«Ein Drittel Frauen scheint aus verfassungsrechtlicher, demokratischer und wirtschaftlicher Perspektive vertretbar», sagte Brigitta Gerber, Grossrätin (GB). Sie ist die Absenderin der Motion für die Quote, die der Grosse Rat im September beschlossen hat, und gegen die bürgerlicher Jungparteien erfolgreich das Referendum ergriffen haben. Innert kurzer Frist haben 600 Personen dem Pro-Komitee Unterstützung zugesichert.

Qualifikation ja, aber nicht nur

Überzeugen will das Komitee mit vielfältigen Argumenten, zum Beispiel wirtschaftlichen. In Zeiten des Fachkräftemangels sei es unverständlich, auf die vom Staat für teures Geld ausgebildeten Frauen zu verzichten, sagte Georgia Bross, Co-Präsidentin der Business and Professional Women Basel. SP-Fraktionspräsident Steffi Lüthi fand, es falle vielen Männern eher schwer, Macht abzugeben. Und: «Quoten sind ein Mittel, eine Krücke.»

Tonja Zürcher (BastA) rechnete vor, dass es ohne Quote noch rund 60 Jahre dauert, bis sich die Geschlechterverhältnisse in Führungsgremien ausgleichen.

Das Argument, die Qualifikation solle entscheiden, nicht das Geschlecht, entkräftete Beda Baumgartner (Juso): «Ginge es nur um Qualifikationen, wären die Frauen nicht dermassen untervertreten in diesen Gremien.» Und: «Es geht darum, mit der Quote die Spiesse kompetenter Frauen gleich lang zu machen.» Und Laura Schwab (Junges Grünes Bündnis Nordwest) äusserte sich sehr persönlich: «Ich wünsche mir als junge Frau mehr Vorbilder.»

Wirkungsbereich wäre begrenzt

Ob der Voten für die Quote ging beinahe vergessen, für wen diese gelten wird. Beschlossen hat der Grosse Rat, das Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über die Gleichstellung zu ändern. Verankert werden soll eine Quotenregelung für die Verwaltungsräte und andere Strategie- und Aufsichtsorgane von öffentlich-rechtlichen und öffentlichen Unternehmen im Kanton Basel-Stadt. Das Ziel ist, dass in jedem dieser Gremien mindestens ein Drittel Frauen und ein Drittel Männer vertreten sind.

In den Geltungsbereich fallen 18 Unternehmen. Alle Aufsichts- und Strategieorgane dieser Unternehmen haben insgesamt 170 Sitze. Rund 83 Prozent der Posten besetzen Männer, 17 Prozent in Frauen. In etlichen der Gremien sitzt keine Frau, etwa im Verwaltungsrat des Euro-Airport oder der Basler Personenschifffahrts-Gesellschaft. Um die Drittels-Frauenquote zu erreichen, müssten bei Neu- und Ersatzwahlen 27 Frauen gewählt werden.

100 bis 120 Sitze bestellen die Räte

Allerdings: Die Geschlechterquote würde nur für die Sitze gelten, die der Grosse Rat oder der Regierungsrat selber besetzen. Das wären laut Tonja Zürcher rund 100 bis 120. «Da nicht alle Gremien fixe Mitgliederzahlen haben, lässt sich das nur schätzen.» Zum Beispiel besetzen der Grosse Rat und die Regierung bei den Basler Verkehrsbetrieben je drei der acht Sitze. Auf die beiden anderen, hat der Kanton keinen Einfluss. Keinen Einfluss hat die Quotenregelung auch auf die Sitze anderer Kantone, des Bundes oder gar ausländischer Partner wie im Falle des Euro-Airport.

Die Befürworterinnen und Befürworter hoffen indes auf eine Vorbildfunktion: «Es geht um die Symbolik», sagt Brigitta Gerber, Basel-Stadt könne als Vorbild für andere, also andere Kantone oder private Unternehmen, wirken.