Man muss sich das mal vorstellen: Da wurde während Monaten pro Tag eine Million Franken verbaut. 160 000 Tonnen Bauschutt wurden abtransportiert, 45 000 Kubikmeter Beton und 6800 Tonnen Stahl wurden angeschleppt. Und das mitten in der Stadt, bei normal verkehrenden Trams. Lange Zeit war es die grösste Baustelle der Nordwestschweiz.

Nach nur 22 Monaten Gesamtbauzeit, aufgeteilt in drei Etappen, wurde gestern der 220 Meter lange Bau übergeben. Ohne Mehrkosten, ohne zeitliche Verzögerung, wie die Verantwortlichen an einer Medienkonferenz in Basel betonten. Jetzt geht es nur noch um die «Beseitigung von unwesentlichen Mängeln», wie sich René Kamm, Chef der Messe Schweiz AG (MCH), ausdrückt.

Rund 200 Firmen waren auf der Baustelle tätig. Zwei Drittel stammten aus der Region, 23 Prozent aus der übrigen Schweiz und 11 Prozent aus dem Ausland. Vor allem die regionalen Firmen vergaben die Aufträge an Subunternehmer, wie Vischer sagte. In der letzten Bauphase sorgten immer wieder Verstösse gegen Arbeitsbestimmungen für Schlagzeilen. Die hängigen Fälle würden weiterverfolgt, sagte MCH-Präsident Ulrich Vischer. «Wir hatten zwar nie ernsthaft gezweifelt, dass der Bau termingerecht fertig würde», so Vischer. «Aber man konnte gar nicht daran zweifeln, weil es keine Alternative gab.» Das Problem: Bereits am 25. April öffnet die Uhren- und Schmuckmesse «Baselworld» ihre Tore – und genau deretwegen hatte die MCH die neue Halle gebaut. Der Zeitplan war ausserordentlich eng.

Dazu muss man wissen: Die Baselworld wirft nicht nur am meisten Geld ab, sie ist auch sehr prestigeträchtig. Einen Ausfall konnte und wollte sich die Messe nicht leisten.

Stände: Nochmals 500 Millionen

In den neuen Hallen können sich die Aussteller, so sie das Kleingeld haben, hemmungslos austoben. Es sind bis zu dreistöckige Stände möglich, wobei hier der Begriff «Stand» wohl etwas kurz greift. Rolex, so war am Rande der Präsentation zu hören, würde für den Antransport ihres Standes 200 Sattelschlepper brauchen. Insgesamt, so sagt Vischer, würden in den kommenden sieben Wochen 500 Millionen verbaut – das ist deutlich mehr als das ganze Bauvorhaben. 100 Millionen davon werden alleine für den Aufbau gebraucht, und zwar jährlich wiederkehrend. Weil das derart viel Arbeit ist, profitieren davon Gewerbebetriebe bis weit über den Jura und die Landesgrenzen hinaus. In den kommenden Wochen werden Tausende von Standbauern tätig sein. Schon bald werden in Basel und Umgebung keine freien Hotel- und Gästezimmer mehr zu finden sein.

Weniger Fläche und Aussteller

Spannend ist, dass die Baselworld in den vergangenen Jahren laufend weniger Fläche beanspruchte. Mit dem Neubau ging die Ausstellungsfläche von 160 00 auf 141 000 Quadratmeter zurück, die Ausstellerzahl von 1800 auf 1460. Warum? «Viele Anbieter sind vom Markt verschwunden, es gab auch Konkurse», sagt Baselworld-Sprecher Bernhard Keller zur «Nordwestschweiz». So gibt es heute an der Baselworld nur noch wenige italienische Schmuckanbieter. «Wir spiegeln den Markt», sagt er. Doch ein bisschen Kalkül steckt auch dahinter. «Wenn ein Platz frei wird, bieten wir ihn zuerst den bisherigen Ausstellern an.» So wurden es im Verlauf weniger. Auf der anderen Seite besteht bei den Top-Konzernen das Bedürfnis nach mehr Fläche.

Die Baselworld wird immer mehr zu einem Lifestyle-Ereignis. Ein Zeichen dafür: 4000 Journalisten reisen nach Basel. Und es sind längst nicht mehr nur Fachjournalisten. Die— «Vogue» kommt gleich im Dutzend, auch aus Russland. Nie hatten es Uhrenhersteller so einfach, an eine derart grosse Zahl von Medien heranzukommen.

Vor einigen Jahren haben einige Luxusuhrenhersteller wie Richemond, IWC und Jaeger le Coultre Basel den Rücken gekehrt und in Genf ihrer eigene Messe lanciert. Im Prinzip fehlen sie jetzt, die Leistungsshow ist nicht komplett. Aber die Baselworld ist ausgebucht, und eine rasche Rückkehr sei «derzeit kein Thema», sagt Keller. Doch wenn eine Anfrage käme: Eine Lösung könne immer gefunden werden.