Food-Waste

300 Kilo Essen landet jährlich im Bebbi-Sagg statt im Magen

2 460 000 Tonnen Essen landen pro Jahr im Abfall, knapp die Hälfte davon in den privaten Abfallsack. Pro Haushalt werden jährlich 1000 Franken an Essen weggeworfen. Das Projekt «Fair-Teiler» soll Abhilfe bringen.

Banane, braun statt gelb – ab in den Bebbi-Sagg. Brot, gummig statt knusprig – ab in den Bebbi-Sagg. Tag für Tag wandern schrumplige Früchte, braunes Gemüse oder abgelaufene Produkte in den Abfall. 300 Kilogramm Essen pro Jahr und Person. Mehr als zwei Millionen Tonnen in der Schweiz pro Jahr. Das ist ein Drittel aller Lebensmittel.

Dabei sind nicht die Restaurants oder Detailhändler wie Migros und Coop die grössten Verschwender, sondern die Haushalte. Knapp die Hälfte, nämlich 45 Prozent, der 2'460'000 Tonnen Essen landen in Abfallsäcken. Obwohl ein grosser Teil davon noch geniessbar wäre. Wer richtig einkauft und lagert, Reste verwertet und vom Broccoli auch den Strunk verwendet, kann dem «Food Waste», das der englische Begriff für die Lebensmittelverschwendung, entgegenwirken.

Verschenken statt wegwerfen

Die Baslerinnen und Basler sollen für das Thema sensibilisiert werden. Noch bis Samstag führt das Amt für Umwelt und Energie auf dem Matthäusplatz eine Informationsaktion durch. Passantenstopper mit Infografiken stehen vor dem gelben Stand, ein Mitarbeiter verteilt Broschüren. Man erfährt zum Beispiel, dass jeder Haushalt jährlich 1000 Franken für Lebensmittel ausgibt, die nicht gegessen werden.

Neben dem Infostand steht auf einem Veloanhänger ein «Fair-Teiler»: ein Regal mit zwei grünen Kisten, geschützt von einer Blache. Jeder kann Lebensmittel in die Kisten legen, die noch geniessbar sind, die er aber selber nicht mehr brauchen kann. Einzige Bedingung: In den «Fair-Teiler» gehört nichts, das gekühlt werden muss. Kochbananen, ein paar Paprikas und Brote warten am Dienstagnachmittag darauf, abgeholt zu werden. Mitnehmen kann die Lebensmittel jeder, ohne dafür zu bezahlen. Sie wären sowieso nur im Müll gelandet.

«Am Anfang zögern die meisten Leute noch», sagt Timo Weber vom Amt für Umwelt und Energie. Viele würden Sinn und Zweck des «Fair-Teilers» noch nicht kennen oder sich nicht so recht trauen, sich einfach zu bedienen oder nicht mehr benötigte Lebensmittel abzugeben.

Die Organisation Foodsharing, die Lebensmittel vor dem Wegwerfen rettet, hat den mobilen «Fair-Teiler» zur Verfügung gestellt. Auf deren Website kann jeder herausfinden, wo überall «Fair-Teiler» stehen. Im Moment hat es in Basel vier fix installierte: an der Schanzenstrasse, am Wiesendamm, bei der Kunstschule am Dreispitz und beim Werkhof im Gundeli. «Bei der Kunstschule und im Gundeli hat es sogar einen Kühlschrank», sagt Josefine Götze von Foodsharing. Dazu kommt der mobile «Fair-Teiler», der im Moment auf dem Matthäusplatz steht. Alle «Fair-Teiler» sind rund um die Uhr zugänglich.

Ein Selbstläufer

Einmal im Quartier etabliert, laufe das Geben und Nehmen von alleine. «Wir haben einige Freiwillige, welche die ‹Fair-Teiler› regelmässig kontrollieren», sagt Götze. Sie entsorgen verdorbenes Essen und halten die «Fair-Teiler» sauber. «Meistens ist das aber gar nicht nötig, weil die Lebensmittel alle rechtzeitig wegkommen.» Auf der Website wird laufend informiert, wenn Lebensmittel eintreffen. Vergangenen Montag konnte man in der Kunstschule «Kochbananen, kistenweise Paprikas, feine, reife Feigen und drei Töpfchen Schnittlauch» abholen.

Der virtuelle Essenskorb

Wer nicht in der Nähe eines «Fair-Teilers» wohnt und übrig gebliebenes Essen verschenken will, kann auf der Website von Foodsharing einen Essenskorb anbieten. Dazu muss man sich mit einer gültigen E-Mail-Adresse registrieren. Anschliessend können in einem Formular die Lebensmittel erfasst, und mit oder ohne Foto auf die Website geladen werden. Interessiert sich jemand für die überzähligen Kartoffeln, den Frischkäse oder das Brot, kann er sich melden und den Korb abholen.

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