Basler Strafgericht

17-jährige Heimbewohnerin vergewaltigt: Teilbedingte Strafe sowie Landesverweis für 41-Jährigen

Der Vorfall geschah im Juli 2020 und war ein klassisches Vier-Augen-Delikt ohne Zeugen: Der heute 41-jährige Mann vergewaltigte spätnachts in seinem Schlafzimmer im Basler Gotthelf-Quartier eine damals 17-jährige Frau. (Symbolbild)

Der Vorfall geschah im Juli 2020 und war ein klassisches Vier-Augen-Delikt ohne Zeugen: Der heute 41-jährige Mann vergewaltigte spätnachts in seinem Schlafzimmer im Basler Gotthelf-Quartier eine damals 17-jährige Frau. (Symbolbild)

Das Basler Strafgericht verurteilt den 41-jährigen Beschuldigten zu einer teilbedingte Strafe. Er vergewaltigte eine junge Frau.

«Es gibt Zweifel. Diese müssen sich zugunsten meines Mandanten auswirken, nicht zugunsten der Privatklägerin», betonte Verteidiger Christoph Balmer am Montag im Basler Strafgericht in seinem Plädoyer. Der Vorfall geschah im Juli 2020 und war ein klassisches Vier-Augen-Delikt ohne Zeugen: Der heute 41-jährige Mann vergewaltigte spätnachts in seinem Schlafzimmer im Basler Gotthelf-Quartier eine damals 17-jährige Frau.

Die beiden hatten sich wenige Tage zuvor kennen gelernt, die Frau lebte vorübergehend in einem Heim und war psychisch angeschlagen. Am ersten Abend begleitete der Mann die Frau abends zurück ins Heim, doch sie kam zu spät, als Strafe wurde ihr dort deshalb das Mobiltelefon abgenommen. Am nächsten Tag nahm sie daher dankbar das Angebot des 41-Jährigen an, bei ihm übernachten zu dürfen. Sie schlief im Bett, er auf dem Sofa. Einen Tag später übernachtete sie erneut bei ihm, nun aber zwang sie der kräftig gebaute Mann spätnachts zu Sex.

Beschuldigter im Nebenraum während Befragung der jungen Frau 

Gegenüber der Polizei gab der Mann zuerst an, es habe keine sexuellen Handlungen gegeben, änderte dann aber nach der Konfrontation mit DNA-Spuren seine Version und sprach von einvernehmlichem Sex. Der Verteidiger meinte, dies sei das erste Strafverfahren seines Mandanten gewesen, er sei damals mit der Einvernahme um fünf Uhr morgens überfordert gewesen. Es sei eher anzunehmen, dass die junge Frau ihrem damaligen Freund lediglich nicht sagen wollte, dass sie ihn mit einem 41-Jährigen betrogen habe.

Die 17-jährige Frau sagte am Montag erneut vor dem Strafgericht aus. Da sie keine direkte Konfrontation mit dem Beschuldigten wünschte, musste er während der Befragung in einen Nebenraum. Bei dieser sogenannten indirekten Konfrontation hat indes der Verteidiger das Recht, kritische Fragen zu stellen, was Anwalt Christoph Balmer auch ausgiebig nutzte.

Richter sprechen Landesverweis aus

Für das Urteil nützte es allerdings nichts: Die drei Richter hatten keine Zweifel an der Schuld, sie verurteilten den Angeklagten zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren wegen Vergewaltigung. Davon muss er zwölf Monate absitzen, die restlichen zwei Jahre werden zur Bewährung ausgesetzt. Der Mann sitzt bereits seit einem halben Jahr wegen Fluchtgefahr in Haft.

Gerichtspräsident Lucius Hagemann sagte in der Urteilsbegründung, kleinere Widersprüche der Frau in Nebenpunkten hätten ihrer Glaubwürdigkeit keinen Abbruch getan. Die verschiedenen Versionen des Angeklagten über den Ablauf in jener Nacht hingegen wirkten unglaubwürdig.

Richter sahen keinen Härtefall und verhängten Landesverweis

Der Verurteilte ist portugiesischer Staatsbürger und in Basel aufgewachsen, verbrachte aber viele Jahre in Portugal, lebt erst seit 2012 wieder in der Schweiz und arbeitet auf dem Bau. Seine Frau lebt mit einem Sohn im Ausland. Die drei Richter sahen deshalb keinen Härtefall und verhängten zusätzlich einen Landesverweis von acht Jahren.

Staatsanwältin Alexandra Frank hatte eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten sowie einen Landesverweis von zwölf Jahren gefordert. Opfervertreterin Miriam Riegger hatte eine Genugtuung von 10'000 Franken beantragt, das Gericht kürzte die Summe auf 6'000 Franken. Das Urteil kann an das Appellationsgericht weitergezogen werden.

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