Vorfasnacht
2017 ist das Pfyfferli ein rauschendes Fest

Im Gegensatz zur nachdenklichen Vorjahresausgabe ist die aktuelle rasant und laut. Im Angesicht des Terrors soll das Leben zelebriert werden.

Stephanie Brückner
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Sie lassen es richtig krachen: Caroline Rasser, Salomé Jantz, Roland Herrmann, David Bröckelmann und Myriam Wittlin, das diesjährige Pfyfferli-Ensemble.

Sie lassen es richtig krachen: Caroline Rasser, Salomé Jantz, Roland Herrmann, David Bröckelmann und Myriam Wittlin, das diesjährige Pfyfferli-Ensemble.

FOTO MIMMO MUSCIO BASEL;zvg Mimm

Jeweils mit einer Flasche Wein bewaffnet und sturzbetrunken begrüssen die Schauspieler Caroline Rasser, Salomé Jantz, David Bröckelmann, Myriam Wittlin und Roland Herrmann am Freitagabend die Zuschauer zu der Premiere des diesjährigen Pfyfferli im Basler Theater Fauteuil.

Doch bereits in dieser fröhlichen Sommernacht am Rhein werden ernste Themen aufgegriffen. Diese bespielen sie jedoch anders als im vergangenen Jahr. Nach der ruhigen und nachdenklichen Ausgabe 2016 lassen es die fünf Protagonisten diesmal richtig krachen. Flüchtlingskrise, Syrienkrieg, Bombenanschläge: Terror und Tod werden besungen in der Melodie von Bob Dylans «Blowing in the wind», jeweils gefolgt von der stumpfen Erkenntnis «Es goht mi nüd meh aa, die Welt isch sowieso am Arsch». «Krieg, Terror, Trump und Konsorten beunruhigen uns zwar keine Spur weniger. Dennoch und gerade zum Trotz zelebrieren wir das Leben», erklärt Rasser daraufhin. Und dies ist sichtbar: Das diesjährige Pfyfferli präsentiert sich laut, fröhlich, und frei.

So werden auch mal Sprüche geklopft, die man auf der Strasse nicht mehr hört. Im Raamestiggli «Gäll, Alain», erklärt Rasser, mit Hündchen Alain im Schlepptau, als Dame vom Daig «die Sach mit dr Integration» und feuert dabei eine Pointe nach der anderen ab. Das Stiggli auf höchstem Niveau bespielt ein kritisches Thema auf wunderbare Weise und sorgt so für zahlreiche Lacher, definitiv ein Highlight des Abends. Am Ende kommt Rasser zum Schluss: Muslime, Deutsche, Franzosen – alles kein Problem. Doch beim Baselbieter hört der Spass auf. «Me ka schliesslich nid alles integriere.»

Schneider-Ammann Ziel des Spotts

Dennoch steht kurz darauf der Baselbieter Schnitzel-Rapper Heiri auf der Bühne, der den ersten Bangg des Abends vorträgt. Und auch später zeigt man sich friedlich den Eidgenossen gegenüber. So gilt es den Cervelat zu verteidigen, die Handschläge zu behalten und die Schweizer Nati zu ehren. Alles verpackt in der Melodie der Schweizer Hymne, mit dem ironisch-trüben Abschluss: «Wenn das so witergoht, Guet Nacht mis Vaterland.»

Denn nicht so gut weg kommen die Schweizer Politiker, Simonetta Sommarugas Watergate und Johann Schneider-Ammans «Tag der Kranken»-Rede wird zur Zielscheibe des Spotts. Auch Dr Spitzbueb, der zweite Schnitzelbänggler, geht auf Schneider-Ammanns Rede ein, denn auf ihn wirkte diese «als würd er wärbe, für es bitzeli Hilf zum stärbe.»

Ehrengast Colette Greder

Die Bängg kommen pointiert daher und sorgen für grosses Gelächter und Applaus. Auch die Pfeifergruppe Barfiessler und die Tambouren Pisdig spielen auf hohem Niveau. Zudem begleitet Daniel Wittlin den Abend auf dem Klavier. Dabei darf er auch den Ehrengast verkünden, den es wieder auf die Bühne gezogen hat: Colette Greder springt aus dem Publikum und stellt sich auf die grosse Bühne. Mit einer berührenden Ballade erklärt sie dem Publikum ihre Liebe zum Theater, zu Basel, zum Spalenberg und zum Pfyfferli.

Alles in allem präsentiert sich das diesjährige Pfyfferli bunt, lustig und als grosses Fest. Das Publikum darf sich auf die kommenden Vorstellungen freuen.