Paul Heinz P. sitzt teilnahmslos da, das Gesicht in die Hände gestützt. Der 48-jährige geständige Täter hatte eine junge Italienerin auf bestialische Weise im Karlsruher Hardtwald gequält und anschliessend ermordet. Die Tat liegt fast 30 Jahre zurück. Anfang dieses Jahres hatte er sich auf einer Polizeiwache in Basel gestellt. Er habe die die Schuld nicht mehr ertragen können, hatte er zu Beginn der Verhandlung vor dem Karlsruher Landgericht gesagt. Im weiteren Prozessverlauf wurde neben der Zeugenbefragung ein Psychogramm des Mannes, der in Ettingen aufwuchs, gezeichnet.

Unmittelbar nach der Tat flüchtete er von Karlsruhe, wo er kurzzeitig in einer Jugendeinrichtung untergebracht war, wieder zurück in die Region Basel, wo ein Grossteil der Verwandtschaft lebt. Er zählte nie zum Kreis der Verdächtigen. Auch das Opfer, die 25-jährige Antonella B. aus Trient, die in einer Eisdiele in Karlsruhe arbeitete, wurde beschrieben. «Sie war eine sehr ruhige junge Frau. Niemals zornig, immer sehr ausgeglichen. Am liebsten hat sie italienische Kreuzworträtsel gelöst», sagte der Inhaber der Eisdiele, wo sie erst wenige Monate zuvor zu arbeiten begann.

Eine unauffällige junge Frau

Sie habe sich nie geschminkt, sei eher altmodisch gewesen in ihrem Kleidungsstil. «Vor allem war Antonella sehr zuverlässig. Manchmal ging sie mit den anderen Mädchen weg, die bei uns arbeiteten. Am liebsten ist sie jedoch an ihrem freien Tag mit dem Rad gefahren», führte der Patron des Eiscafés weiter aus. Als sie an jenem Sonntag im Juni 1987 nach Mitternacht noch nicht zu Hause war, habe man sich grosse Sorgen gemacht. Am nächsten Morgen sei man zur Polizeidienststelle in Karlsruhe-Durlach gegangen und habe die junge Frau aus Südtirol vermisst gemeldet. Nicht viel später wurde ihre Leiche im Hardtwald gefunden, die mit Kordeln an Bäumen fixiert war.

Eine Zufallsbegegnung

Von einer Jugendhilfeeinrichtung in Schloss Stutensee bei Karlsruhe hatte sich der damals 20-jährige Paul Heinz P. mit dem Rad auf den Weg gemacht, um vom Schlosspark aus bei einem Konzert von Tina Turner und Joe Cocker zuzuhören, ehe er auf die junge Norditalienerin stiess. Der ehemalige Leiter der Einrichtung in Stutensee, mittlerweile 88 Jahre alt, erinnerte sich an seinen damaligen Zögling. «Er war ein Sonderfall. Ich hatte immer das Gefühl, man kommt nicht an ihn ran. Paul Heinz war auf mehreren Ebenen geschädigt. Er hatte ein starkes Empathie-Defizit, einen schweren Milieuschaden, zudem war die Gewissensbildung bei ihm nicht sehr stark ausgeprägt. Seine Persönlichkeitsentwicklung war deutlich verzögert.»

Ein psychologischer Gutachter skizzierte den unheilvollen Werdegang des Täters. Die Mutter war immer wieder mit verschiedenen Männern liiert, meist gewalttätig und mit Alkoholproblemen behaftet. Die schulische Karriere des Täters verlief zwischenzeitlich so, dass ihn selbst die Sonderschule nicht mehr aufnehmen wollte. Eine Ausbildung als Metallwerker in einer Jugendhilfeeinrichtung brach er ab.

Immer wieder wechselten die Wohnorte zwischen Baden-Württemberg, Frankreich und der Nordwestschweiz. Mal im Heim, mal bei der Mutter. «Elterliche Fürsorge kannte er nicht. Am schönsten sei seine Kindheit in Basel gewesen, wo er bei der Tante lebte», berichtete der Gutachter.

Maximal zehn Jahre

Sehr wahrscheinlich wird bei dem Prozess das Jugendstrafrecht angewandt, da der Mann zur Tatzeit 20 Jahre alt war. Dies bedeutet, dass Paul Heinz P. eine Haftstrafe von maximal zehn Jahren droht. Ein weiterer Gutachter fragte den Basler, ob er Probleme mit Frauen habe und ob er sexuelle Phantasien mit Gewalt verknüpfe.

«Ich hatte nie Probleme. Ich habe auch keine sexuellen Abartigkeiten. Ich stehe auch jetzt in einer Beziehung», sagte der Angeklagte mit den strähnigen dunklen Haaren, als er kurz aus seiner Pose der Erstarrung erwacht.
Zudem machte er eine erstaunliche Anmerkung. So verfolgen ihn die Bilder der Tat fast jede Nacht, weshalb er entschlossen hatte, sich zu stellen.

Lange ohne Reue

«Das hat aber, ich weiss nicht warum, erst nach zehn Jahren angefangen. Bereits am Tag nach der Tat hatte ich die ganze Sache eigentlich fast vergessen. Viel später erst kamen dann die Bilder hoch. Das wurde noch schlimmer, als meine Mutter 2002 gestorben ist.» Unter anderem wurde am zweiten Prozesstag erörtert, ob die junge Frau einen langen Todeskampf hinter sich hatte oder schon früh nach der Erdrosselung des Täters verstarb. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.