20. Jubiläum
Heimliche Turtelei am Vertikalseil im Palazzo Colombino

Das Variététheater Palazzo Colombino feiert sein zwanzigjähriges Bestehen. Am Sonntag war Premiere.

Tanja Opiasa-Bangerter
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Artistik zum Dinner: Julia Turkeev an den Strapaten.

Artistik zum Dinner: Julia Turkeev an den Strapaten.

Bild: zvg/Tobias Sutter

Ein Teller fällt klirrend zu Boden. Vom Licht des Scheinwerfers überrascht zupft der Koch verlegen seine Mütze zurecht und streicht einer Kellnerin die Haarsträhne aus dem Gesicht. Der Duft von brennenden Kerzen liegt in der Luft des Spiegelzelts. In luftigen Höhen wirbelt das zuvor ertappte Küchenpersonal, am Vertikalseil. In Pendelbewegungen erzählen die Körper des ukra­inische Strapaten-Duos Julia und Dima Turkeev an der ausverkauften Premiere des diesjährigen Palazzo Colombino von Verlangen und Verlust.

Die 20. Ausgabe des Basler Gourmet-Theaters vereint unter der Regie von Moritz Haug Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Artistik und Clownerie mit hochstehender Kulinarik. Trotz des mehrheitlich expressiven Varietécharakters schafft es die Jubiläums­ausgabe, das Publikum nicht ­zuletzt dank melancholischer Zwischentöne und feiner Komik in ihren Bann zu ziehen. «Es ist nichts mehr, wie es war», räumt Thomas Dürr von Act ­Entertainment mit Blick auf die fünfte Pandemiewelle ein, die den Palazzo-Produzenten erneut vor eine ungewisse Zukunft stellt. Als einziges Varieté­theater der Schweiz sei das Palazzo ­Colombino seinem Qualitäts­anspruch auch in dieser Zeit treu geblieben. «Das hat seinen Preis», betont Dürr, der mit ­Peter Moser und Claudio Stöckl zwei hoch­karätige Köche für das 4-Gänge-­Menu verpflichten ­konnte.

Komische Rosenkavaliere und poetische Jonglage

Mit Slapstick und Situations­komik suchen derweil Bernhard Altfeld und Ralf Hafner als ­humoristische Rosenkavaliere nach der Frau für die Rose. Das gegensätzliche Komikerduo ­stehe das erste Mal seit einem Jahr wieder auf der Bühne, betont Hafner sichtlich zufrieden. «Wir wollen es unseren Gästen ermöglichen, alles um sie herum zu vergessen», betont auch der Produzent Clemens Zipse, der auf spektakuläre und berührende Nummern setzt. Nicht zu kopflastig und umso professioneller müssen sie sein, die internationalen Artistinnen und Artisten, so Zipse.

Die Jess Dancers servieren den nächsten Gang in paillettenbesetzten Kostümen. Ferien­feeling bringt auch der Jongleur Alexander Koblykov mit seiner poetischen Jonglage in die Manege – scheinbar mühelos fängt er einen Ball nach dem anderen in seiner Matrosenkappe.

Treffsichere Kontorsions- und explosive Kampfkunst

Dann folgt die Darbietung der italienischen Kontorsions-Künstlerin Sheyen Caroli, die einen Pfeilbogen mit ihren Füssen abschiesst, sowie die exp­losive Kampfkunst von Jo und Karel Sali. Die Brüder aus einer italienischen Zirkusdynastie inszenieren sich mit nassen Haaren am Schlagzeug. Nach der ­rasanten Hula-Hoop-Nummer von Igor Boutorine, angeblich eines der wenigen männlichen Artisten dieser Disziplin, steht schliesslich ein Reck inmitten der Dinner-Tische. «Palazzo», rufen vier Gäste am Nach­bartisch zum inszenierten Abdecken des Hauptgangs.

Mit nassen Haaren am Schlagzeug: Jo und Karel Sali.

Mit nassen Haaren am Schlagzeug: Jo und Karel Sali.

Bild: zvg/Tobias Sutter

Das Magnesium stäubt von den Reckstangen. Aus dem Off ertönt ein portugiesisches Lied. In einer zeitgenössischen Choreografie turnt der russische Gymnastik-Meister Sergey Rokashkow mit seiner Partnerin am Reck die Höhen und Tiefen einer Liebesbeziehung nach. Diese in intimem Setting mit dem Publikum zu teilen, sei eine wertvolle Erfahrung, betonen beide.

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