Eigentlich hatte der 38-jährige Mann aus Mazedonien gute Voraussetzungen: Mit sieben Jahren ist er in die Schweiz gekommen, besuchte hier alle Schulen und schloss eine Lehre als Elektromonteur ab. Was danach genau geschah, wurde am Dienstag im Basler Strafgericht nicht deutlich. Doch seit einigen Jahren besteht sein Leben offenbar nur noch aus dem Rotlichtmilieu, aus Drogen und Gewalt. Der verheiratete Mann mit zwei Töchtern im Alter von acht und zehn Jahren hat bereits mehrere Vorstrafen wegen Körperverletzung und Nötigung auf dem Kerbholz, aus seiner letzten vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis im Jahr 2013 sind noch elf Monate als Reststrafe offen.

Wovon er danach lebte, ist völlig unklar, und auch auf mehrfaches Nachfragen der Richter zu diesem Thema antwortete er ausweichend. Die Alimente bezahlte er schon lange nicht mehr. Jedenfalls schaffte er es, sich regelmässig mit Prostituierten in Salons an der Dornacherstrasse oder im Klingental zu amüsieren.

Mit den Frauen zog er auch gerne um die Häuser, und aus seiner Sicht blieb dabei alles im grünen Bereich: Manchmal gab es Streit, die Frauen waren eifersüchtig auf seinen promiskuitiven Lebenswandel, nur deshalb stehe er nun vor Gericht. Die Basler Staatsanwaltschaft sieht das ganz anders: Der Mann habe sich mit einer ungarischen Prostituierten zuerst angefreundet, um danach skrupellos Druck aufzubauen und die Frau unter Drogen zu setzen. In der Toilette einer Disco wie auch später in der Wohnung eines Bekannten soll er sie bedroht und vergewaltigt haben. Einige Wochen später soll er eine 21-jährige, schwer depressive Frau ähnlich bedroht, zu Sex mit einem Kumpel genötigt und schliesslich zum Anschaffen gezwungen haben.

Brutaler Umgang

So sass die 21-Jährige laut der Anklageschrift beispielsweise im Mai 2015 in einer Kontaktbar in der Webergasse, ein Freier bezahlte 300 Franken für die Frau an die Bardame. Der 38-Jährige verlangte daraufhin zusätzliche 500 Franken und erhielt das Geld nach einem kurzen Streit tatsächlich. Die 21-Jährige hingegen holte sich ihren Lohn am nächsten Tag bei der Bardame ab und erhielt lumpige 10 Franken. Auch die 21-jährige Frau sagte aus, der Angeklagte habe sie geschlagen, wenn er wütend gewesen sei.

Ähnliche Vorwürfe kommen von einer dritten Frau, einer 24-jährigen Ungarin aus dem Rotlichtmilieu. Auch hier schildert die Staatsanwaltschaft Schläge, Einsperren, ein eifersüchtiges Untersuchen des Intimbereiches der Frau auf angeblich fremde Spermaspuren und ähnliche Methoden des 38-Jährigen. Die Beweislage ist allerdings schwierig: Ein erstes Opfer tauchte am Dienstag vor dem Basler Strafgericht gar nicht erst auf, und an den Einvernahmen durch die Staatsanwaltschaft hat die Verteidigung einige Mängel ausgemacht. Weitere Opfer und Zeugen sind noch vorgeladen, das Urteil fällt Ende Woche.