Grüne Zettel

2015 war Rekordjahr für den Einkauftourismus

Von Weil (hier der Zoll Friedlingen) bis Singen sind bis zu 150 Zollbeamte mit den grünen Zetteln beschäftigt. niz

Von Weil (hier der Zoll Friedlingen) bis Singen sind bis zu 150 Zollbeamte mit den grünen Zetteln beschäftigt. niz

Die Mehrwertsteuererstattungen haben 2015 um 1,1 Millionen auf 6,3 Millionen zugenommen. Dieses Quartal allerdings gab es erstmals einen leichten Rückgang.

Die deutschen Zöllner haben keine Langeweile. Auch im Jahr 2016 waren im Zuständigkeitsbereich des Hauptzollamts Lörrach wieder 60 bis 70 Beamte ausschliesslich damit beschäftigt, oft im Akkord die sogenannten grünen Zettel abzustempeln. Sie ermöglichen Personen mit Wohnsitz in der Schweiz, nach Einkäufen in Deutschland die Mehrwertsteuer zurückzuverlangen.

Nun stabil auf hohem Niveau

«Die grünen Zettel haben enorm angezogen. Wir haben vor einigen Monaten gesagt, es würden 2015 sechs Millionen sein. Tatsächlich waren es 6,3 Millionen gegenüber 5,2 Millionen 2014», sagte Ralf Schemenauer, zuständig für das Zollamt Weil/Autobahn gestern an der Jahresmedienkonferenz des Hauptzollamts Lörrach. Im Bereich des Hauptzollamts Singen, das von Bad Säckingen bis Konstanz reicht, wurden 2015 11,3 Millionen Zettel abgestempelt, 900 000 mehr als 2014.

Erstmals wieder leicht rückläufig waren die Zahlen für das 1. Quartal 2016, die beim Hauptzollamt Lörrach mit 1,48 Millionen Bestätigungen leicht unter denen des 1. Quartals 2015 (1,54 Mio.) lagen. «Aufgrund des Wechselkurses bewegen sich die Zahlen stabil auf hohem Niveau», fuhr Schemenauer fort. Er zeigte sich allerdings überzeugt, dass die Anzahl nicht weiter wachsen werde.

Neu ist, dass viele Schweizer am Sonntag über den Autobahnzoll wieder in die Schweiz einreisen und dort die Bestätigungen abstempeln lassen. «Immer mehr Schweizer Bürger fahren weiter hinein nach Deutschland, bleiben länger und übernachten dort. Sie kommen aus der Zentralschweiz oder auch aus dem Tessin und fahren über die Autobahn wieder zurück», sagte Schemenauer.

Ende 2017/ Anfang 2018 soll ein Pilotprojekt mit einem automatisierten Abstemplungsverfahren starten. Allerdings sei noch nicht klar, ob sich alle Detailhändler daran beteiligen. Der Stress werde zwar abgebaut, aber «statt 400 Zettel werden die Beamten 200 in der Stunde stempeln. Wirklich Personal einsparen werden wir nicht», erläuterte der Autobahnzollchef. «Wir verwalten den Mangel», ergänzte Volker Künzle, Leiter des Hauptzollamtes Lörrach.

«Es wird auch Automaten am Zollamt Weil am Rhein Ost geben, das heute nicht mehr besetzt ist. So wird der Verkehr entzerrt. Aber die Automatisierung ist kein Allheilmittel: Das Parkproblem bleibt bestehen», befürchtete Wolfgang Brandenburg vom Sachgebiet Kontrollen.

Zur Einführung einer Bagatellgrenze für die Mehrwertsteuererstattung äusserten sich die Zöllner kaum, da dies eine politische Frage sei. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat sich in der Vergangenheit stets dagegen ausgesprochen, vor kurzem aber gab es im Bundesrat, der zweiten deutschen Kammer, eine deutliche Mehrheit für die Einführung einer Bagatellgrenze von 50 Euro.

Als Arbeitslose in Schweiz arbeiten

Mit einem speziellen Problem muss sich Dieter Quasnowitz vom Sachgebiet Finanzkontrolle und Schwarzarbeit auseinandersetzen. So gebe es Personen, die in Deutschland arbeitslos gemeldet sind und Unterstützung erhalten, aber gleichzeitig für guten Lohn in der Schweiz arbeiten. «Das ist äussert kriminell», urteilte Quasnowitz. Viel Arbeit hat seine Abteilung auch mit der Überprüfung des Mindestlohns, der in Deutschland seit August 2015 bei 8.50 Euro die Stunde liegt.

Einen spektakulären Erfolg hatte der Zoll bei der Rauschgiftkriminalität. In einem VW Passat, der aus Spanien auf dem Weg nach Russland war, entdeckte er 200 Kilogramm Haschisch. Er war extra für den Schmuggel umgebaut worden.

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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