Das Chaos war gross an jenem Freitagabend im April 2015: Der Verkehr rund um den Basler Theaterplatz war stundenlang gesperrt, Restaurants, Kinos und das Parking wurden evakuiert, Theatervorstellungen verschoben.

Der Alarm ging gegen 16 Uhr ein, erst rund vier Stunden später gab das Bombenentschärfungsteam des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich die definitive Entwarnung.

Am Dienstag beginnt nun im Basler Strafgericht der Prozess gegen die 19-jährige Deutsche aus der Region Trier, die zusammen mit ihrem jüngeren Freund damals die Bombenattrappe beim Tinguely-Brunnen hingelegt hat.

Der Freund war zum Zeitpunkt der Tat erst 16 Jahre alt, er ist bereits im letzten Dezember vom Basler Jugendgericht wegen Schreckung der Bevölkerung und falschen Alarmes verurteilt worden. Zuerst sass er in Untersuchungshaft, wurde dann in der Psychiatrie abgeklärt und schliesslich vom Gericht in einem geschlossenen Heim untergebracht.

Wenige Tage vor der Aktion am Theaterplatz hatte er bereits versucht, die neue Partnerin seines Vaters mit einer Bombenattrappe zu erschrecken. In sozialen Netzwerken inszenierte er sich seit langem als vermögender Jetsetter.

Die Frau hingegen war zum Tatzeitpunkt bereits 18 Jahre alt und wird damit strafrechtlich als Erwachsene behandelt, auch sie wurde am Sonntag nach der Bombendrohung festgenommen und sass über vier Wochen in Untersuchungshaft.

Wessen Idee war die Koran-Seite?

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Freund die Drähte im relativ kleinen Paintball-Koffer nach Vorlagen aus diversen Webseiten bastelte, die Frau brachte die Attrappe schliesslich begleitet von ihrem Freund zum Theaterplatz.

Von ihm wiederum stammte wohl die Anweisung, eine Seite aus einer deutschen Koran-Übersetzung herauszureissen und eine Stelle mit Leuchtstift zu markieren. Wer bei der Idee führend gewesen war, dürfte wohl die Hauptfrage am Prozess sein.

Als die Bombe «gelegt» war, prahlten sie zuerst bei einem Bekannten in einem Geschäft in der Steinenvorstadt von ihrer Tat, um eine halbe Stunde später festzustellen, dass sich noch nichts getan hatte.

Als ein Passant den Koffer öffnete und die Polizei alarmierte, mischten sie sich zuerst neugierig ein, verschwanden dann aber für drei Stunden ins Hotel Drei König an der Schifflände. Danach guckten sie wieder eifrig zu, bis sich die Sache am späten Abend aufgelöst hatte und die Absperrungen wieder abgebaut wurden.

Störung der Glaubensfreiheit

Dass die Staatsanwaltschaft die Frau wegen Schreckung der Bevölkerung sowie wegen falscher Alarmierung anklagt ist die logische Folge. Doch man geht noch weiter: Die Frau habe mit einer öffentlichkeitswirksamen Berichterstattung gerechnet, und damit auch mit pauschalen Verdächtigungen gegen Muslime.

Sie habe damit auch «Ideologien veröffentlicht, die auf Verleumdung der Glaubensrichtung der Islamischen Gemeinschaften abzielten und eine solche Diskriminierung zum Ziel hatten», schreibt die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift.

Die Frau hatte kurz zuvor auch eine Koranverbrennung auf Video aufgenommen, ihr junger Freund veröffentlichte es unter falschem Namen auf Youtube. Die Anklage lautet deshalb auch auf mehrfache Rassendiskriminierung sowie auf Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit.

Der Fall wird von einem Einzelrichter behandelt, womit das maximale Strafmass auf zwölf Monate beschränkt ist. Staatsanwalt Camilo Cabrera hat bereits schriftlich eine bedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten verlangt. Das Urteil fällt am Dienstag.