mit ihnen fing alles an: Rudolf und Elise Schiesser, um 1890. Bild: Archiv Familie Schiesser

Paul Schiesser beim persönlichen Ausliefern einer Hochzeitstorte im Jahr 1963. Bild: Archiv Familie Schiesser

Paul Schiesser beim persönlichen Ausliefern einer Hochzeitstorte im Jahr 1963. Bild: Archiv Familie Schiesser

Das Fest wird nachgeholt

Unter Rudolfs Sohn Hans wird das Schiesserhaus neu gebaut und mit neogotischen Motiven an der Fassade zu einem Ebenbild des Rathauses. Die Confiserie lässt er um ein Café und den Tea Room im ersten Stock erweitern, um der Konkurrenz Herr zu werden. Risikoreiches Unternehmertum, das sich über die Jahre bewährt hat. 

Das «Rathstübli» im ersten Stock. Nur wenig ist hier seit dem Neubau von 1915 verändert worden. Für die Innenarchitektur verantwortlich zeichnete Heinrich Flügel. Bild: Niko Makris

Das «Rathstübli» im ersten Stock. Nur wenig ist hier seit dem Neubau von 1915 verändert worden. Für die Innenarchitektur verantwortlich zeichnete Heinrich Flügel. Bild: Niko Makris

Doch eigentlich ist es einer Frau zu verdanken, dass der Name Schiesser noch heute das kulinarische Basel prägt. Als Hans 40-jährig an der Spanischen Grippe stirbt, führt seine Frau Clara das Geschäft entschlossen weiter, hält es trotz eines Weltkriegs am Leben. Nach ihrem Tod 1951 übernimmt Sohn Paul, seinerseits Vater von Ruedi und eben Stephan Schiesser, der nun sagt: «Sehen Sie, diese bewegte Geschichte muss doch gefeiert werden. Wir holen das nach, Sie haben mein Wort.»

Hinweis

Dieter Pfister-Garcia Barrio: 150 Jahre Schiesser. Ab 20. November 2020 bei Bider und Tanner sowie bei Schiesser am Marktplatz für 15 Franken erhältlich.

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