Es ist nur eine grobe Schätzung, aber die Zahl ist eindrücklich. Alain Groff, Leiter des Basler Amts für Mobilität, geht davon aus, dass bisher grob geschätzt 2,5 Millionen Fahrgäste mit dem 8er-Tram über die Grenze nach Weil am Rhein gefahren sind. Die Schätzung bezieht sich auf die rund zehn Monate seit der Inbetriebnahme Mitte Dezember 2014. Fahrgäste, die schon an der Haltestelle Kleinhüningeranlage aussteigen oder das Tram innerhalb von Weil benutzen, sind darin nicht enthalten.

«Die Nachfrage ist vergleichbar mit anderen Streckenabschnitten am Ende einer Tramlinie, obwohl die Trams dort mit dem 7,5-Minuten-Takt doppelt so häufig fahren», präzisiert Groff. Aufgrund der grossen Auslastung haben die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) angekündigt, den Takt zum Fahrplanwechsel ab 14. Dezember zu verdichten. Neu fahren die Trams dann unter der Woche zwischen 15.30 und 19.30 Uhr im 7,5-Minuten-Takt nach Deutschland. Bisher galt dann der 15-Minuten-Takt. Am Samstag wird der bestehende 7,5-Minuten-Takt ausgedehnt und gilt schon ab 12 bis 19 Uhr.

Massive Kritik an Verdichtung

Die Ankündigung der BVB führte zu massiver Kritik und einer Interpellation von Christophe Haller (FDP) im Grossen Rat. Haupttenor: Der Kanton finanziert und unterstützt den Einkaufstourismus und schadet damit der Basler Innerstadt. In seiner Antwort verwies der Regierungsrat darauf, dass dem Kanton durch die Taktverdichtung keine Mehrkosten entstehen und gute Erreichbarkeit ein Erfolgsfaktor für den Wirtschaftsstandort Basel sei.

Weiter hiess es: «Die Nachfrage für Fahrten nach Weil am Rhein besteht nachweislich und niemand hat ein Interesse daran, dass für grenzüberschreitende Fahrten vermehrt das Auto benutzt wird.» Ausserdem verwies die Regierung darauf, dass das Tram nicht nur von Einkaufstouristen, sondern auch von Pendlern benutzt wird.

«Ich habe keine konkreten Zahlen, aber wir machen die Beobachtung, dass viele Pendler an der Endhaltestelle von oder auf die S-Bahn umsteigen», erläutert Rudolf Koger, in Weil unter anderem für das Tramprojekt verantwortlich. So musste die Stadt die Zahl der Veloabstellplätze bereits auf 80 bis 100 aufstocken. Ausserdem verweist Koger auf eine Studie des Landes Baden-Württemberg, die für den Verkehrsknotenpunkt in Weil mit 4000 Umsteigern pro Tag rechnet. Der direkte Zugang zwischen der Tramhaltestelle und den Bahngeleisen soll Mitte 2018 fertig gebaut sein.

Die BVB gehen von 9000 Nutzern täglich aus. 50 Prozent davon seien Pendler und 50 Prozent Einkaufstouristen, sagt Koger und bezieht sich auf Aussagen der BVB. Er betont: «Das würde ja die Zahl der Studie stützen.» Die BVB wollen die Anteile nicht bestätigen, da sie Fahrtzwecke nicht erheben, verweisen aber auf eine «sehr hohe, starke Nutzung von Pendlern».

Für Alain Groff entsprechen Pendler und Einkaufstouristen der spezifischen Situation einer Grenzregion. «Das kann sich von der Menge und der Richtung her auch wieder ändern.» Er spricht sich nachdrücklich dagegen aus, den Takt zu reduzieren und wieder Grenzen hochzuziehen. «Wenn solche Ideen in der Agglomeration Schule machten, dann könnten auch die deutschen Behörden auf die Idee kommen, eine Spur der Autobahn zu sperren, um deutschen Fachkräften das Pendeln nach Basel zu verleiden.» Generell zeigt sich Groff überzeugt, dass Faktoren wie die Mehrwertsteuer-Rückerstattung einen weit grösseren Einfluss auf den Einkaufstourismus hätten als das Tram.

Staus sind weiter ein Problem

Ein Problem sind weiterhin am Freitagnachmittag und vor allem Samstag die Staus am Grenzübergang Hiltalingerstrasse beim Rheincenter. Diese führen dazu, dass auch das Tram im Verkehrschaos stecken bleibt und die Trams in Basel unregelmässig ankommen. Koger plant, gegen die Rückstaus vom Kreisel in die Hauptstrasse in Friedlingen mit neuen Schaltungen einer Lichtsignalanlage vorzugehen, die sich an der Riedlistrasse kurz vor der Steigung Richtung Brücke und Endhaltestelle befindet. So soll verhindert werden, dass der Stau sich vergrössert.

Mit der Taktverdichtung hoffen die BVB, die Auslastung des Trams besser zu verteilen. Derzeit kommt es vor, dass es in der Kleinhüningeranlage oder auch im Kleinbasel überfüllt ist und wartende Fahrgäste keinen Platz mehr finden.

2017 kommt mit der 3er-Tram-Verlängerung nach Saint-Louis eine weitere Linie ins nahe Ausland hinzu. Eine Prognose abzugeben, wie sich diese entwickelt, hält Groff für schwierig. Die Nachfrage auf der Linie 8 stimme optimistisch, aber die Bedingungen in Weil und Saint-Louis seien unterschiedlich. «Die Entwicklung der Verkehrsdrehscheibe am Bahnhof Saint-Louis ist von entscheidender Bedeutung», betont er.