«Wir begrüssen auch die Anhänger des FC Zürich, die extra mit dem Fiat Cinquecento angereist sind.» 42'000 Fussballfans johlten, als der Basler Stadionsprecher Otto Rehorek am 30. April 1994 die Zuschauerzahlen bekannt gab. Beim heutigen Cup-Viertelfinal rechnen die Verantwortlichen mit ein paar Blauweissen mehr.

Der FCZ hat in Basel mehrfach wegen zusätzlichen Tickets angefragt. Rund 4000 dürften es heute Abend sein, drei Extrazüge stehen bereit. «Viele Clubs wären froh, wenn sie bei einem Heimspiel so viele Fans hätten», freut sich Markus Imbach vom Fanclub Letzi.

Für die Zürcher, die diese Saison in der zweitklassigen Challenge League spielen, ist der heutige Klassiker neben dem absehbaren Wiederaufstieg das Saisonhighlight. «Das Spiel Basel-Zürich gilt zurecht als Klassiker. Seit den 1960er Jahren bis heute hat die Begegnung nichts von ihrer Brisanz verloren», sagt Imbach.

«Rechne mit Scharmützeln»

In die Vorfreude mischen sich bei den Zürcher Fans aber auch immer unschöne Erinnerungen an Scharmützel und Ausschreitungen: «Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich das nicht auch im Hinterkopf habe», sagt Imbach. «Wenn man einmal einer fliegenden Fackel ausweichen musste, vergisst man das nicht mehr so schnell.» Er höre auch immer wieder von Fans, dass sie deswegen Spiele gegen Basel meiden.

Diese Stimmen kennt auch Roger Charbon vom FCZ Fanclub 1896. Auch seine Gruppe wird deshalb mit dem Car anreisen und hat ihre Sitzplätze mit Absicht neben dem offiziellen Gästesektor gebucht. «Viele Zürcher Chaoten können sich in der Challenge League nicht austoben und freuen sich nun auf Basel. Ich fürchte, zumindest kleinere Scharmützel werden nicht zu vermeiden sein.»

Auch die Fankurve des FC Zürich, die Südkurve, ist sich der Brisanz beim Spiel gegen die «Chemieaffen», wie der FCB teilweise abschätzig betitelt wird, bewusst. Nach dem letzten Auswärtsspiel wurden im Fanzug Flyer verteilt mit Verhaltensregeln für den Abstecher nach Basel. Man solle sich nicht provozieren lassen, auf unnötiges Herumbrüllen aus dem Zug heraus verzichten und den eigenen Alkoholkonsum im Auge behalten, so die Selbstregulierung der Fans.

«Abstieg war heilsamer Schock»

Grundsätzlich aber überwiegt bei den Zürchern die Vorfreude. Und die Hoffnung auf eine kleine Fussballsensation. «Wir sind der klare Aussenseiter und haben nichts zu verlieren», sagt Charbon. Gleichzeitig habe sich der letztjährige Abstieg als heilsamer Schock erwiesen. «Der Club tritt weniger grosskotzig auf und hat sich gezielt personell verstärkt.»

Und die Saison in der zweitklassigen Challenge League habe auch ihre schönen Seiten: «Wir sind Favorit, füllen die Stadien und sind auch erfolgreich», sagt Charbon. Entsprechend optimistisch sind die FCZ Fans: «2:1 nach Verlängerung» tippt Imbach. «Wir siegen 3:1», sagt Charbon. «Das Siegestor fällt spätestens in der 93. Minute.»