«Ich bin durch die Wohnung getanzt», sagt Corinna Zuckerman. Die 24-Jährige sei sehr erfreut gewesen, als sie die Zusage vom Mercator Kolleg für internationale Aufgaben (siehe Box) bekam. Die Zusage bedeutet, dass Zuckerman als eine von vier Schweizer Kollegiaten während 13 Monaten einer eigenen Fragestellung nachgehen kann und auf eine Führungsaufgabe in einer internationalen Organisation vorbereitet wird.

Grosse Pläne im nächsten Jahr

Als sie ihre Pläne für die kommenden 13 Monate vorstellt, blitzt in ihren Augen Leidenschaft auf. «Ich möchte mir ein Bild über die Infrastrukturen verschaffen, die soziale Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit brauchen.» Es interessiere sie, wie Einzelpersonen mit Initiative Probleme lösen können, die von globaler Bedeutung sind. «Ich kann mir durchaus vorstellen, eine eigene Organisation zu gründen, aber auch die Arbeit in einem bestehenden Umfeld würde mir Spass machen.»

Daher sei das Stipendium, das sich monatlich auf 3500 Franken beläuft, eine grosse Chance für sie. Flüge und Sprachkurse werden ebenfalls bezahlt. Nach den ersten drei Wochen Seminar in Essen und Berlin wird sie nach München gehen, um mit Ashoka Foundation, einer Non-Profit-Organisation zur Förderung von sozialem Unternehmertum, zu arbeiten. Anschliessend reist sie nach Neuseeland. Dort will sie einen Einblick nehmen in ein soziales Unternehmen, das bei der Vernetzung von sozial engagierten Menschen im IT-Bereich hilft. «Die verschiedenen Dozenten und Diplomaten zu treffen, darauf freue ich mich sehr», sagt sie.

Die Schweizamerikanerin, die zweisprachig aufgewachsen ist, hatte schon früh das Bedürfnis, Missstände zu korrigieren. «Ich habe meine Primarklasse einmal animiert, für ein Unicef-Projekt zu sammeln», erinnert sich Zuckerman. Sie übernehme gerne eine führende Rolle. «Ich muss allerdings nicht im Mittelpunkt stehen.» Aufmerksamkeit sei ihr weniger wichtig als die Rolle als Vermittlerin. «Klar kann ich mich für meine Anliegen einsetzen, aber im Grunde bin ich sehr harmoniebedürftig», betont Zuckerman.

Nach der Matur in Spanisch am Gymnasium Leonhard studierte sie internationale Beziehungen an der Universität Genf, letzten Sommer schloss sie den Master in Wirtschaft in London ab. «Eilig hatte ich es mit dem Studium eigentlich nicht», sagt sie. Zwischen den Bachelor und dem Master absolvierte sie eine einjährige Ausbildung für soziale Unternehmer in Schweden, bereits in ihrer obligatorischen Schulzeit verbrachte sie ein Jahr in Chile. Während dieser Zeit verfolgte sie verschiedene Projekte im sozialen Bereich. «In Genf habe ich mitgeholfen, einen Verein für Putzfrauen zu gründen, der wie eine Arbeitergenossenschaft aufgebaut ist.» Damit konnten sich die Frauen ein eigenes Unternehmen mit besseren Arbeitsbedingungen aufbauen.

Eigenschaften vom Vater

Die Einstellung, lieber etwas neues zu erarbeiten, anstatt sich mit einer gut bezahlten Arbeitsstelle zufrieden zu geben, habe sie von ihrem Vater übernommen. Er ist ein Konzertmusiker in klassischer indischer Musik und unterrichtet an der Musik Akademie Basel. Dies sei nicht ein typischer Beruf, und ihre Eltern hätten ihre Träume klar gefördert.

Nur einmal wird die junge Frau nachdenklich: «Manchmal fehlt bei meinem unsteten Lebenswandel ein Zuhause», sagt sie. Nach dem Jahr im Stipendiat würde sie gerne sesshaft werden. Wo genau, spiele keine Rolle. «Ich kann mir aber durchaus vorstellen, später in die Schweiz zurückzukehren», sagt Zuckerman.