Messe Schweiz
430 Millionen für Neubau - Aussteller investieren nochmals 500 Millionen

Nach 22 Monaten Bauzeit hat Totalunternehmerin HRS gestern der Messe Schweiz den Neubau der Messe Basel übergeben. 430 Millionen Franken hat er gekostet – Aussteller stecken nochmals 500 Millionen in den Standbau.

Stefan Schuppli
Merken
Drucken
Teilen
Die Messe ist fertig
19 Bilder
Der symbolische Ribbon Cut, von links Rebecca Zuber (HRS), Pierre de Meuron (Architekt), René Kamm (MCH Group), Martin Kull (HRS Real Estate), Peter Holenstein (MCH Group)
Nach dem symbolischen Ribbon Cut gab es auch noch eine Schlüsselübergabe, von links Rebecca Zuber (HRS), Pierre de Meuron (Architekt), René Kamm (MCH Group), Martin Kull (HRS Real Estate), Peter Hole
Pierre de Meuron (Architekt) bei seinen Ausführungen, dahinter rechts Martin Kull (HRS Real Estate), Dr. Ulrich Vischer (MCH Group), René Kamm (MCH Group)
Pierre de Meuron im leeren ersten Obergeschoss
Ein Blick in die Halle im Erdgeschoss
Das Erdgeschoss mit imposanter Treppe
Das ist die neue Messe
Die Halle im ersten Stock
Die Rolltreppe im ersten Stock
Blick durch die Fassade aus dem ersten OG auf die Clarastrasse
Im ersten Stock sind Arbeiter mit Aufbauarbeiten beschäftigt
Die Messehalle im ersten OG, in der Mitte der verkleidete Lichtschacht
Das grosse Loch in der Mitte der Bauten über der Tramlinie
Das «Himmelsauge»
Die Fassade mit ihren Krümmungen und spielerischen Elementen

Die Messe ist fertig

Kenneth Nars

Man muss sich das mal vorstellen: Da wurde während Monaten pro Tag eine Million Franken verbaut. 160 000 Tonnen Bauschutt wurden abtransportiert, 45 000 Kubikmeter Beton und 6800 Tonnen Stahl wurden angeschleppt. Und das mitten in der Stadt, bei normal verkehrenden Trams. Lange Zeit war es die grösste Baustelle der Nordwestschweiz.

Die MCH Group

• Die Schweizerische Mustermesse wurde 1916 gegründet, fusionierte 2001 mit der Messegesellschaft Zürich zur Messe Schweiz. 2009 wurde sie zur MCH Group mit der Unterzeile «Global Life Marketing» umfirmiert.

• MCH ist die grösste Messeorganisation in der Schweiz, weltweit gehört sie zu den zehn grössten Messegesellschaften. Mit den rund 600 Angestellten erzielte sie 2011 einen Umsatz von 324 Millionen Franken und machte 21 Millionen Gewinn.

• Die Firma ist im Besitz des Kantons Basel-Stadt (33,5 Prozent), Baselland (7,8 Prozent) und Zürich, Kanton und Stadt (7,7 Prozent). Die Aktie wird auch an der Börse gehandelt; ausser BS, BL und ZH darf aber niemand mehr als fünf Prozent besitzen. Hauptsitz ist Basel.

• Pro Jahr finden rund 95 Eigen- und Gastmessen statt. Diese sind Fachmessen wie die etwa die Uhren- und Schmuckmesse und die Swissbau, oder Publikumsmessen wie die Muba. Am meisten Publikum zieht mit 304 000 Besuchern noch immer die «Muba» an. Die Uhren- und Schmuckmesse «Baselworld» ist mit 104 000 wesentlich kleiner, kommerziell und volkswirtschaftlich aber bedeutender.

• Rund ein Drittel der durch die MCH generierten Wertschöpfung (Löhne und Gewinne) geht auf das Konto der «Baselworld», wie eine Studie der BAK Basel 2006 zeigte. Zulieferbetriebe eingerechnet, sorgt die Messe Basel für eine Wertschöpfung von rund 1,9 Milliarden Franken jährlich.

• Neben Basel ist die MCH in Zürich und Lausanne tätig, seit ein paar Jahren organisiert sie Messen im Ausland, zum Beispiel Art Basel Miami und Hongkong und Design Miami.

• MCH ist auch eine grosse Event-Organisation und hatte in der Vergangenheit in dem Bereich auch Firmen akquiriert (Expomobilia, Rufener, Winkler). (sts)

Rund 200 Firmen waren auf der Baustelle tätig. Zwei Drittel stammten aus der Region, 23 Prozent aus der übrigen Schweiz und 11 Prozent aus dem Ausland. Vor allem die regionalen Firmen vergaben die Aufträge an Subunternehmer, wie Vischer sagte. In der letzten Bauphase sorgten immer wieder Verstösse gegen Arbeitsbestimmungen für Schlagzeilen. Die hängigen Fälle würden weiterverfolgt, sagte MCH-Präsident Ulrich Vischer. «Wir hatten zwar nie ernsthaft gezweifelt, dass der Bau termingerecht fertig würde», so Vischer. «Aber man konnte gar nicht daran zweifeln, weil es keine Alternative gab.» Das Problem: Bereits am 25. April öffnet die Uhren- und Schmuckmesse «Baselworld» ihre Tore – und genau deretwegen hatte die MCH die neue Halle gebaut. Der Zeitplan war ausserordentlich eng.

Dazu muss man wissen: Die Baselworld wirft nicht nur am meisten Geld ab, sie ist auch sehr prestigeträchtig. Einen Ausfall konnte und wollte sich die Messe nicht leisten.

Stände: Nochmals 500 Millionen

In den neuen Hallen können sich die Aussteller, so sie das Kleingeld haben, hemmungslos austoben. Es sind bis zu dreistöckige Stände möglich, wobei hier der Begriff «Stand» wohl etwas kurz greift. Rolex, so war am Rande der Präsentation zu hören, würde für den Antransport ihres Standes 200 Sattelschlepper brauchen. Insgesamt, so sagt Vischer, würden in den kommenden sieben Wochen 500 Millionen verbaut – das ist deutlich mehr als das ganze Bauvorhaben. 100 Millionen davon werden alleine für den Aufbau gebraucht, und zwar jährlich wiederkehrend. Weil das derart viel Arbeit ist, profitieren davon Gewerbebetriebe bis weit über den Jura und die Landesgrenzen hinaus. In den kommenden Wochen werden Tausende von Standbauern tätig sein. Schon bald werden in Basel und Umgebung keine freien Hotel- und Gästezimmer mehr zu finden sein.

Weniger Fläche und Aussteller

Spannend ist, dass die Baselworld in den vergangenen Jahren laufend weniger Fläche beanspruchte. Mit dem Neubau ging die Ausstellungsfläche von 160 00 auf 141 000 Quadratmeter zurück, die Ausstellerzahl von 1800 auf 1460. Warum? «Viele Anbieter sind vom Markt verschwunden, es gab auch Konkurse», sagt Baselworld-Sprecher Bernhard Keller zur «Nordwestschweiz». So gibt es heute an der Baselworld nur noch wenige italienische Schmuckanbieter. «Wir spiegeln den Markt», sagt er. Doch ein bisschen Kalkül steckt auch dahinter. «Wenn ein Platz frei wird, bieten wir ihn zuerst den bisherigen Ausstellern an.» So wurden es im Verlauf weniger. Auf der anderen Seite besteht bei den Top-Konzernen das Bedürfnis nach mehr Fläche.

Die Baselworld wird immer mehr zu einem Lifestyle-Ereignis. Ein Zeichen dafür: 4000 Journalisten reisen nach Basel. Und es sind längst nicht mehr nur Fachjournalisten. Die— «Vogue» kommt gleich im Dutzend, auch aus Russland. Nie hatten es Uhrenhersteller so einfach, an eine derart grosse Zahl von Medien heranzukommen.

Vor einigen Jahren haben einige Luxusuhrenhersteller wie Richemond, IWC und Jaeger le Coultre Basel den Rücken gekehrt und in Genf ihrer eigene Messe lanciert. Im Prinzip fehlen sie jetzt, die Leistungsshow ist nicht komplett. Aber die Baselworld ist ausgebucht, und eine rasche Rückkehr sei «derzeit kein Thema», sagt Keller. Doch wenn eine Anfrage käme: Eine Lösung könne immer gefunden werden.