Die Probezeit setzte das Strafgericht Basel-Stadt auf ungewöhnlich lange drei Jahre fest. Bestandteil des Urteils ist auch die Weisung, dass sich der nicht vorbestrafte Angeklagte in den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UKP) einer Alkohol- und Drogentherapie unterzieht. Hält er sich nicht an diese Weisung, muss er die Strafe absitzen.

Schuldig befand das Gericht den Mann, der noch am Mittwoch aus der Sicherheitshaft entlassen wurde, der Störung von Betrieben, die der Allgemeinheit dienen, sowie der Schreckung der Bevölkerung. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Monate verlangt, bedingt auf vier Jahre, derweil die Verteidigerin für eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 10 Franken plädiert hatte.

Filmriss nach einer Flasche Whisky

Mit seiner Bombendrohung im französischen Teil des Basler Bahnhofs SBB hatte der Beschuldigte am Abend des 5. Dezember 2015 einen grösseren Polizeieinsatz ausgelöst. Geäussert hatte er die Drohung zunächst gegenüber einem Securitrans-Mitarbeiter, dann auch gegenüber der Polizei.

Um den Koffer mit der vermeintlichen ferngesteuerten Bombe zu entschärfen, waren auch Spezialisten aus Zürich aufgeboten worden. Zudem wurde der Tram- und Busverkehr unterbrochen.

Der Beschuldigte wollte sich vor Gericht nicht mehr an das Geschehene erinnern können und machte einen Filmriss geltend. Der seit mehr als 20 Jahren alkoholabhängige Mann hatte zum Zeitpunkt der Tat 2,3 Promille intus.

Er wisse nur noch, dass er an diesem Tag aus der UPK ausgetreten sei und es mit einem Bett in der Notschlafstelle nicht geklappt habe. Dann habe er eine Flasche Whisky getrunken und sich zu den Randständigen am Bahnhof begeben, zu denen er sich auch zählte.

Kurz nach Paris-Anschlägen

Begonnen hat die Geschichte mit der Bombendrohung um 21.40 Uhr, als ihn ein Securitrans-Mitarbeiter kontrollieren wollte. Während mehr als zwei Stunden hielt der Mann seine Drohung aufrecht und rief - dies wenige Wochen nach den Terroranschlagen in Paris - "Allahu Akbar".

Sie hätten die Drohung durchaus ernst genommen, sagten der Securitrans-Mitarbeiter und zwei Polizisten als Zeugen vor Gericht. Der Beschuldigte selbst legte zwar kein Geständnis ab, bestritt die Tat aber auch nicht. Wenn es so gewesen sei, tue ihm dies sehr leid, sagte er.

Für ihn sei der Beschuldigte schwer fassbar und der Filmriss überzeuge ihn nicht, sagte der Gerichtspräsident bei der Eröffnung des Urteils. Aussagen, wonach er von der aktuellen Bedrohungslage durch Terrorismus nicht gewusst haben will, beurteilte er als "Bullshit". Das Verschulden für den "Trittbrettfahrer" wiege deshalb recht schwer, auch wenn die Tat wohl nicht geplant war, sondern eher spontan geschah.

Das Gericht attestierte dem Beschuldigten, der schon mehrere erfolglose Therapien und 32 Aufenthalte in der UPK hinter sich hat, eine leicht Verminderung der Zurechnungsfähigkeit.

Für seine Bombendrohung muss der Mann die Basler Verkehrs-Betrieben und die SBB mit rund 3800 Franken entschädigen. Zudem muss er die Verfahrenkosten tragen, die sich mitsamt dem Aufwand für den Polizeieinsatz auf 31'000 Franken belaufen.