Pipes and Drums of Basel

40 Jahre Schottland-Fernweh: «Was wird unter dem Kilt getragen?» – «Socken!»

Die Basler Dudelsack-Musiker spielen auf einem hohen Niveau. Zum Jubiläum veranstaltete die Band am Samstag einen Flashmob beim Dreizackbrunnen in der Freien Strasse.

Kurz nachdem sich der Pulverdampf des Zweiten Weltkrieges verzogen hatte, stationierte Schottland für eine kurze Zeit Soldaten in Basel. Diese fremden Herren spielten ein Instrument, das die Basler verzückte: den Dudelsack. In Medienberichten der damaligen Zeit wird beschrieben, wie die Polizei die Schaulustigen zurückdrängen musste. Die Schotten konnten ihre angekündigte Route durch Basel wegen der «Druggedde» gar nicht absolvieren.

1947 wurde die «Schotte-Clique» gegründet und somit die Pipes in Basel verankert. 1978 wurde mit den Pipes and Drums of Basel eine Band ins Leben gerufen, die sich ausserhalb der Fasnacht dem schottischen Nationalinstrument verschrieb. 40 Jahre später gilt sie als eine der professionellsten schottischen Bands in der Schweiz. An den Schweizer Meisterschaften räumen die Basler regelmässig ab.

Zum Jubiläum veranstaltete die Band am Samstag einen Flashmob beim Dreizackbrunnen in der Freien Strasse. Anschliessend gab sie ein Platzkonzert auf dem Marktplatz und absolvierte eine Parade zum Rümelinsplatz. Den Geburtstag hat die Band intern bereits mit einem Fest gefeiert, zu dem auch Gründungsmitglieder eingeladen waren. Die ersten Bandmitglieder haben sich das Dudelsackspielen noch selber beigebracht.

Sie haben Filme studiert und einfach ausprobiert – learning by doing. Das heutige Niveau der Band ist aber so hoch, weil mehr Aufwand betrieben wird. Einmal in der Woche treffen sich die Piper und Drummer zum gemeinsamen Üben und einmal im Jahr reisen die Musiker in ein Trainingslager in der Innerschweiz. Dabei sind auch schottische Instruktoren, die viele Details kennen und die Basler einen Schritt weiterbringen können.

«Zwischendurch militärisch»

Jedes Bandmitglied muss das «Basic Repertoire» vortragen können. Einige in der Band beherrschen auch die weiteren Niveau-Stufen bis hin zum «Competition Repertoire». Disziplin ist wichtig, um die Rhythmen, die Technik und auch die Märsche einzuspielen. Wie die Drummer auf einem «Böggli», üben die Piper auf dem «Chanter».

Das ist der «Stab», der unten am Dudelsack hängt und auf dem wie bei einer Blockflöte gespielt wird. «Bei uns geht es zwischendurch militärisch zu und her», räumt Ines Fuhrer ein. Sie ist «Tuner» bei der Band. Sie stimmt die Drohnen des Dudelsackes. Damit sind die drei «Stäbe» (einer länger als die beiden anderen) gemeint, an denen oben am eigentlich «Sack» geschraubt werden kann. Verlängert man diese, wird der Ton tiefer. Fuhrer macht dies mit einem Stimmgerät. Sie nimmt den Ton des A des Pipe Sergeant, der meist zwischen 250 und 254 Hertz liegt, ab, und stimmt die anderen Instrumente nach diesem Ton: den sonoren, dumpfen und melancholischen Ton eines Dudelsackes.

Fernziel Junge Garde

«Die Akzeptanz für diese Art Musik soll bleiben, wie sie ist. Das wäre toll», wünscht sich Fuhrer. Wer Lust auf schottische Musik hat, der kann jederzeit bei den Pipes and Drums of Basel einsteigen. Zwei Mitglieder der Band haben eine eigene Musikschule gegründet, in der unter anderem auch Dudelsack spielen gelehrt wird. Das Alter spielt keine Rolle, man muss nur bedenken, dass der Aufwand doch relativ gross ist. «Einen Tenor Drummer suchen wir aktuell», sagt Fuhrer und ergänzt, dass die Band in der Drumline auch noch Verstärkung bräuchte.

Ein Wunsch wäre es, junge Leute so für die Band zu begeistern, dass eine junge Garde gegründet werden könnte. Fuhrer lobt ausserdem die Kameradschaft durch die ganze Band. «Die geht über die verschiedenen musikalischen Niveaus hinweg.» Ein grosser Anlass ist für die Schottland-Begeisterten jedes Jahr der St. Andrews Day, der Nationalfeiertag Schottlands. Da wird eine «St. Andrews Night» durchgeführt, mit viel Essen und Auftritten. Selbstverständlich wird das schottische Nationalgericht «Haggis» (gefüllter Schafsmagen) serviert und mit einer Whisky-Degustation abgeschlossen. Die Mitglieder der Band tragen eine «klassische» schottische Uniform mit einem eigenen Tartan-Muster.

Fehlt zum Schluss nur noch die obligate Frage: «Was wird unter dem Kilt getragen?» Antwort von Ines Fuhrer: «Socken!»

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