Kunstmuseum Basel

2021 wird in Basel das Jahr der Frauen

Das Kunstmuseum Basel zeigt 2021 drei bedeutende Künstlerinnen und Camille Pissarro, den Urvater der französischen Impressionisten.

Das Kunstmuseum Basel rollt im kommenden Jahr den Teppich für Künstlerinnen aus. Noch immer sind Frauen in Ausstellungen und Sammlungen markant untervertreten. Die Jahrhunderte des Patriarchats haben zu einer männerdominierten Schlagseite im Kanon der Museen geführt.

Den Verantwortlichen ist das Problem längst bewusst. Sie geben Gegensteuer, und es ist absehbar, dass das 21. Jahrhundert den Künstlerinnen gehören könnte. Bis es dann hoffentlich in ein, zwei Generationen gar kein Thema mehr ist, ob das Werk von einer Frau oder einem Mann stammt.

Mit Sophie Taeuber-Arp, Tacita Dean und Kara Walker setzt das Kunstmuseum Basel innerhalb dieser Entwicklung ein starkes Zeichen. Und das Leitungsteam um Direktor Josef  Helfenstein demonstriert einmal mehr, wie hervorragend vernetzt das Museum ist.

Die Pionierin, die Tüftlerin und die Provokateurin

Schweizerinnen und Schweizer kennen Sophie Taueber-Arp. Zumindest ihr Konterfei auf der grünen Fünfzigernote. Die 1889 in Davos  geborene Tochter eines Preussen und einer Appenzellerin war eine Pionierin des modernen Tanzes und der Abstraktion, eine Meisterin der Verschmelzung von Kunst, Kunsthandwerk und Leben.

2014 hat das Kunsthaus Aarau ihrem reichen Werk eine  hierzulande viel beachtete Ausstellung gewidmet. Das Kunstmuseum Basel bereitet der Schweizerin nun eine internationale Plattform. Die Schau mit dem Titel «Gelebte Abstraktion» ist in Basel von März bis Juni zu sehen. Danach geht sie an die Tate Modern in London und an das Museum of Modern Art in New York. Die Kooperation der drei namhaften Häuser wird die Bedeutung dieser Künstlerin weltweit festigen.

Im Mai zeigt das Museum Gegenwart «Antigone» von ­Tacita Dean. Im Rahmen der Präsentation von zeitgenössischen Werken der Emanuel Hofmann-Stiftung zeigt die in Berlin lebende Britin eine ihrer bisher komplexesten Arbeiten.

Zur griechischen Heldin ­Antigone hat die Künstlerin ein beinah familiäres Verhältnis. Ihre Schwester trägt diesen ­Namen, Sophokles’ Tragödie beschäftigt sie schon seit über 20 Jahren. Bereits 1997 entstand ein erstes Skript zu einem Filmprojekt. Nun ist die Arbeit fertig und erstmals in der Schweiz zu sehen. Ergänzt wird die Ausstellung mit Leihgaben und Werken aus dem Archiv der Künstlerin.

Der schwarzen US-Amerikanerin Kara Walker richtet das Museum die erste grosse Einzelausstellung in der Schweiz aus. Walker, Jahrgang 1969, ist eine der profiliertesten und umstrittensten künstlerischen Stimmen der USA. 

In provokativen und teilweise obszönen Werken nimmt sie Rassismus, Geschlecht, Sexualität und Gewalt in den Fokus. Sie schlägt dabei einen Bogen von der Sklaverei über Barack Obamas Präsidentschaft bis zur Bewegung Black Lives Matter –ohne Rücksicht auf politische Korrektheit, auch gegenüber der eigenen Community.

Für Basel hat die Künstlerin ihr Archiv geöffnet und präsentiert über 600 Zeichnungen aus den vergangenen 25 Jahren. Wie sie diese in Bezug zur Altmeistersammlung im Kupferstichkabinett setzt, ist ab Juni zu sehen.

Hommage an den Vater des Impressionismus

Nach so viel Frauenpower kommt im September Camille Pissarro zu Ehren, eine zentrale Figur des französischen Impressionismus, Mentor und Freund  jüngerer Kollegen wie Claude Monet, Paul Gaugin, Vincent van Gogh oder Paul Cézanne. Letzterer habe über Pissarro gesagt: «Er ist unser aller Vater.»

Trotzdem blieb der Maler eher eine Randfigur. Der viel ­belesene und überzeugte Anarchist, Vater von acht Kindern, kämpfte zeitlebens mit Geldschwierigkeiten und um Anerkennung. Die Basler Ausstellung legt nun ein Augenmerk auf sein Beziehungsnetz, seine Fördertätigkeit und präsentiert seine Werke im Dialog mit den oben genannten Freunden.

Was das Museum neben und zwischen diesen vier Sonderausstellungen 2021 noch zeigen wird,  ist derzeit noch nicht im Detail kommuniziert. Angesagt sind Programme zu aktuellen Gesellschaftsthemen wie Körperpolitik, Rassismus, Demokratie und Ökologie.

Klar ist bereits, dass auch in Basel der hundertste Geburtstag von Joseph Beuys gefeiert wird. Der Fokus wird dabei vor allem auf dem erweiterten Kunstbegriff von Beuys liegen. Auch da kann das Kunstmuseum Basel mit seinen Beständen aus dem Vollen schöpfen.

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