Strafgericht

24-Jähriger nötigte minderjährige Mädchen im Netz zu Nacktfotos

Der Mann kopierte auch Kinderpornos, womit er sich weiter strafbar machte. (Symbolbild)

Der Mann kopierte auch Kinderpornos, womit er sich weiter strafbar machte. (Symbolbild)

Ein 24-jähriger Mann setzte im Chat Druck auf, bis er von minderjährigen Mädchen Nacktfotos erhielt. Das Gericht sieht darin eine Nötigung und verurteilt den Mann zu einer bedingten Geldstrafe von 300 Tagessätzen.

«Das ist Scheisse gewesen, was ich gemacht habe, und es tut mir leid. Aber jetzt im Nachhinein kann ich nichts mehr machen», sagte der 24-jährige Mann gestern im Gerichtssaal. Die sozialen Medien sind quasi sein Hobby: Via Facebook, Skype oder Whatsapp chattet und baggert er in der Gegend herum, doch mit dem Alter der Frauen nimmt er es nicht so genau: Im Mai 2012 kontaktierte er unter dem Nutzernamen «gangstersepp» ein damals 10-jähriges Mädchen, drängte und forderte Nacktbilder von ihr, und nach einem ersten Erfolg setzte er weiteren Druck auf. «Mach, oder soll ich Fotos von Dir veröffentlichen?», sagte er.

Das gleiche Muster

Ein Jahr später drängte er eine 13-Jährige über Whatsapp, ihm Sexfotos von ihr zu schicken, was sie schliesslich auch tat. Gestern vor Gericht deutete er an, dass er wohl auch noch mit anderen Minderjährigen ähnliche Fotos ausgetauscht hat.

Als er im Oktober 2013 vorläufig festgenommen worden war, fand man bei einer Hausdurchsuchung auf seiner Festplatte auch diverse Kinderpornos.

Nicht gesucht, nur gefunden

«Ich habe nie gezielt jemanden gesucht. Das hat sich einfach ergeben», meinte er gestern vor dem Basler Strafgericht. Der Mann sagte auch, er habe seit sechs Jahren eine Beziehung mit einer gleichaltrigen Frau.

«Und wie verhalten sie sich seither im Chat?», fragte Gerichtspräsidentin Dorrit Schleiminger. «Ich kontaktiere nur noch ältere Frauen», beteuerte der Mann.

«Sie suchen also immer noch?», fragte Schleiminger etwas verwundert. «Äh ... nein. Aber wenn mir bei Facebook eine gefällt, dann schreibe ich ihr».

«Und Cybersex ist immer noch ein Thema?». «So direkt ... nein».

Lediglich bedingte Geldstrafe

Die Einzelrichterin fällte schliesslich einen Schuldspruch wegen versuchter sexueller Nötigung, sexueller Handlungen mit einer Minderjährigen sowie Besitzes und Herstellung von Kinderpornografie. Sie erklärte ihm auch, dass das Kopieren von verbotenen Pornos rechtlich als Herstellung gilt.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten gefordert.

Einzelrichterin Dorrit Schleiminger beliess es bei einer bedingten Geldstrafe von 300 Tagessätzen zum tiefstmöglichen Tagessatz von 20 Franken. Dies vor allem deshalb, weil der Mann mit seinen Opfern nie den Körperkontakt in der realen Welt gesucht habe und auch nicht vorbestraft war.

«Die Strafe muss ich jetzt noch nicht bezahlen?», fragte der Mann danach etwas verwirrt. «Erst wenn sie rückfällig würden. Dann gibt es aber nicht mehr bloss eine Geldstrafe», klärte ihn die Gerichtspräsidentin über die Regeln des Schweizer Strafrechts auf.

Therapie und Arbeitslosigkeit

Seit einem Jahr ist der 24-Jährige arbeitslos und wohnt wieder bei seiner Mutter. Das Gericht ordnete neben der bedingten Geldstrafe an, der Verurteilte müsse während der zweijährigen Probezeit eine entsprechende ambulante Therapie besuchen.

Sowohl die Staatsanwaltschaft wie auch der Beschuldigte können das Urteil an die nächste Instanz weiterziehen.

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