Basler Innenstadt

30'000 Franken Miete pro Monat: Die Freie Strasse ist heiss begehrt – und wird internationaler

In der Freie Strasse Basel gibt es weniger Leerstand als angenommen

Die Neugestaltung der Freien Strasse wird den Wert der Ladenflächen zusätzlich steigern, so Mathias F. Böhm von Pro Innerstadt Basel.

In der Freie Strasse Basel gibt es weniger Leerstand als angenommen

Die Leerstandsquote ist auf einem Tiefststand, die Mieten werden teurer. Die Freie Strasse wird allerdings internationaler und zunehmend von Ketten dominiert, die sich diese Preise leisten.

Die Freie Strasse wird internationaler – und teurer. In der Hauptshoppingmeile der Stadt Basel beträgt die Quote an international tätigen Ketten zurzeit 68 Prozent. Dabei handelt es sich um Anbieter, die in mindestens zwei Ländern oder mehr Geschäfte betreiben, wie die Immobiliendienstleister CBRE in ihrem national erstellten Report «Retail Switzerland 2019/2020» berichtet. Damit liegt die Freie Strasse noch vor der Zürcher Bahnhofstrasse, die eine Quote von 66 Prozent aufweist. Die Quote bei den Ladenketten – Geschäften also, die mehr als einen Laden betreiben – beträgt in der Basler Freien Strasse 87 Prozent, an der Zürcher Bahnhofstrasse 84 Prozent. Bei der Zählung berücksichtigt wurden auch Gastronomie-Betriebe.

Die Preise sind zudem stattlich: Die durchschnittliche Premium-Miete für einen Quadratmeter Laden in der rund 510 Meter langen Freien Strasse berechnet die CBRE auf stattliche 3500 Franken pro Jahr. Das ist allerdings immer noch deutlich günstiger als in Zürich, wo der Report einen Richtwert von 10'000 Franken pro Jahr festhält. Für Basel ergibt das für eine Ladenfläche von 100 Quadratmeter idealer Fläche im Erdgeschoss an bester Lage eine Jahresmiete von rund 350'000 Franken. Das sind pro Monat knapp 30'000 Franken. Dabei ist die Leerstandsquote mit rund 1,1 Prozent verhältnismässig tief, aber immer noch höher als in der Zürcher Bahnhofsstrasse. Dort steht gar nichts leer.

Trottoirs weg, mehr Cafés: Branche freut sich auf Umbau

Und die Preise dürften noch teurer werden, zumindest mittelfristig. Ab 2020 will der Kanton mit der Sanierung der Freien Strasse beginnen: Die Trottoirs kommen weg, der Belag wird durch die schicke Pflästerung nach Gestaltungskonzept Innenstadt ersetzt, es soll etwas Begrünung geben und vor allem das eine oder andere Café.

Das steigert den Wert massgeblich. So schätzt auch Mathias F. Böhm, Geschäftsführer von Pro Innerstadt Basel, dass die Ladenmiete nach Fertigstellung der neuen Flaniermeile noch ein Stück ansteigen dürften. Davon allerdings könnten laut Böhm die weiteren Einkaufsstrecken der Stadt profitieren. Diese würden laut Böhm zwar nicht gerade auf Zürcher Niveau hochschnellen, jedoch dürfte es einige neue Anbieter wegen der zusätzlichen Verteuerung der Miete an zurzeit günstigere Orte ziehen. Womit das Gesamtangebot auch jenseits der teuersten Pflaster dieser Stadt angereichert wird.

Denn trotz der Krise des Detailhandels, der sich nach wie vor wirtschaftlichen Herausforderungen wie dem Online-Shopping, dem Preisdruck und dem Einkaufstourismus ausgesetzt sieht, sind Ladenflächen in der Stadt begehrt. Allerdings eher von neuen Anbietern: So lassen sich zunehmend Kosmetikbetriebe, Fitnessstudios und Konzeptläden in der Innenstadt nieder. Zugleich wächst das innerstädtische Hotelangebot, etwa am Marktplatz, wo die Interdiscount-Filiale umgebaut wird, oder in der Steinenvorstadt, wo ein neues Hotel bereits Ende Jahr eröffnen soll. «Das Angebot in der Innenstadt verändert sich tendenziell tatsächlich vom klassischen Detailhandel hin zum Dienstleister», sagt Patricia Kunz, Senior Consultant bei der CBRE.

Die Gerbergasse hat am meisten Heimisches im Angebot

Unter die Rubrik «High Streets Basel» fallen die Freie Strasse, die Gerbergasse, die Falknerstrasse und die Steinenvorstadt. Spalenberg und Kleinbasel zählen zurzeit nicht zu den Premium-Meilen. In Sachen Internationalisierung liegt die Falknerstrasse mit 44 Prozent deutlich hinter der Freien Strasse, bei den Ketten kann sie aber mit 81 Prozent gut mithalten. Leerstand gibt es dort aber keinen.

Am einheimischsten ist das Angebot in der Gerbergasse, die nur zu 29 Prozent internationalisiert ist und zu 51 Prozent durch Ketten belegt wird. Insgesamt weist die Studie für die Basler Premium-Einkaufsmeilen eine Internationalisierung von 45 Prozent aus, mit einem Kettenangebot von 68 Prozent und einer Leerstandsquote von 2,5 Prozent. Wobei dieser Wert von der Steinenvorstand hochgetrieben wird: Hier beträgt die Quote 4,5 Prozent. Das ist laut Kunz allerdings auf die rege Bautätigkeit in der gastrolastigen Zone zum Zeitpunkt der Zählung zurückzuführen.

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