Velokurier

30 Jahre Kurierzentrale – das Gründungspaar: «Wir waren nie grün»

Doris Moser und ihr Mann Stefan Schaefter sind die Gründer der Kurierzentrale. Als sie das Unternehmen gründeten, ging es primär um den Transport von Daten. Wäre ihnen das heutige Ausmass des Internets bewusst gewesen, gäbe es die Kurierzentrale heute nicht, denn grün zu sein war für sie nie wichtig.

Als in den 80er Jahren das erste mobile Telefon, ein Motorola, für rund 8000 Franken auf den Markt kam, war für Doris Moser und Stefan Schaefter klar: Ihre Firma, der Velokurier, braucht ein solches Gerät. Von da an durfte jeweils der schnellste Kurier das Handy auf seinen Touren benutzen.

Der Coolnessfaktor war dem Gründungspaar der heutigen Kurierzentrale wichtig. Viel wichtiger als der ökologische Gedanke, der bei den Velokurieren heute häufig im Vordergrund steht. «Wir waren nie grün. Das wurde uns nur zugeschrieben», sagt Doris Moser. Im Gegenteil, denn durch ihre Arbeit hätten sie die Lieferprozesse sogar beschleunigt und so die Produktion von Waren angekurbelt, was eher konträr zum Nachhaltigkeitsgedanken stünde.

Hauptsache, das Styling stimmt

Entscheidend war, dass die Velokuriere gut aussahen. Das Tenue war streng einzuhalten, schwarze Tights und das hauseigene Shirt. Nur am «Casual Freitag» durfte jeder tragen, was er wollte. Später wurde eine Helmpflicht eingeführt. «Schliesslich haben die Kuriere auch eine gewisse Vorbildfunktion für die Veloszene», sagt Schaefter. Wer nicht anständig fuhr, wurde einmal verwarnt. Kam es zu einem zweiten Fall, entliessen Moser und Schaefter den Kurier.

Als das Paar den Velokurier gründeten, war Moser 21 Jahre alt und Schaefter 29. Mit ihrer Idee waren sie alleine in Basel und zwei der wenigen in der Schweiz. Nur in Luzern gab es damals schon einen Kurier, der mit Velos auslieferte. Schaefter, der aus dem grenznahen Deutschland stammt, musste 1989 erst die Fremdenpolizei von seiner Idee überzeugen, um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Von fahrradfahrenden Kurieren wollte allerdings niemand etwas wissen. Mit dem Motorrad ginge das doch viel schneller. Ein Beamter fand dann allerdings doch Gefallen an der Idee und riet den beiden, erstmal zu heiraten, damit Schaefter die Arbeitsbewilligung erhält. Also taten sie das. Daraufhin starteten sie ihr Unternehmen.

«Hätte uns damals jemand gesagt, wie sich die Welt weiterentwickeln wird, hätten wir uns niemals getraut, alles auf den Velokurier zu setzen», sagt Schaefter. Damit spielt er vor allem auf das Internet an. Die meisten Aufträge, die sie damals ausführten, waren Transporte von Daten in Form von Dokumenten, Disketten und Plänen. All das, was heute digital übermittelt wird. Dass Essensauslieferung, Onlineshopping und Paketzustellungen einmal ein so grosses Bedürfnis werden würden, ahnte damals niemand.

Giacometti-Skulptur per Velo zum Fotografen

Die erste Lieferung, die Moser und Schaefter ausführten, war der Transport einer Diskette von Ingenodata zur «Basler Zeitung». Was auf den Datenträgern war, wussten die Kuriere meistens nicht. Manchmal kannten sie auch den Inhalt der Pakete nicht. «Es kann schon sein, dass wir auch mal Drogen transportiert haben», sagt Schaefter. Die grösste Angst sei immer gewesen, von irgendjemandem eine Bombe zugesteckt zu bekommen. Mit dem Auftrag: setze dich damit 15 Minuten auf die Bank am Aeschenplatz. Dazu kam es allerdings nie. Dafür erhielten sie einmal den Auftrag, eine Skulptur von Giacometti aus der Galerie Beyeler - damals noch an der Bäumleingasse - zum Fotografen zu transportieren. «Das war schon etwas Besonderes», sagt Moser.

Und Besonderheiten wurden in der Zentrale jeweils gross gefeiert. Wenn die Auftragszahl den bisherigen Rekord knackte, gab es Champagner und immer wenn es einen Tag lang regnete, stand ein Kuchen bereit. «Wir waren wie eine grosse Familie», sagt Moser.

Lug und Betrug nach 15 Jahren Erfolgsgeschichte

Das ging lange gut, bis nach 15 Jahren bei dem Gründungspaar irgendwann die Luft draussen war. «Wir hatten keine Lust und keinen Dampf mehr», sagt Moser. Als die Mitarbeitenden das merkten, ging die Rebellion innerhalb des Unternehmens los. «Wir hatten mit Lug und Betrug zu tun», erzählen die beiden. «Leute, denen wir am meisten vertrauten, haben sich gegen uns gestellt». Einige Mitarbeitende gründeten eine Firma in der Firma. Aus dieser Dynamik heraus entstand die heutige Firma Metropol Kurier. Für das eigene Unternehmen suchten Moser und Schaefter einen Nachfolger und fanden ihn. So konnte die heutige Kurierzentrale noch weitere 15 Jahre wirtschaften und anfangs November ihr 30 Jahre Jubiläum feiern.

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