Stadtentwicklung

200 Wohnungen und ein Musical-Theater: Das steckt hinter dem Deal von Basel mit der Messe

Blick auf den nördlichen Zipfel des Basler Messe-Areals, wo die Stadt zwei Gebäude aufgekauft hat. (Archivbild)

Blick auf den nördlichen Zipfel des Basler Messe-Areals, wo die Stadt zwei Gebäude aufgekauft hat. (Archivbild)

Basel-Stadt kauft der MCH Group AG zwei Gebäude ab: Das Musical Theater und die Messehalle 3. Diese soll in den kommenden zehn Jahren abgerissen und durch Wohngebäude ersetzt werden. Die Verantwortlichen des Kantons rechnen mit einem Potenzial von bis zu 200 Wohnungen am Nordspickel des Basler Messe-Areals.

Das kam schneller als erwartet. Gestern gab die Basler Regierung bekannt, dass die Einwohnergemeinde der Stadt Basel der wirtschaftlich angeschlagenen MCH Group AG die in die Jahre gekommene Halle 3 am Riehenring abkauft. Im gleichen Zug erwirbt sie das Musical Theater Basel. Damit gehen die Bauten am nördlichsten Teil des Basler Messegeländes an die Stadt über. Der Kaufpreis bewegt sich laut Rolf Borner, Geschäftsleiter von Immobilien Basel-Stadt, im tiefen einstelligen Millionenbereich. Dies, weil die Grundstücke bereits der Stadt gehören. Die MCH Group AG hielt sie bislang im Baurecht.

Auf dem Areal der Halle 3 sollen nun neue Wohnungen entstehen. «Das passt ideal in das kürzlich vom Regierungsrat genehmigte kommunale Wohnbauprogramm 1000 +.» Dieses sieht vor, durch Eigeninvestitionen im Finanzvermögen zusätzlichen Wohnraum in Basel zu schaffen. Auf dem Areal könnten bis zu 200 Wohnungen entstehen, da laut Zonenplan sechsgeschossig gebaut werden darf.
Obwohl die zwei Gebäude rückwirkend auf 1. Januar 2020 ins Finanzvermögen der Einwohnergemeinde übergehen, wird nicht sofort gebaut. Die Messehalle 3 wird noch bis Ende 2025 von der Messe zurückgemietet. Das verschafft der Stadt Zeit, die Planung für eine Neubebauung der Parzelle im Finanzvermögen voranzutreiben.

Musical Theater hat grossen Sanierungsbedarf

Offener ist die Zukunft des Musical Theater Basel. Auch dieses hat Basel übernommen, allerdings ohne konkrete Pläne. Vorerst soll es in dieser Form weiterbetrieben werden, Gespräche mit dem für den Betrieb zuständigen Freddy Burger Management hätten stattgefunden, so Borner, «das Haus hat allerdings umfassenden Sanierungsbedarf». Ob und wie die Institution weiterbetrieben wird, ist offen. Erworben wurde die Liegenschaft auch, weil sie baulich mit der Halle 3 verbunden ist und das Gelände der Messe nicht zerstückelt werden sollte.

Dass die Messe erwägt, ihre Hallen wegen Überkapazität zu verkaufen, ist seit vergangenem Jahr bekannt. Dennoch mahnt Unternehmenssprecher Christian Jecker: «Der Verkauf dieser zwei konkreten Liegenschaften ist nicht als Signal für das weitere strategische Vorgehen zu werten.» Sprich: Es handle sich um eine reine Opportunität, also um einen Einzelfall. Entsprechend sagt Borner von Immobilien Basel-Stadt: «Wir stehen mit der MCH Group AG nicht in Verhandlungen über weitere Hallenkäufe.»
Klar hingegen sei, dass die MCH Group AG eine Überkapazität an Hallenflächen aufweist. Entsprechend war die Halle in den vergangenen Jahren immer weniger ausgelastet und vor allem Austragungsort für Gastmessen, also Messen, die nicht von der MCH Group AG selbst organisiert wurden, darunter auch die Designmesse «Blickfang». Entsprechend sagt Jecker: «Der Verkauf der Halle 3 ist eine Win-win-Situation.»

Messe verliert Interesse am Geschäft mit der Bühne

Beim Musical Theater gestaltet sich die Situation etwas anders. Hier war die MCH Group AG zwar Eigentümerin des Gebäudes, der Betrieb lief allerdings gänzlich über das Freddy Burger Management. Mit dem Deal konnte sich die Messe damit aus einem Bereich zurückziehen, der ohnehin nie zum Kerngeschäft des Unternehmens gehört hatte. Dass der Rückzug weiter vorangeht, zeigt sich daran, dass für das ebenfalls zur MCH gehörende Theater 11 in Zürich-Oerlikon ähnliche Gespräche unter Einbezug des Betreibers geführt werden.

Obwohl der Liegenschaftskauf mit den Wohnbauplänen in Basel als politisch opportun betrachtet werden kann, gibt es Kritik am Vorgehen. SVP-Grossrat Joël Thüring kritisierte noch gestern, dass der Grosse Rat nicht in den Hallenkauf miteinbezogen wurde. Thüring wollte per Vorstoss einen allfälligen Hallenkauf seitens Kanton gesetzlich ganz verbieten.

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