Die Basler Staatspersonalverbände sammeln seit Anfang Monat Unterschriften für eine Reduktion der Arbeitszeit. Eines der Argumente lautet: In der Privatwirtschaft sei die 40-Stunden-Woche bereits weit verbreitet.

«Stimmt», bestätigt Unia-Nordwestschweiz-Mediensprecher Thomas Leuzinger auf Anfrage und präsentiert Zahlen: Demnach habe die Gewerkschaft die 40-Stunden-Woche in insgesamt sechs Gesamtarbeitsverträgen verankert, von denen rund 12 000 Arbeitnehmer in den beiden Basel profitieren. Würde der Kanton die Arbeitszeit reduzieren, so würde das auch den Gewerkschaften im Privatsektor helfen.

Dieser Meinung ist auch Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik beim Gewerkschaftsdachverband Travail Suisse. «Das Vorangehen des Staates hilft zweifellos auch Angestellten in der Privatwirtschaft.» Ein politischer Vorstoss zur Einführung der 40-Stunden-Woche für alle sei hingegen aktuell kein Thema, die politischen Chancen einer solchen Forderung gering, sagt Fischer. Er stelle aber fest, dass sich die junge Generation ihre persönliche Freiheit selbst hole – beispielsweise durch Teilzeitarbeit. «Die Wichtigkeit der Wohlfahrtserhaltung nimmt ab, und es wird spannend, was dies in Zukunft für die Arbeitszeiten heisst.»

Regierung schweigt

Weil es offenbar bereits Verhandlungen zwischen der Basler Regierung und den Staatspersonalverbänden gibt, nehmen die Regierungsräte keine Stellung zum Thema. Anders Regierungskandidat Lorenz Nägelin, der als Teamleiter Rettungssanität selbst im Dienste des Staates steht. Der SVP-Politiker sagt, dass die Idee grundsätzlich zu prüfen sei. «Ich bin aber der Überzeugung, dass es in den meisten Fällen ohne zusätzliche Stellen geht, sondern durch Effizienzsteigerung. Bei den Ereignisdiensten mit Schichtbetrieb hingegen bräuchte es auf jeden Fall zusätzliche Stellen.»

Beim Kanton selbst sieht man sich nicht in der Pflicht, der Privatwirtschaft bezüglich Arbeitszeit als Vorbild zu dienen. «Wir sind jetzt schon ein attraktiver Arbeitgeber und haben in vielen Bereichen Vorbildcharakter, etwa bei der Teilzeitarbeit. Zudem bieten wir, im Gegensatz zur Privatwirtschaft, äusserst sichere Arbeitsplätze», sagt Andrea Wiedemann, Leiterin Personaldienst. «Unser Ziel ist es nicht, in jedem einzelnen Aspekt die allerbesten Bedingungen zu bieten, sondern grundsätzlich ein verlässlicher, moderner Arbeitgeber zu sein mit einem ausgewogenen Gesamtpaket. Die Höhe der wöchentlichen Arbeitszeit ist nur ein Teil davon.»