Es war ein 19 Zentimeter langes Fleischmesser, mit dem der heute 31-Jährige im März 2016 eine Denner-Filiale in Basel in der Nähe des Wettsteinplatzes überfiel. Verletzt wurde niemand, die Kassiererin leidet allerdings bis heute an den psychischen Folgen. Der Mann erbeutete 1350 Franken, humpelte davon und setzte sich in der Nähe wieder in seinen Rollstuhl: Die Fahndung der Polizei blieb ergebnislos.

Wenige Tage später überfiel er erneut eine Denner-Filiale, diesmal an der Basler Hardstrasse. Auch hier flüchtete er per Rollstuhl, Passanten konnten ihn allerdings verfolgen, die Polizei nahm ihn fest. Seither sitzt er in Haft. Sein Führungsbericht ist tadellos: Er arbeitet zuverlässig und bereitet keinerlei Probleme, seit einer Operation kann er auch halbwegs wieder gehen.

«Ich hatte mich damals für einen Raub entschieden. Keine Vermummung, keinen DNA-Schutz, keine Fluchtchancen. Es war mir elend, ich hatte keine Aussichten», erzählte der 31-Jährige am Montag im Gerichtssaal in Muttenz.

«Gab es denn keine andere Möglichkeit, bei der man nicht Leute mit dem Messer bedroht?», fragte Staatsanwalt Jörg Rudolf. «Ich hatte Probleme mit der Wohnung, die IV sah mich als Schizophrenen, ich sass im Rollstuhl, und im Spital plante man schon beidseitige Amputationen», versuchte der Mann zu erklären. Bereits im Alter von 13 Jahren kam er für zwei Jahre ins Heim, absolvierte aber später eine Lehre als Baulogistiker und arbeitete auch auf dem Beruf. 

Nach einigen Delikten und Psychiatrieaufenthalten ordnete schon im Jahr 2010 ein Strafgericht eine stationäre Massnahme an, im Sommer 2014 hob man sie wegen Aussichtslosigkeit auf. Die Diagnose lautete damals auf Schizophrenie, die Krankheit war nach fünf Jahren aber angeblich «ausgeheilt». Heute trägt der Mann das Etikett der dissozialen Persönlichkeitsstörung. Ein Unfall warf ihn danach zusätzlich aus der Bahn, faktisch sass er im Rollstuhl rum und wartete auf die Gelder der Unfallversicherung.

Gelebt wie ein König

Irgendwann kam aber die Zwangsräumung, weil er seine Wohnung völlig verwahrlosen liess. Mit der IV-Auszahlung von 50 000 Franken tauschte der Mann den Rollstuhl gegen Taxifahrten und vergnügte sich in Cabarets und Stripclubs. Genau zehn Tage lang lebte er im Februar 2015 im Basler Luxushotel «Trois Rois», danach war das Geld weg. «Ich habe gelebt wie ein König». «Als Obdachloser lebt man ja nicht wie ein König», meinte Gerichtspräsident Daniel Ivanov. «Doch, mit Weintrinken und so. Ich war dort im Napoleon-Zimmer». Danach kam er gelegentlich bei der Familie unter, nach dem Tod der Grossmutter im Herbst 2015 sei er aber quasi «offiziell» zum Obdachlosen geworden. «Am Sonntag ging ich jeweils in die Kirche, um gratis essen zu können».

Schon lange vor den Überfällen geriet der Mann mehrmals in Streit mit Passanten: Nach Beschimpfungen stand er überraschend aus seinem Rollstuhl aus und schlug mit der Faust kräftig zu. An Weihnachten 2015 wurde er von einem Wachmann überrascht, als er in Münchenstein beim Einkaufszentrum Gartenstadt gestohlene Kleider abtransportieren wollte. Auch hier schlug er zu und verletzte den Wachmann. Als die Polizei anrückte, warf er mit Steinen um sich, mit Gewalt und Pfefferspray konnten die Polizisten ihn schliesslich überwältigen.

Stationäre Massnahme angeordnet

Verurteilt wurde er auch wegen eines Einbruchs im Haus der Mutter, dort stahl er aus dem Zimmer der ungeliebten Schwester 200 Franken. «Meine Schwester ist emotional. Die findet, ich sollte verwahrt werden.» Vorerst ist das noch kein Thema: Das Baselbieter Strafgericht ordnete erneut eine stationäre Massnahme von unbestimmter Dauer an. Der Mann akzeptierte Genugtuungszahlungen von jeweils 1000 Franken an mehrere seiner Opfer. Eigentlich wollte er bloss eine ambulante Therapie mit mehr Freiheiten. Rr kann das Urteil noch weiterziehen.