Tram
3er-Verlängerung: 85 Prozent der Gleise sind schon verlegt

Auf der Basler Seite geht es mit Vollgas voran. Die neue Anlage am Burgfelder Zoll ist im Mai fertig und bereits Ende 2017 fährt das Tram bis zum Bahnhof von Saint-Louis. Die neuen Gleise sind 3,1 Kilometer lang.

Peter Schenk
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Hier geht es zur derzeitigen Endhaltestelle am Bahnhof von Saint-Louis, den das verlängerte 3er-Tram von Westen aus anfährt. Der Bahnhof befindet sich am oberen Bildrand. Das Tram verkehrt hier im Viertelstundentakt. zvg
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Jedes zweite Tram fährt am Zoll weiter nach Saint-Louis, die anderen fahren an der Wendeschleife beim Halt Burgerfelderhof zurück nach Basel.
3er Tram
Projektleiter Mathieu Harnist zeigt bei der Wendeschlaufe Burgfelden Grenze den Unterschied im Gleisbau zwischen der Schweiz und Frankreich, die an dieser Stelle sehr gut zu sehen sind.
Hier stossen die Geleise bei der Wendeschlaufe an der Grenze zusammen, links in Schweizer und rechts in Französischer Bauweise.
Derzeit wird das Betondach der neuen Zollanlage am Burgfelder Zoll gegossen – Blick von Basel aus. Kenneth Nars
Das Dach der neuen Zollanlage
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Hier geht es zur derzeitigen Endhaltestelle am Bahnhof von Saint-Louis, den das verlängerte 3er-Tram von Westen aus anfährt. Der Bahnhof befindet sich am oberen Bildrand. Das Tram verkehrt hier im Viertelstundentakt. zvg

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Im Unterschied zur 8er-Tramverlängerung nach Weil am Rhein, bei der mehrere neue Brücken gebaut werden mussten, ist die 3er-Tramverlängerung nach Saint-Louis technisch bei weitem nicht so anspruchsvoll. Die Arbeiten, die 2015 begannen, gehen gut voran: So sind laut Projektleiter Mathieu Harnist vom Basler Tiefbauamt auf der Schweizer Seite bereits 85 Prozent der Gleise verlegt.

3,1 Kilometer lang ist die Tramverlängerung. Davon liegen 500 Meter in Basel. Es ist die Strecke von der heutigen 3er-Wendeschlaufe bei der Waldighoferstrasse bis zum Zoll Burgfelden. Derzeit werden die Überdachung der neuen Zollanlage und ein Nebengebäude mit WCs und Aufenthaltsräumen für das Personal der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) gebaut.

Einbahnstrasse bald aufgehoben

Der Rohbau des Zolls wird voraussichtlich bis Weihnachten fertig, dann kann man mit dem Auto auch wieder über den Zoll in Richtung Basel fahren – derzeit gilt hier Einbahnstrassenverkehr Richtung Elsass. Die ganze Zollanlage inklusive Abfertigungskabine und Nebengebäude soll bis Mai 2017 stehen. Im Juli 2017 werden am Zoll die französischen und Schweizer Gleise zusammengefügt und im August beginnen die Probefahrten mit dem Tram, das Ende 2017 in Betrieb genommen werden soll.

Auf Schweizer Seite wird so ein Gebiet erschlossen, das bisher nicht an den öV angebunden war. Dazu gehören das Schweizerische Paraplegikerzentrum Basel Rehab, die Stiftung Bürgerspital sowie das bestehende und zukünftige Altersheim. Im Elsass werden die Wohngebiete von Bourgfelden ebenso angeschlossen wie die Sportanlagen Pfaffenholz, ein Schwimmbad, das Gymnasium Jean Mermoz und der grosse Supermarkt Géant Casino.

Von der dortigen Haltestelle Soleil sind Innenstadt, Kulturzentrum «La Coupole» und Museum «Fondation Fernet Branca» in wenigen hundert Metern zu Fuss zu erreichen. Gegen eine Verlängerung des 11er-Trams durch die zentrale Einkaufsstrasse hatte sich Saint-Louis gewehrt. Das 3er-Tram endet westlich des Bahnhofs und soll für den weitgehend unbebauten Raum zwischen Supermarkt und Bahnhof die Rolle eines Entwicklungsmotors spielen. Später möchten die Südelsässer das Tram weiter in Richtung Euro-Airport (EAP) verlängern.

Betrieben wird die 3er-Tramverlängerung von den BVB. Hauptpartner auf der französischen Seite ist der Zweckverband Communauté d'Agglomération des Trois Frontières (CA3F). Bis zur Wendeschlaufe am Zoll gibt es für Basel einen 7,5-Minutentakt. Jedes zweite Tram fährt im 15 Minutentakt ins Elsass. Der Regierungsrat rechnet im Ratschlag vom 14. Mai 2014 damit, dass mit dem Tram über 1700 Personenfahrten pro 24 Stunden vom Autoverkehr auf den öV verlagert werden. Wenn man die Wochenenden abrechnet, was das Amt für Mobilität vorschlägt, kommt man auf rund 500 000.

Ansturm wird ausbleiben

Die BVB gehen in einer «vorsichtigen Schätzung» ebenfalls von 500 000 Fahrgästen jährlich aus. «Wir sind bei solchen Prognosen grundsätzlich zurückhaltend, da diese Zahlen von diversen Faktoren beeinflusst werden können.» Ansonsten geben sie sich zuversichtlich, «dass die Verlängerung der Linie 3 eine Erfolgsgeschichte wird, auch wenn ein Ansturm, wie er auf der Linie 8 ab dem ersten Tag bestand, ausbleiben dürfte. In Frankreich rechnen wir mit einem langsameren, aber kontinuierlichen Wachstum.»

Einkaufstourismus von Schweizern in Frankreich ist kaum ein Thema: das Preisniveau ist höher als in Deutschland und selbst viele Elsässer kaufen deshalb im Weiler Rheincenter ein.

Der zitierte Ratschlag geht davon aus, dass dem Kanton durch den Trambetrieb von Basel nach Saint-Louis Abgeltungskosten von 1 850 000 Franken entstehen. Der Unterhalt der Gleisinfrastruktur erhöhe sich aufgrund der Verlängerung der Strecke um 500 000 Franken pro Jahr. BVB wie Projektleiter Harnist rechnen heute damit, dass die Kosten eher niedriger sein werden.

Noch nicht geklärt ist die Frage der Tarife und ob GA, U-Abo und Halbtax auf der Strecke nach Frankreich gültig sind. Ein Problem wird sein, dass die Franzosen erheblich weniger verdienen als die Schweizer. Ein Billett, um mit dem Distribus zur Basler Schifflände zu fahren, kostet derzeit lediglich 1,50 Euro.

Die BVB verweisen darauf, dass die Tariffragen unter BVB, TNW und französischen Partnern geklärt werden müssen und zeigen sich optimistisch: «Alle involvierten Parteien haben das gemeinsame Ziel, dass die Tarifgestaltung dem unterschiedlichen Lohn- und Preisniveau in Frankreich und der Schweiz angemessen Rechnung trägt und das Tarifsortiment entsprechend verständlich ist. Die entsprechenden Gespräche sind auf gutem Weg.» Projektleiter Harnist rechnet für Februar oder März 2017 mit einer Lösung bei der Tariffrage, die «eine grosse Herausforderung» sei.